Docupy - Netzprojekt des WDR:
Der Beitrag von Ex-Werber Thomas Heilmann zu #MeToo

Der frühere Scholz & Friends-Chef Thomas Heilmann sitzt für die CDU im Bundestag. Und für das WDR-Videoprojekt Docupy auf einem heißen Stuhl.

Text: Susanne Herrmann

Peinlicher Ausrutscher des CDU-Manns Heilmann: Beim Videoprojekt zu Sexismus rutscht dem Ex-Werber eine Anzüglichkeit raus.
Peinlicher Ausrutscher des CDU-Manns Heilmann: Beim Videoprojekt zu Sexismus rutscht dem Ex-Werber eine Anzüglichkeit raus.

„Empfindet ihr die Aussage Heilmanns als sexistisch?”

Der WDR widmet sich in dem Videoprojekt Docupy gesellschaftspolitischen Themen. Aktuell interviewen die WDR-Reporter Bundestagsabgeordnete zum Thema Sexismus im #Ungleichland (so das Docupy-Thema derzeit, in dem es um Ungleichverteilung von Vermögen, Chancen und Macht geht). Nach der Netzdebatte um #MeToo waren zuerst die weiblichen Abgeordneten im Bundestag dran - nun kommen die Männer zu Wort.

Einer davon ist Thomas Heilmann. Die Branche kennt den CDU-Politiker noch als einstigen Chef der Werbeagentur Scholz & Friends. Auch sein Mitvorstand Sebastian Turner war 2012 in die Politik gewechselt und kandidierte für die CDU, FDP und Freien Wähler als Stuttgarter Oberbürgermeister.

Und Heilmann bekommt im Kurzzusammenschnitt von Docupy mit den Bundestagsherren eine Sonderrolle: das Schlusswort nämlich. Weil es ein pikantes wurde: In den Interviews geht es um Sexismus. Und Heilmann kann sich einer Anzüglichkeit gegenüber der Kamerafrau nicht enthalten.

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Die Reaktionen im Netz sind erwartbar höhnisch. Die Presse kommentiert Heilmanns Spruch unterschiedlich. Die BZ-Berlin titelt: "Hier schießt sich CDU-Politiker Heilmann ins Sexismus-Aus!" Der Merkur nennt es einen "peinlichen Eklat". Bild.de dagegen ist ungewohnt zurückhaltend: "Diskussion um Spruch bei Sexismus-Interview". Schwesterblatt Welt zeigt Mitgefühl: "Tatsächlich sieht man ihn in den Sekunden vor der verhängnisvollen Aussage, wie er verzweifelt versucht, alleine seinen Kragen zu richten und die Redakteurin daraufhin ihm zu Hilfe kommt."

Meedia schrieb, "den ehemaligen Chef der Werbeagentur Scholz und Friends lässt der Schnitt ganz schlecht aussehen" - geschlussfolgert daraus, dass Heilmanns Sprecherin im Interview mit dem Branchendienst darauf hingewiesen habe, die Szene sei aus dem Zusammenhang gerissen, der Politiker reagiere nur auf eine Frage - was die Docupy-Macher mit dem ungeschnittenen Clip kontern.

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Für jemanden, der sich mit Außenwirkung, Medienproduktion und Image beruflich auseinandersetzte, ist das ein wirklich dummer Patzer. Abgesehen davon, dass die Bemerkung unangemessen ist und genau jenen Alltagssexismus entlarvt, den #MeToo anprangert und Docupy dokumentiert, wirkt es unfassbar ungeschickt und unbeherrscht, wenn sich ein Politiker wie Thomas Heilmann während einer Videoproduktion zu Sexismus und Ungleichheit derart wenig im Griff hat.

Einige der bisherigen Docupy-Videos sind sehr vielsagend; etwa die Antwort der mittlerweile ausgetretenen AfD-Gründerin Frauke Petry zu #MeToo.

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Ein Großformat zu den Kurzvideos, die Docupy online streut, wird es auch geben: Drei Filme zum Thema #ungleichland sind vorgesehen, der erste Teil soll am 28. Febraur im WDR-Fernsehen ausgestrahlt werden.

„Empfindet ihr die Aussage Heilmanns als sexistisch?”


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.


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