Dieser Schritt ist die logische Konsequenz daraus, die Vorteile beider Arbeitsmodelle zu vereinen: Interne Befragungen haben ergeben, dass sich der Großteil der Belegschaft vorstellen kann, auch über die Corona-Pandemie hinaus einen relevanten zeitlichen Anteil aus dem Homeoffice zu arbeiten. Die Gründe für und gegen eine vollständige Rückkehr ins Büro ist dabei verschieden: Während das Wiedersehen mit Kolleg*innen die größte Motivation für die Rückkehr in die Büros ist, sprechen der wegfallende Arbeitsweg und die gewonnene Zeit für andere Dinge für die Arbeit aus dem Homeoffice. Die Resonanz für mehr Flexibilität der Kolleg*innen fällt durchweg positiv aus.

Wie passt das mit den Omnicom-Ankündigungen zusammen, dass es Ihnen auf eine bürozentrierte Kultur ankommt?

Die Teams in unseren Agenturen und Beratungsunternehmen beschäftigen sich im Auftrag ihrer Kunden mit der Lösung verschiedenster sehr herausfordernden Marketingfragestellungen – über den gesamten Prozess, von der Analyse bis zur detaillierten Umsetzung. Insofern leben wir von dem Zusammenspiel agil und vertrauensvoll agierender Teams. Und genau hier zeigt sich der Wert der persönlichen Zusammenarbeit: Die Teams organisieren sich eigenständig. Unsere Aufgabe auf Gruppenebene ist es, einen leicht verständlichen Rahmen zu geben, der die Eigenverantwortlichkeit mit viel Freiheit in den Teams belässt und dennoch klar macht, dass der persönliche Kontakt von uns als Erfolgsfaktor gesehen wird.

Wie verändern sich die Omnicom-Büros und -Gebäude in Deutschland, wenn es weniger klassische Schreibtische gibt? 

Bei 9 Büros in 7 Städten mit unterschiedlichen, sehr spezifischen Situationen von der Teamstruktur bis hin zu Aspekten des Denkmalschutzes können wir natürlich keine One-fits-all Lösung umsetzen.

Wir sind gerade in ganz konkreten Planungen zu diesem Thema: eines kann ich aber gerne schon mal vorwegnehmen: Weniger Fläche brauchen wir erst einmal nicht. Auch wenn wir mittelfristig für 60 Prozent der Belegschaft einen Büro-Arbeitsplatz einplanen, gibt es deutlich mehr Raum für Kollaboration, Meetings, ein ungezwungenes Miteinander und Rückzugsflächen für konzentriertes Arbeiten.

Die Büroräume in der neuen Realität konkurrieren selbstverständlich mit dem Alternativen im mobilen Kontext. Hier sind wir gefordert, eine Begehrlichkeit für die Zusammenarbeit auf unseren Flächen zu schaffen. Hierfür gibt es rationale service-orientierte Treiber und natürlich auch emotionale Treiber, wie z. B. durch Erlebnisse und Events.

Gerade in den USA hat das Thema Impfpflicht am Arbeitsplatz Hochkonjunktur. In den Omnicom-Offices in den USA dürfen nur Geimpfte ins Büro. Wäre das hierzulande auch möglich?

An dieser Stelle werden kulturelle und arbeitsrechtliche Unterschiede zwischen Deutschland und den USA sehr deutlich. Bei aller Verantwortung für die Infektionsvermeidung im beruflichen Kontext geht es uns primär um inkludierende und nicht um ausschließende Ansätze.

Wir haben ein klar kommuniziertes Hygiene-Konzept, das den Teams ermöglicht, bedenkenlos in den Büroräumlichkeiten zu arbeiten. Eine Quote von rund 90 Prozent unserer Mitarbeitenden, die vollständig geimpft sind, leistet ebenfalls ihren Beitrag. Unser freiwilliges Impfangebot in den Büros wurde intensiv angenommen.

Früher waren die klassischen Anreize: Dienstwagen und Eckbüros. Was dient in Homeoffice-Zeiten als Anreiz?

Die Arbeitswelt hat sich auch vor der Corona-Pandemie erheblich gewandelt – und das ist mehr als gut so. Die Schaffung von Mehrwerten durch die gemeinsame Lösung von großen Herausforderungen ist das "Eckbüro von heute". Dabei ist es völlig egal, welches Alter, welches Joblevel oder sonstige Merkmale jemand hat.

Wie funktioniert Führung und Zusammenhalt, wenn sich die Belegschaft wandelt – mehr hybrides Arbeiten, mehr Selbstverantwortung, mehr Gen Z?

Die Wandel zu hybridem Arbeiten hat unseren Blick auf die wahren Rollen der Führung geschärft. Die Führung sollte als "Enabler" agieren, um die Teams besser zu machen. Wichtig ist die Formulierung einer motivierenden Vision sowie die aktive Begleitung als Coach mit kontinuierlichen Feedbacks zur Weiterentwicklung. Wir begleiten unsere Führungskräfte und haben z. B. Instrumente wie die "Hybrid Work Leadership Inspiration Sessions“"eingeführt und unser 270-Grad-Feedback-Angebot ausgebaut.

Welche Anforderungen stellen Sie an Führungspersonen?

Eine Führungskraft ist aus meiner Sicht immer Vorbild in der Organisation. Dies wird erkennbar an der Haltung und am täglichen Handeln. Die Person sollte in der Lage sein, sich selbst ambitionierte Ziele zu setzen, sie sollte ihr Team laufend weiterentwickeln und sie sollte durch eine unternehmerische Haltung aktiv die Zukunft unserer Gruppe beeinflussen.



Annette Mattgey, Redakteurin
Autor: Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".