Videostreaming :
Verluste bei Hulu verdoppeln sich

Weil Content immer teurer wird und die Marketingkosten explodieren, steigen die Verluste. Doch die Gesellschafter schießen reichlich Geld nach.

Text: Franz Scheele

Die Verluste beim amerikanischen Videostreaming-Dienst Hulu haben sich im zweiten Quartal 2018 verdoppelt – auf 357 Millionen Dollar. Im Vergleichsquartal des Vorjahres waren es erst 173 Millionen. Die Gründe für den Anstieg: Vermehrte Investitionen in Content und steigende Marketingkosten, wie das US-Branchenmagazin Variety berichtet.

Hulu ist ein Joint Venture der Medienkonzerne 21st Century Fox (30%), Comcast (30%), Disney (30%) und AT&T (10%). Durch die von den Aktionären und dem US-Justizministerium bereits genehmigte Übernahme von Teilen von 21st Century Fox durch Disney wird der Mickey-Mouse-Konzern aus dem kalifornischen Burbank künftig zum 60-Prozent-Mehrheitsgesellschafter.

Im Mai hatte Hulu gemeldet, dass die Marke von 20 Millionen zahlenden Abonnenten übersprungen wurde. Das ist ein Anstieg um 18 Prozent gegenüber Ende 2017. Aus lizenzrechtlichen Gründen ist der Service bislang nur in den USA und Japan aktiv.

Wichtige Rolle in der Disney-Strategie

Angesichts der steigenden Kosten pumpen die Gesellschafter inzwischen mehr Geld in das Unternehmen – in diesem Jahr laut Variety schätzungsweise insgesamt 1,5 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr waren es etwa eine Milliarde.

Hulu dürfte als Marke, die sich an eine eher ältere Zielgruppe wendet, in Zukunft eine wichtige Rolle in der Videostreaming-Strategie von Disney spielen. Der Konzern verfügt mit der Sport-Streaming-App ESPN+ bereits über ein erstes Streamingangebot. Voraussichtlich Ende nächsten Jahres will der Konzern zudem einen neuen Streamingdienst launchen, der sich vermutlich an junge Familien richtet.

Damit hätte Disney ein Portfolio mit drei Angeboten für verschiedene Zielgruppen, mit dem er zum ernstzunehmenden Konkurrenten von Netflix und Amazon Video aufsteigen könnte.


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.