Organisation :
Statt Meeting-Frust: Sechs kreative Alternativen

Keine Lust, Zeit in öden Meetings zu vertrödeln? Dann veranstalten Sie doch mal ein Barcamp. Diese Alternativen  sollten Sie kennen:

Text: W&V Leserautor

Willms Buhse, D-cademy.
Willms Buhse, D-cademy.

"Schon wieder ein Meeting? Was für eine Zeitverschwendung." Sicher hatte jeder schon einmal diesen Gedanken. Meetings, deren Sinn und Zweck unklar sind, frustrieren nicht nur die Teilnehmer, sie sind in den meisten Fällen auch noch unproduktiv. Ähnlich verhält es sich mit Brainstormings. Werden gesammelte Ideen oder Zielsetzungen nicht in Maßnahmen überführt, ist die Arbeit nicht mehr als verschenkte Zeit. Besonders bei größer ausgelegten Strategien, Prototypisierung oder Jahresplänen stoßen solche Meetings schnell an ihre strukturellen Grenzen.  Willms Buhse, Gründer des Weiterbildungsanbieters d-cademy, stellt sechs Alternativen zu herkömmlichen Workshops vor, die Raum für Kreativität und Reflexion im eigenen Unternehmen bieten. 

1. Barcamp

Auf einem Barcamp gibt es bis auf Ort und Teilnehmer wenig Festgelegtes. Erst zu Beginn der Veranstaltung füllt sich das Raster aus leeren Session-Fenstern spontan mit Themen und Referenten aus dem Plenum. Da die Anwesenden aus mehreren Sessions wählen und bei Nichtgefallen wechseln können, ist das Publikum interessiert und motiviert. Die lockere Atmosphäre ermöglicht konstruktiv-kritische Diskussionen auf Augenhöhe. Da jeder Teilnehmer theoretisch auch Referent ist, existieren keine starren Hierarchien, die sonst den Informationsfluss und Innovationen behindern.

2. Ideation Jam

Mitarbeiter bewerben sich beim Ideation Jam mit eigenen Ideen. Mit verschiedenen Innovationstechniken feilen die Teilnehmer dann 24 Stunden an ihren Ideen und erarbeiten einen Elevator-Pitch. Teams oder einzelne Personen tragen den Pitch bei einer unternehmensweiten Ausscheidung vor. Aussichtsreiche Ideen erhalten eine Prämie, beispielweise Umsetzungsbudget oder Zeit. Ein Ideation Jam kann so auch Anreize schaffen, akute Problemstellungen zu lösen.

3. FedEx-Day

An einem FedExDay kommen Entwickler und Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Sie setzen sich mit Fragestellungen auseinander, die in engem Zusammenhang mit den Produkten oder Diensten des eigenen Unternehmens stehen. Die Mitwirkenden prüfen problembezogene Thesen und arbeiten an deren Lösungen. Dabei ist jedem freigestellt, mit wem er zusammenarbeitet und welches Thema er bearbeitet. Am Ende des 24-stündigen FedExDay präsentieren die Teilnehmer die Ergebnisse. Auch bei dieser Arbeitsweise kann das Unternehmen am Ende einen Gewinner küren. Wer vor der Aufgabe steht, eine ganzheitliche Strategie zu entwickeln, sollte es mit dieser Variante probieren.

4. Open Space

Beim Open Space geben die Mitwirkenden eigene Fragestellungen in die Teilnehmerrunde und bilden dazu Arbeitsgruppen, in denen sie mögliche Lösungen erarbeiten. Am Schluss sammeln die Teilnehmer die Ergebnisse. In kurzer Zeit lässt sich so mit einer großen Zahl an Menschen zu einem umfassenderen Thema arbeiten und eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Die Teilnehmer sind dadurch in der Lage das Thema innovativ und lösungsorientiert zu besprechen und es können konkrete Projekte daraus entstehen. Daher eignet sich diese Methode auch gut für eine große Teilnehmerzahl. Ein Open Space kann eine Stunde dauern oder auch einen ganzen Tag. In einigen Unternehmen bekommen ganze Teams dazu einen Tag im Monat zur Verfügung. Diese Herangehensweise eignet sich, um an Dingen zu arbeiten, die sonst eher liegen bleiben oder mit denen man sich außerhalb des eigenen Arbeitsbereiches befassen möchte.

5. Management Hackathon

Ein Hackathon durchläuft in der Regel drei Phasen: Zunächst gibt es ein Brainstorming und das eigentliche Hacking. Anschließend werden die Ergebnisse innerhalb der Gruppe vorgestellt. Den Abschluss bildet die Präsentation der Resultate vor einer (Teil-)Öffentlichkeit. Die Ergebnisse müssen dabei nicht komplett zu Ende ausgearbeitet sein, jedoch umsetzbar sein. In einem festen Rahmen arbeiten interdisziplinäre Teams an konkreten Themen und Produkten. Die Vernetzung verschiedener Akteure bereitet den Boden für Innovationen. Management Hackathons lassen sich gut nutzen, um Projekte oder auch Althergebrachtes anders zu denken und in neue Richtungen zu lenken, aber auch um Prototypen zu entwickeln.

6. Retrospektive

Auch wenn der Name eher verrät, dass es sich um einen Rückblick handelt, kommt die Retrospektive regelmäßig in laufenden Projekten zum Einsatz um Verbesserungen für die Zukunft abzuleiten ohne Schuldige zu suchen. Im Vordergrund steht das Lernen aus vergangenen Phasen, Projekten und möglichen Schwierigkeiten. Ziel der Retrospektive ist es Verbesserungspotenziale bei der Zusammenarbeit sowie Vernetztheit im Team zu identifizieren. Die Retrospektive sollte in einem möglichst großen Kreis stattfinden, um ein vielfältiges Bild von bestimmten Phasen oder ganzen Projekten zu erhalten. Sind im Vorfeld thematisch eingrenzbare Probleme bekannt, ist der Teilnehmerkreis entsprechend einzugrenzen.

Willms Buhse ist Gründer der d-cademy, der Managementberatung doubleYUU und Keynote-Speaker. Er bringt Erfahrung aus über 20 Jahren digitaler Transformation und vier Jahren Silicon Valley in die Führungsetagen deutscher Unternehmen. Zu seinen Kunden gehören Bosch, Otto, IBM und Microsoft.


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