Einige dieser Stars werden auch in Amsterdam erwartet. Wie etwa Tyler Oakley, der als einer der prominentesten Vertreter der LGBT-Community gilt und für seine rund acht Millionen Abonnenten schon Michelle Obama interviewte. Weitere Top-Creator sind Grace Helbig, Hannah Hart, die Fine Bros und natürlich die "Vlogbrothers" Hank und John Green, Urgesteine der Szene und Erfinder der VidCon Deutsche Namen, obwohl zwischenzeitlich Bibis Beauty Palace, Julien Bam oder Freshtorge angekündigt waren, fehlen im offiziellen Line-Up, dass sich offensichtlich an ein international orientiertes Publikum wendet.

Erstmals fand das Szene-Treffen im Jahr 2010 statt, damals in fast schon familiärer Atmosphäre mit 1400 Teilnehmern. Inzwischen ist die VidCon eine Mega-Veranstaltung in Anaheim, Kalifornien, zu der rund 30.000 Besucher kommen. Ganz so viele werden es in Amsterdam nicht sein. Die Veranstalter sprechen von 3000 verkauften Tickets. Während am Samstag und Sonntag die Veranstaltung ganz den Fans und ihren Stars gehören wird, geht es am Freitag um handfeste Branchenthemen.

Es geht um neue Geschäftsmodelle

Die Online-Video-Industrie ist im Umbruch, alte Geschäftsmodelle funktionieren nicht mehr. Das gilt vor allem für die einst gefeierten Video-Netzwerke, die in der Vergangenheit zu viel "Zeit und Geld verschwendet haben, sich gegenseitig die Stars abzujagen", wie es Jan Riemens, CEO von zoomin.TV beim VidCon-Panel "Die Zukunft der Multi-Channel-Networks" ausdrückte.

Weswegen es darum geht, neue Geschäftsmodelle zu finden, bei denen man nicht darum angewiesen ist, "Party-Stimmung bei den großen Künstlern zu machen." Das sagt Constantin Stammen, neuer CEO bei Mediakraft. In der vergangenen Woche kündigte der einstige Platzhirsch Mediakraft einmal mehr eine Umstrukturierung des Unternehmens an. Statt der zeit- und ressourcenintensiven Künstlerbetreuung wolle man sich verstärkt darauf konzentrieren, Unternehmen zu betreuen und mit Know-How zu unterstützen. Denn, so Constantin Stammen, etwas weniger blumig: "Für sich allein gesehen ist alte MCN-Modell zu margenschwach, um sowohl  professionelle Video-Kreationen als auch die konzeptionellen Anforderungen von Brand-Integration zu unterstützen."

Der Wettlauf darum, wer mehr große Youtube-Stars unter Vertrag nehmen kann, sei vorbei, sagt auch Sebastiaan van Dam, Chief Audience Officer bei Divimove. Eher geht es darum, "ein gesundes Portfolio zu haben", sagt van Dam. Weshalb sich Divimove zuletzt von fast 400 Videomachern getrennt hat, um die verbliebenen Künstlern besser betreuen zu können.

Neben der Künstlerbetreuung setzt man wie Mediakraft auf den direkten Kontakt mit Marken und Unternehmen. Als dritte Säule sieht van Dam das Schaffen von Medienerlebnissen. Auch hier hat Divimove sich breiter aufgestellt, und in einem durchaus überraschenden Schritt die "Videodays" übernommen, mit dem Ziel deutsche Pendant zur VidCon weiter auszubauen und möglicherweise auch in andere Länder zu bringen. Auch wenn die ganz große Feier vorbei ist: Ein bisschen Partystimmung muss eben schon noch sein.


Autor:

Moritz Meyer

Moritz Meyer (Jg. 1981) schreibt hauptsächlich über Online-Video und den digitalen Wandel. Er war schon so häufig im Internet, dass er aus Versehen mal in einem Video von Y-Titty gelandet ist. Wenn er nicht auf Burgen lebt, trifft man ihn meist in Köln. Fun Fact: Liest immer noch Comics von den Teenage Mutant Ninja Turtles.