Echte Mamas :
Wie man erfolgreiche Facebook-Gruppen aufbaut

Sara Urbainczyk hat mit "Echte Mamas" eine starke Medienmarke im Social Web entwickelt. Hier erklärt sie, wie wichtig Facebook-Gruppen für die Reichweite sind und wie sie funktionieren. 

Text: W&V Redaktion

Sara Urbainczyk ist Mitgründerin von "Echte Mamas".
Sara Urbainczyk ist Mitgründerin von "Echte Mamas".

Anfang des Jahres kündigte Mark Zuckerberg einen massiven Einschnitt in die Logik von Facebook an: Der Newsfeed soll "meaningful Interactions", also vor allem die bedeutungsvolle Kommunikation zwischen Menschen, priorisieren.

Von einem Tag auf den anderen mussten viele klassische Publisher ihre Facebook-Strategie überdenken: Die bisherige Taktik, bei der Facebook-Seiten als kostenloser Traffic-Treiber benutzt wurden, ging nicht mehr auf. Die Newsfeed-Änderung war für Seitenbetreiber eine mittelschwere Katastrophe, für die Nutzer war es allerdings ein überfälliger und sehr guter Schritt.

Der Newsfeed kehrt wieder zu seinem Ursprung zurück. Wir sehen im Newsfeed wieder mehr Posts von Freunden und hochfrequentierte Beiträge, die unsere persönlichen Interessen spiegeln – womit vor allem Posts aus Facebook-Gruppen gemeint sind.

Denn das ist genau die bedeutungsvolle, soziale Interaktion, die sich Facebook wünscht.

Aktuell sind Beiträge einer Facebook-Gruppe daher wesentlich sichtbarer im Newsfeed als Beiträge einer Facebook-Seite. Das können wir von Echte Mamas mit mittlerweile über 100 Facebook Gruppen mit Millionen Interaktionen nur bestätigen.

Doch wie schafft man es, eine erfolgreiche Facebook-Gruppe aufzubauen? 

1. Die Gemeinschaft

Erfolgreiche Facebook-Gruppen kann man auch als Gemeinschaften verstehen, die miteinander interagieren, voneinander lernen und sich gegenseitig helfen. In Facebook-Gruppen werden Fremde zu Helfern und sogar zu Freunden. Die Gemeinschaft verbindet immer ein gemeinsames Thema, manchmal sogar eine gemeinsame Mission. Und als Gruppen-Gründer muss man dieses Thema "leben" und den  Mitgliedern den Weg weisen. Wenn man sich also überlegt, welches Thema für eine neue Gruppe geeignet ist, sollte man sich nur so eins aussuchen, in dem man sich richtig gut auskennt und für das man brennt. Man kann keine Gruppe als reine Marketing-Maßnahme gründen und führen – Erfolgreiche Gruppen entstehen immer aus Passion.

2. Das Thema

Sie haben ein Thema, das sie begeistert und für das Sie eine Gruppe gründen möchten? Perfekt! Lassen Sie sich jetzt bloß nicht davon abschrecken, dass Ihnen das Thema zu "nischig" für eine erfolgreiche Gruppe vorkommt. Wie bei einer Fanpage ist nicht die Anzahl der Fans oder Mitglieder wichtig, sondern die Relevanz der Gruppe und letztendlich die Aktivität. Natürlich gibt es Themen, die per se eine größere Menge an Menschen ansprechen, wie Kochen oder Abnehmen. Unsere "Abnehmen mit Echte Mamas"-Gruppe war einer unserer erfolgreichsten Gruppen-Starts: In weniger als 24 Stunden hatten wir über 1000 Anfragen von Leuten, die der Gruppe beitreten wollten. Aber auch eine kleine Gruppe kann für Sie der richtige Weg sein.

3. Der Name

Machen Sie Ihr Thema im Gruppennamen unbedingt deutlich. Die Hauptgruppe von Echte Mamas mit über 64.000 Mitgliedern heißt beispielsweise "Wir sind Echte Mamas – unsere Fragen und Antworten", weil sich die Mitglieder in der Gruppe gegenseitig bei Alltagsfragen helfen sollen. Wenn Sie also eine neue Gruppe gründen möchten, empfehle ich Ihnen einen eindeutigen Gruppennamen, der direkt aussagt, worum es in der Gruppe geht. Achten Sie auf die wichtigsten Keywords, da ihre Gruppe vor allem durch die Facebook-Suche neue Mitglieder gewinnen wird. 

4. Geschlossene Gruppe

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Aktivität in geschlossenen Gruppen höher ist als in offenen Gruppen. In Gruppen geht es darum, dass man persönliche und sogar intime Erfahrungen teilt – und das ist erst einmal nichts, was alle Familienmitglieder und Freunde mitbekommen sollen. Die Nutzer schätzen den geschlossenen Raum, den wir ihnen als Administratoren zur Verfügung stellen und schließen sich genau deswegen einer Gruppe an.

5. Der Start

Jede Gruppe startet erst einmal mit einem einzigen Mitglied: Ihnen. Sie müssen also für Ihre Gruppe werben. Und zwar auf kreative Weise, denn Facebook selbst bietet (noch) kein Werbeformat für Gruppen an. Irgendwie auch logisch, schließlich sollen ja "meaningful Interactions" auf Facebook stattfinden, was sich schwierig gestalten könnte, wenn Gruppen mit viel Media-Budget über Nacht mit Nutzern vollgepumpt werden – und nicht im Sinne einer echten Community organisch wachsen.

Wenn Sie bereits eine Facebook-Seite haben, ist das der erste Schritt, um für ihre neue Gruppe zu trommeln. Seit Kurzem kann man eine Seite und eine Gruppe miteinander verknüpfen. So wird den Nutzern von beiden Seiten aus angezeigt, dass es ein weiterführendes Angebot gibt. Wir haben zusätzlich den Call-To-Action-Button "Zur Gruppe" auf der Facebook-Seite aktiviert, der Seitenbesucher direkt in unsere Gruppe führt.

Eine direkte Maßnahme für neue Mitglieder sind zusätzlich regelmäßige Beiträge auf der Seite, die für die neu erstellte Gruppe werben (welche man natürlich dann wieder mit Marketing-Budget pushen kann).

Falls Sie keine Seite haben, legen Sie extra für ihre Gruppe eine Seite an und nutzen Sie die Posts und Marketing-Funktionen. Eine weitere Werbe-Maßname ist noch, in anderen "verwandten" Gruppen Werbung für Ihre neue Gruppe zu machen. Viele Gruppen bieten eine kostenlose "Werbung gegen Werbung"-Möglichkeit an. 

6. Die Mitglieder

Das wichtigste Asset Ihrer Gruppe sind die Gruppenmitglieder. Besonders solange die Gruppe noch übersichtlich groß ist, sollten Sie sich die Zeit nehmen, um die Community besser kennenzulernen. Denken Sie an das Bild eines Restaurants. Sie sind der Wirt, der Koch, der Kellner. Damit sich alle wohlfühlen, müssen Sie wissen, wie die einzelnen Akteure ticken, was Sie mögen – und womit man sie besser verschont.

Facebook-Gruppen haben eigens um den Kontakt zu Mitgliedern herzustellen, eigene Funktionen: Man kann beispielsweise einen eigenen Begrüßungsbeitrag erstellen, in dem dem automatisch neue Mitglieder getaggt werden. Wenn wir eine neue Gruppe erstellen, posten wir zusätzlich immer einen Vorstellungsbeitrag, unter dem sich alle neuen Mitglieder vorstellen können. So entstehen direkt die ersten Beziehungen unter den Nutzern.

7. Interaktionen

Aller Anfang ist schwer; Sie dürfen nicht erwarten, dass die Mitglieder Ihrer Gruppe von sich aus Beiträge posten, Fragen stellen und Antworten liefern. Es ist Ihr Job als Community-Manager Dynamik zu erzeugen und Leben in die Bude zu bringen. Sie werden zum Start also vor allem Geduld und einen langen Atem brauchen. Aber keine Sorge, es gibt viele Möglichkeiten seiner Gruppe zu mehr Aktivität zu verhelfen.

Zu allererst: Seien Sie selbst aktiv. Posten Sie Ihre eigene Geschichte, Ihre eigenen Erfahrungen zum Thema und gehen Sie mit ihren Mitgliedern in einen Diskurs. Und aktivieren Sie die "Gruppen-Abzeichen"-Funktion: Mit dieser Funktion können sich aktive Mitglieder eine spezielle Gruppen-Auszeichnung verdienen. Es gibt beispielsweise das "Gesprächsinitiator"-Abzeichen, das eine Person erlangt, die einen Beitrag mit vielen Kommentaren und Interaktionen erstellt hat.

Wir haben zusätzlich noch regelmäßige Themenwochen, die wir mit einem speziellen Gruppen-Ankündigunsbeitrag kommunzieren, für uns als Aktivitätsmaßnahme gefunden. Wir geben Themen unseren Mitgliedern vor, darunter sind auch Themen, die man selbst als Mitglied auch in einer geschlossenen Gruppe nicht sofort ansprechen würde. Unsere Wochenthemen waren beispielsweise schon Mobbing, Häusliche Gewalt oder Depressionen. Die Nutzer sind dankbar, dass wir bei diesen Tabuthemen, den ersten Schritt gewagt haben.

8. Freiwillige Helfer

Man organisiert am Ende eine erfolgreiche Gruppe nicht allein. Es melden sich schnell freiwillige Helfer, die einen beim Community-Management unterstützen und Zeit und Arbeit in die Gruppe investieren.

Verstehen Sie Arbeit der freiwilligen Helfer als soziales Engagement. Sie sehen die übergeordnete Mission der Gruppe und wollen, dass die Gruppe anderen Menschen hilft.

Wir haben für jede unserer Echte Mamas-Gruppen mindestens zwei weitere freiwillige Moderatoren, die sich proaktiv bei uns gemeldet haben. Und wir arbeiten mit Moderatoren zusammen, die "Echte Mamas" schon fast seit Beginn begleiten. Die Moderatoren von "Echte Mamas" organisieren sich in vielzelligen Facebook-Messenger-Chats. Es gibt für jede Gruppe einen eigenen und einen gemeinsamen Chat. So bilden auch schon die freiwilligen Helfer eine eigene Community.

9. Die Regeln

Diskussionen werden nicht selten leidenschaftlich geführt, da wird der Ton auch schon mal rauher. Was aber auf keinen Fall passieren darf, sind Beleidigungen und persönliche Angriffe. Nur eine friedliche Gruppe, in der sich alle wohl fühlen und sich trauen, sich zu Wort zu melden, ist eine erfolgreiche Gruppe. Als Administrator muss man klare Regeln aufstellen, diese deutlich kommunizieren und im Zweifel auch Mitglieder der Community, die sich nicht daran halten, an die Regeln erinnern und eventuell sogar aus der Gruppe entfernen.

Jede Gruppe kann die Gruppenregeln im Informationsbereich klar und deutlich darstellen. Vor allem die externen, freiwilligen Moderatoren, müssen die Gruppenregeln kennen, weil sie am Ende mit für den guten Ton in der Gruppe sorgen. Wir verschicken deswegen an jeden Moderator ein eigens für unser Gruppen erstelltes Handbuch. Darin sind noch einmal die Aufgaben eines Moderators beschrieben, es werden Tipps und Tricks beim Community-Management gegeben und man kann sich mit unseren zehn Gruppenregeln in Ruhe vertraut machen.

10. Zuhören

Am Ende befinden sich in Ihrer Facebook-Gruppe viele Experten zu Ihrem Thema. Nutzen Sie das Wissen dieser Menschen und hören sie ganz genau hin. Wir haben von unseren Gruppen sehr viel Feedback zur Weiterentwicklung von Echte Mamas erhalten und dieses auch genutzt. Teilweise haben wir sehr konkrete Vorschläge erhalten, die uns gezeigt habe, wie nah die Mitglieder unserem Unternehmen am Ende wirklich sind.

Als werbefinanziertes Unternehmen möchten wir Kampagnen für unsere Kunden und für unsere Nutzer umsetzen - beide sollen von unseren Advertorials, Videos oder Aktionen profitieren. So gehen wir bereits in der Ideenphase einer Kampagne in die Kommunikation mit unseren Nutzern – und setzen immer zielgerichtete, nicht störende und vor allem erfolgreiche Werbemaßnahmen um.

Die Autorin: Sara Urbainczyk war Digital-Managerin beim Medienkonzern Bauer, als sie gemeinsam mit Marion Scheithauer und Miriam Wiederer 2016 "Echte Mamas" gründete. Heute hat die Facebook-Seite über eine halbe Million Fans und die Hauptgruppe fast 65.000 Mitglieder. Daneben ist "Echte Mamas" auch auf Instagram, Twitter und als klassische Website präsent. 


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