Grauel (hier mehr Infos zu seinem Sprecher-Profil) setzte sich unter Hunderten professionellen Sprechern bei einem Casting durch, in das auch die Bahn-Mitarbeiter eingebunden waren. Dabei ging es unter anderem darum, eine Stimme zu finden, die trotz der an Bahnhöfen erheblichen Geräuschpegel deutlich zu verstehen ist. "Wir suchten nach einer professionellen Stimme, die verständlich und sympathisch klingt", sagt Daniel Labahn, der Leiter des Projekts Reisendeninformation bei den Personenbahnhöfen.

Start einer neuen Ära

Das Unternehmen führt gemeinsam mit der neuen Stimme eine neue Technologie ein. Eine Software zerhackt die aufgenommenen Sätze in einzelne Laute und legt damit eine Bibliothek an, um sie dann zu einer beliebigen Anzahl und Auswahl an neuen Sätzen zusammenzufügen. Bisher wurden einzelne Wörter aneinandergefügt, was abgehackt und künstlich klang. Dasselbe Verfahren werde für digitale Assistenten wie Amazons Alexa oder Apples Siri benutzt.

"Künftig werden die Wörter besser miteinander verbunden", sagt Labahn. Zugleich werde die Bahn flexibler, da sich aus den einzelnen Lauten beliebige Wörter bilden ließen, auch auf Französisch oder Englisch. Die Reisendeninformation soll ganz neu aufgestellt werden, sagt Labahn. "Die Verbesserungen wollen wir auch mit einer neuen Stimme zeigen." Neben der Akustik arbeitet die Bahn auch an der Optik, dafür erhalten die Anzeiger und Anzeigetafeln ein neues Design. Die Informationen sollen zudem aus einer zentralen Quelle kommen, so dass sich etwa im Störungsfall Smartphone-Apps und Anzeigetafeln nicht widersprechen.

Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßt, dass eine ganzheitliche Lösung für das Thema angestrebt wird. Das gelte auch für die neue Technologie bei den Ansagen, sagt Sprecher Karl-Peter Naumann. Denn durch das bisherige System wirke die Stimme derart abgehackt, dass sie unter Reisenden als "Blech-Else" bekannt sei. "Als nächsten Schritt gibt es noch eine ganze Menge Schulungsbedarf bei den Durchsagen, die nicht vom Band kommen", sagt Naumann. Wenn die Bahn-Mitarbeiter im Störungsfall ans Mikrofon gingen, müssten sie fähig sein, verständlich und ohne Fachchinesisch zu informieren.

Heiko Grauel werde erstmals in einigen Monaten an einem Bahnhof zu hören sein, sagt Labahn. Wo genau, werde gerade geprüft. Zum Jahresende soll der Hesse dann an den ersten Bahnhöfen mit allen Ansagen zu hören sein. Dann sollen die Stimme und die neue Reisendeninformation sukzessive ausgerollt werden.

Für Grauel heißt das, bald von 20 Millionen Reisenden und Bahnhofsbesuchern gehört zu werden, die die Bahn täglich bundesweit zählt. Diese Vorstellung sei überwältigend, sagt der 45-Jährige. "Ich habe mich auch sehr darauf gefreut, das machen zu dürfen, weil es einfach ein Riesenprojekt ist und für mich persönlich etwas ganz Besonderes." Er fahre selbst hin und wieder Zug - mit guten Erfahrungen, sagt er. "Ich bin sehr gespannt. Ich werde also wahrscheinlich in Zukunft weniger Zug fahren, dafür mehr auf Bahnsteigen stehen und mal zuhören."

Isabell Scheuplein, dpa


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W&V Redaktion
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