Die anstehenden Wechsel von Plöchinger oder Matthes zeigen: Hier bleiben Digital-Journalisten mit Print-Vergangenheit den Verlagen treu. Allerdings ist die Branche fast gezwungen, auf das Personal aus dem eigenen Haus zurückzugreifen oder sich bei der direkten Konkurrenz zu bedienen. "Es ist sehr schwer für die Verlage, Digitale aus anderen Branchen abzuwerben", so Personalberater Fortmann. Doch nicht nur das: Gerade diese digitalaffinen Journalisten und Manager suchen zunehmend ihr Glück abseits der klassischen Medienhäuser. Unternehmen wie die Deutsche Telekom, Daimler oder Agenturen profitieren von diesen Abgängen.

Ganz vorn mit dabei: Ströer. Der digitalverliebte Vermarkter wirbt offensiv Top-Personal aus Redaktionen ab. ­Bezeichnenderweise haben die Kölner beispielsweise ­Ex-Spiegel-Online-Chef Florian Harms zu T-Online nach Berlin gelockt, der momentan munter weitere Fachleute ­akquiriert. Der klare Vorteil für ihn: An seiner neuen ­Arbeitsstätte muss er nicht mehr ständig Rücksicht auf das Printgeschäft nehmen. In Verlagshäusern ist das Geld für Digital-Projekte meist knapp, innovative Ideen sind schwer durchzusetzen. Beim Spiegel musste sich Harms mit den anderen über die Digital-Strategie streiten, bei dem Vermarkter darf er sich jetzt als Leiter und Co-Geschäftsführer eines ambitionierten Projekts präsentieren. Harms und Ströer wollen T-Online zur echten Medienmarke aufpeppen – in Konkurrenz zu den Verlagsangeboten.

Bei T-Online dürfte es nicht bleiben: Weitere Online-Neugründungen ohne klassischen Verlagshintergrund könnten in den kommenden Jahren folgen – wie ein Blick in die USA zeigt. Potenzielle attraktive Arbeitgeber auch für Plöchinger & Co. (app/op)

Dieser Text stammt aus der aktuellen W&V 41/2017. Diese Ausgabe können Sie hier bestellen.


Autor:

Ulrike App
Ulrike App

ist bei W&V Online für Digitalthemen zuständig. Und das hat nicht nur mit ihrem Nachnamen zu tun, sondern auch mit ihrer Leidenschaft für Gadgets und Social Media. Sie absolvierte vor ihrer Print-Zeit im Marketing-Ressort der W&V die Berliner Journalisten-Schule und arbeitete als freie Journalistin.