Doch dort, wo die Effizienz zunimmt, halten die Lohnzuwächse nicht Schritt mit ihrem enormen Produktionswachstum, bilanzieren die Autoren von Stiftung und Prognos. Und die normalen Wettbewerber würden unter Druck gesetzt, wenn in einer Branche ein Lohngefälle herrsche. Gesamtwirtschaftlich gesehen, mahnt Ponattu, sollten Zuwächse für die Arbeitnehmer Schritt halten mit den steigenden Gewinnen der Firmen, "wenn der ökonomische Kuchen insgesamt größer wird". Ponattu ergänzt: "Wenn Kapitalerträge kräftig steigen, während Löhne langsamer wachsen, kann diese Entwicklung die Einkommensungleichheit erhöhen."

"Superstar-Firmen" machen nach Angaben des Wirtschaftsexperten knapp ein Prozent aller Unternehmen in Deutschland aus. Je nach Branche seien dort 5 bis 15 Prozent aller Beschäftigten tätig. Es gibt allerdings auch Branchen, in denen die Unternehmenskonzentration abnimmt. So etwa die Finanzdienstleister und Energieversorgern, dort sei es zu Lohnzuwächsen gekommen. Im Maschinenbau oder in der Elektroindustrie zeigten sich ebenso keine steigende Marktmacht Einzelner und auch keine negative Folgen für die Lohnentwicklung.

Das könne sich aber noch ändern, sagte Ponattu mit Blick auf die Industrie. Die Digitalisierung wirke wie ein Beschleuniger dieses Trends. Eine Verdi-Sprecherin sagte gegenüber dpa, Daten der Dienstleistungsgewerkschaft deuteten in dieselbe Richtung. Es gebe allerdings viele andere Gründe, warum die Lohnquote in Deutschland von 2002 bis 2017 deutlich gesunken sei. Dazu gehörten neben Digitalisierung und Globalisierung eine "dramatische Tarifflucht" vieler Unternehmen. Anfang dieses Jahrtausends arbeiteten laut Verdi 76 Prozent der Beschäftigten in Westdeutschland und 63 Prozent im Osten in tarifgebundenen Betrieben. 2017 waren es nur noch 57 Prozent (West) und 44 Prozent (Ost).

mit dpa-Material


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W&V Redaktion
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