Deutsches Search-Tech-Startup :
Nano Interactive erhält 4-Millionen-Euro-Finanzierung

Großer Erfolg für das deutsche Adtech-Startup Nano Interactive: Es erhält eine Finanzierungsrunde von 4 Millionen Euro von einem britischen Investor. 

Text: Verena Gründel

Christian Geyer hat Nano Interactive 2014 zusammen mit Carl White gegründet.
Christian Geyer hat Nano Interactive 2014 zusammen mit Carl White gegründet.

Vier Millionen Euro fließen schon in Kürze von London nach Starnberg. Denn die britische Foresight Group beteiligt sich am deutschen Adtech-Startup Nano Interactive. Die Starnberger bieten Werbungtreibenden eine proprietäre Technologie, mit der sie Display-, Mobile- und Video-Werbung kanalübergreifend anhand des Suchverhaltens einzelner Nutzer aussteuern können. 

500 Mio. Nutzerprofile, 5 Mrd. erfasste Suchanfragen

Die Basis dafür bilden rund 500 Mio. anonymisierte Nutzerprofile sowie durchschnittlich 5 Mrd. erfasste Suchanfragen pro Monat. Dadurch sollen sich die Streuverluste in der Displaywerbung reduzieren und im Gegensatz zum Retargeting ermöglicht die Technologie zielgruppenspezifische Neukundenansprache, verkündet das Unternehmen. 

Die Foresight Group ist eine unabhängige Investmentgesellschaft, die sich auf Infrastruktur und Private Equity spezialisiert, aber inzwischen auch einige Digitalunternehmen im Portfolio hat. Ihre Finanzierungsrunde ist die erste von Nano Interactive. "Bis auf ein strategisches Seed-Funding waren wir bislang komplett eigenfinanziert", berichtet Christian Geyer, der das Startup 2014 mit Carl White gegründet hat. Beide sind ehemalige Manager von Valueclick, heute Conversant.

30 neue Entwickler bis Ende des Jahres

Das Geld wollen sie in weiteres Wachstum stecken: Sie wollen die Vertriebsteams aufstocken, die Technologie weiterentwickeln und die internationale Expansion vorantreiben. "Wir rechnen bis Ende des Jahres mit 30 Entwicklern", sagt Geyer. "Auch unsere Marketingaktivitäten wollen wir ausbauen und die PR in den einzelnen Ländern vorantreiben."

Bisher beschäftigt Nano Interactive 60 Mitarbeiter an sechs Standorten in Europa – Starnberg/Hamburg, London, Paris, Warschau und Belgrad – und arbeitet für mehr als 500 Kunden weltweit, darunter T-Mobile, Volkswagen und Mediamarkt. "Weitere Märkte, in Osteuropa zum Beispiel oder auch Skandinavien, wären für uns interessant", erklärt der Gründer. 

"Als Startup hatten wir gar nicht alle Unterlagen digital"

Insgesamt drei Monate dauerte es, bis das Startup die A-Finanzierung in der Tasche hatte. Die Due Diligence – die Prüfung des Unternehmens durch den Käufer – sei vom Aufwand her die größte Herausforderung gewesen. "Das hat zwar bei mir und im Management viele Kräfte gebunden – als Startup hatten wir zum Beispiel gar nicht alle Unterlagen digital. Aber durch den Aufwand sind wir jetzt in unseren Strukturen und Prozessen deutlich besser aufgestellt als zuvor."

Der wichtigste Wettbewerber von Nano Interactive ist das britische Unternehmen Captify. Doch von der Konkurrenz haben die Starnberger indirekt profitiert. Denn sie hat ihnen ein Stück weit den Weg für die Finanzierungsrunde geebnet, geben sie selbst zu. Captify hat in Großbritannien zwei Finanzierungsrunden gefahren.

Dadurch war das Unternehmen den Investoren bereits ein Begriff. Und damit auch das Thema Intent Targeting, also das Aussteuern von Werbung anhand von Signalen des Nutzers zu einer Kaufabsicht, war bereits bekannt – während Nano Interactive in Deutschland noch viel Erklärungsarbeit leisten müsse.


Autor:

Verena Gründel

ist seit April 2017 für das Marketingressort der W&V tätig. Davor schrieb sie für iBusiness über Digitalthemen. Nach Feierabend kocht und textet sie für ihren Foodblog – und gleicht das viele Essen mit ebenso viel Sport aus. Wenn sie länger frei hat, reist sie am liebsten mit dem Auto durch Lateinamerika, von Mexiko bis an die Südspitze Argentiniens.