Personalmarketing :
Netflix umwirbt Hollywood-Mitarbeiter mit üppigen Gehältern

Derzeit meldet der Videostreaming-Dienst 500 offene Stellen. Allein für Marketing und PR sucht Netflix rund 50 Mitarbeiter. Für viele die Chance zum Karrieresprung.

Text: Franz Scheele

Netflix bringt das Gehaltsgefüge in Hollywood durcheinander, indem es mit üppigen Gehältern zahlreiche Mitarbeiter der traditionellen Film- und TV-Unternehmen abwirbt. Derzeit meldet der Videostreaming-Dienst rund 500 offene Stellen, davon etwa ein Drittel in Los Angeles, wie der US-Wirtschaftsdienst Bloomberg meldet.

Doch es sind nicht nur Mitarbeiter aus der TV- und Filmproduktion gefragt. Auch fürs Marketing und die PR sucht Netflix rund 50 Mitarbeiter. Denn das Unternehmen investiert kräftig in Werbemaßnahmen für seinen Abo-Dienst sowie einzelne seiner eigenproduzierten Serien und Filme – in diesem Jahr etwa happige 2 Milliarden Dollar.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, der vielen Mitarbeitern der Filmstudios und TV-Networks den Wechsel so attraktiv erscheinen lässt: Oft ist damit ein Karrieresprung verbunden. Denn die Stellenbezeichnungen bei Netflix unterscheiden sich deutlich von denen der Studios und Networks. So gibt es beim Videostreaming-Dienst lediglich drei Titel für Führungskräfte: Director, Manager und Vice President. Ein weiterer Punkt: Netflix-Mitarbeiter können laut Bloomberg auf interne Daten zugreifen und daraus ersehen, was ihre Kollegen verdienen.

Das alte Hollywood versucht sich gegen die Abwerbeversuche zu wehren. Bereits 2016 hat 21st Century Fox den Streamingdienst mit dem Argument verklagt, er habe Führungskräfte verleitet, bestehende Arbeitsverträge zu brechen. Doch Netflix schlug mit einer Gegenklage zurück. Das Verfahren zieht sich seither ohne Ergebnis hin.

Ende vergangenen Jahres hatte Netflix insgesamt rund 5400 Mitarbeiter, deutlich weniger als die Konkurrenz. Das TV-Network CBS beschäftigt beispielsweise über 12.000 Mitarbeiter. Während Netflix dieses Jahr einen Umsatz von 15,8 Milliarden Dollar anpeilt, dürfte der von CBS lediglich bei 14,5 Milliarden liegen.

Die Migration vom traditionellen Hollywood zu Netflix dürfte also weitergehen. Zumal der Streamingdienst gewaltige Summen in seine Eigenproduktionen investiert – in diesem Jahr etwa 8 Milliarden Dollar. Damit sollen etwa 700 eigenproduzierte Sendungen entstehen, darunter 80 Filme.     


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.


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