Nicht nur bei der Bahn gelten Kleidervorschriften. Im Krankenhaus wird Kittel getragen, Piloten brauchen Uniform, und in manchem Möbelhaus gibt es für viele Kollegen gleichfarbige Shirts. Nach Meinung des Psychologen Peter Walschburger von der Freien Universität Berlin hat Dienstkleidung einen Effekt auf die Außendarstellung von Firmen.

Sie schaffe einen Wiedererkennungswert für Kunden, stärke aber auch Autorität. "Man kann sich nur schwer vorstellen, dass ein Schaffner im Muskelshirt auftritt", sagt Walschburger. Eine Uniform verkörpere eine Organisation, erleichtere es aber auch Mitarbeitern, sich zu identifizieren. "Wenn etwa eine schüchterne Person so eingekleidet ist, dann dürfte das ihr Selbstwertgefühl deutlich heben."

Die ersten Bahn-Angestellten testen die neue Kleidung vier Monate. Der Staatskonzern will die Erfahrungen danach auswerten und die Kollektion eventuell anpassen. Dann soll eine europaweite Ausschreibung folgen. Zu den rund 80 Kleidungsstücken gehört auch ein Kleid. Eine Jeans ist ebenfalls im Test. In welchen Berufen die später erlaubt ist, entscheiden die einzelnen Geschäftsfelder.

Designer Kretschmer hat schon öfter Dienstkleidung entworfen, zum Beispiel für Fluggesellschaften und die Telekom. Ihm gehe es um gute Stoffe, einen guten Schnitt und Funktionalität. "Da ist es völlig egal, ob ein Kleid 25 Euro kostet oder 250.000", sagte Kretschmer zuletzt dem Magazin der Bahn. "Wenn das nicht sitzt, sitzt es nicht." Wie viel Honorar der 53-Jährige bekommt, gibt die Bahn nicht bekannt.

Zugbegleiterin Hava Bilge hat mit anderen Mitarbeitern beim Design geholfen. "Wir haben uns mega gefreut, weil es frischen Wind reinbringt", sagt die 24-Jährige aus Nürnberg. "Auch die Kollegen sagen: "Nach 15 Jahren, endlich eine neue Uniform." Die Kleidung müsse bequem sein und gut aussehen. Wenn es so heiß ist wie diesen Sommer, brauchen die Mitarbeiter auch nicht in voller Montur aufzutreten. Sakko oder Blazer sind in den Sommermonaten nicht zwingend. Bei mehr als 25 Grad darf auch die Weste wegfallen.

"Was ich persönlich mir noch gewünscht hätte, war eine Fliege", sagt Bilge der Deutschen Presse-Agentur. "Das sah die Mehrheit aber anders. Aber naja, das ist jetzt nicht so schlimm. Dafür haben wir eine neue Krawatte." Der Konzern selbst will übrigens bei seinem knallroten Logo bleiben - die Bahn nennt die Farbe "Verkehrsrot" - und nicht zu Weinrot - "Servicerot" - wechseln. Auch die Mitarbeiter am Bahnhof tragen weiterhin rote Mützen, so seien sie gut sichtbar.

Wie Markenchef Bastian Grunberg die Deutsche Bahn wieder begehrlich machen will, erzählt er in der aktuellen Titelgeschichte der W&V Nr. 33/18. Hier geht's zur Bestellung ...

So sieht die neue Kollektion aus:

am/Julia Kilian, dpa


Autor:

W&V Redaktion
W&V Redaktion

Nicht alle W&V-Artikel erscheinen unter dem Namen eines einzelnen Autors. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Artikel mit „W&V-Redaktion“ gekennzeichnet sind. Zum Beispiel, wenn mehrere Autoren daran mitgearbeitet haben oder wenn es sich um einen rein nachrichtlichen Text ohne zusätzliche Informationen handelt. Wie auch immer: Die redaktionellen Standards von W&V gelten für jeden einzelnen Artikel.