Abgang von Muche und Schneider :
Warum die Koelnmesse die Dmexco-Macher feuert

Die Koelnmesse trennte sich von den Dmexco-Machern Christian Muche und Frank Schneider "mit sofortiger Wirkung". Warum es soweit kam und was die Branche sagt.

Text: Verena Gründel

Sie haben die Dmexco von Beginn an aufgebaut: Christian Muche (li.) und Frank Schneider
Sie haben die Dmexco von Beginn an aufgebaut: Christian Muche (li.) und Frank Schneider

Die Nachricht überraschte die Digitalmarketing-Branche: Die Koelnmesse setzt die Dmexco-Macher Christian Muche und Frank Schneider von heute auf morgen vor die Tür. Sie beendet die Zusammenarbeit mit den beiden Beratern von KDME KM Digital Marketing Events "mit sofortiger Wirkung". 

Muche und Schneider haben die Dmexco, zu Anfang noch als Online Marketing Düsseldorf (OMD), mit aufgebaut und zu dem entwickelt, was sie heute ist: die europaweit größte Veranstaltung für Onlinemarketing. Etliche Branchenkenner würdigen die beiden in den sozialen Medien. 

Das sagt die Branche zum Aus der Partnerschaft

Der langjährige Axel-Springer-Vermarktungsleiter und heutige Upday-Chef Peter Würtenberger unterstreicht den Beitrag der beiden für die Entwicklung der Messe:

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Christian Wilkens, CDO von Mediacom Germany, spricht sicher für viele, wenn er sich von den Messeveranstaltern einen Dank an Muche und Schneider gewünscht hätte:

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Mediaguru Thomas Koch will in Zukunft sogar nicht mehr auf die Dmexco fahren:

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Kein partnerschaftliches Ende

Die Messeveranstalter lieferten keine Begründung für das abrupte Aus, keine dankenden Worte zum Abschied, kein "auf eigenen Wunsch". Ein partnerschaftliches Ende sieht anders aus. So erfolgreich die Dmexco auch war: Im vergangenen Jahr taten sich immer wieder Baustellen und interne Konflikte auf. 

Bereits 2016 beklagten einige deutsche Onlinevermarkter, die Messe habe sich zu sehr von ihren ­Wurzeln als Onlinemarketing-Veranstaltung für die DACH-Region entfernt. Der Digitalverband BVDW und dessen Online-Vermarkter-Kreis (OVK) sahen ihre Themen zuletzt dort zu wenig repräsentiert. United-Internet-Vermarktungschef und OVK-Vize Rasmus Giese erklärte vor gut einem Jahr, die Messe dürfe "ihre ursprüngliche Positionierung nicht aus den Augen verlieren". 

Die Dmexco habe die falsche Richtung eingeschlagen

Während Muche und Schneider den internationalen Fokus der Dmexco offiziell verteidigten, bekräftigte BVDW-Präsident Matthias Wahl die Forderung in den Medien, dass Digitalmarketingthemen für den deutschen Markt wieder stärker berücksichtigt werden sollten. Er sprach sogar von einer womöglich falschen Richtung, die die Dmexco eingeschlagen habe. Immerhin hatten sich 2017 etliche große Aussteller, darunter die Goup M und Zalando, von der Messe zurückgezogen. 

Auch in der zukünftigen thematischen Ausrichtung der Veranstaltung waren sich Koelmesse und BVDW mit KDME uneinig. Die Messeveranstalter wünschten sich eine Ausweitung der Themen über das digitale Vermarktungsgeschäft hinaus, stärker in Richtung digitale Transformation. Das zumindest berichten Eingeweihte.

Muche und Schneider mit gekränktem Stolz

So gab es offenbar gleich mehrere persönliche Differenzen, die zu dem Schlussstrich seitens der Koelnmesse führte. Offiziell äußerten sich weder Koelnmesse noch BVDW auf Nachfrage. Schließlich will niemand Öl ins Feuer gießen. 

Nur die KDME-Berater demonstrieren auf Facebook ihren gekränkten Stolz: "Stil und Anstand hat man eben oder nicht", kommentiert Christian Muche das Vorgehen der Dmexco. Nachfolger hat die Messe bisher nicht bestimmt. So weit ist man in Köln noch nicht. 

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Autor:

Verena Gründel

ist seit April 2017 für das Marketingressort der W&V tätig. Davor schrieb sie für iBusiness über Digitalthemen. Nach Feierabend kocht und textet sie für ihren Foodblog – und gleicht das viele Essen mit ebenso viel Sport aus. Wenn sie länger frei hat, reist sie am liebsten mit dem Auto durch Lateinamerika, von Mexiko bis an die Südspitze Argentiniens.