Ja. Unsere Vereinbarungen zum Thema Homeoffice werden erheblich flexibler. Wo früher vertragliche Vereinbarungen und Zusätze Voraussetzung waren, reicht heute die Abstimmung mit dem Vorgesetzten. Wir sind aber auch der Überzeugung: Kreativität und Zusammenarbeit braucht einen gemeinsamen, physischen Raum. Manchmal ist es der ungeplante und zufällige Austausch, der Relevantes und Neues entstehen lässt. Das lässt sich beispielsweise über ein rein virtuelles "Lunch-Roulette" nur schwer herstellen.

Wie sind Ihre Mitarbeiter fürs Homeoffice technisch gerüstet und müssen Sie da evtl. nachjustieren?

Wir sind seit längerem bereits in fast allen Bereichen in der Lage, Remote zu arbeiten. Sowohl Hardware- als auch Software-seitig sind wir so gut aufgestellt, dass nahezu 100 Prozent unserer Arbeit von überall möglich ist. Ohne Frage geht immer mehr: ein zweiter Bildschirm oder externe Webcams beispielsweise sorgen für ein noch besseres Setup im Homeoffice. Aber hier kommt für uns wieder die Balance zwischen Remote und Arbeit im Büro zum Tragen. Im Büro ist die ideale Infrastruktur ohnehin gegeben. Und für optimales Remote Working muss alles reibungslos funktionieren.

Welche Zwischenbilanz ziehen Sie beim Thema Homeoffice für Ihr Unternehmen? Wo hat es gut geklappt, wo lagen Schwierigkeiten?

Wir haben uns schon seit langem mit der digitalen Transformation für unser Unternehmen beschäftigt und dabei auch mit den Chancen flexibleren Arbeitens auseinandergesetzt. Vom ersten Tag an waren wir daher voll arbeitsfähig und haben schnell Hilfestellungen zur Arbeit im Homeoffice geleistet. Dazu gehören zum Beispiel Trainings zur optimalen Nutzung der Technik, regelmäßige Check-Ins mit Mitarbeitern und Teams sowie informellere Meetings. Unsere Teams haben schnell eine tolle Eigendynamik entwickelt und beispielsweise virtuelle Sport-Gruppen gegründet oder einen virtuellen Brettspiel-Abend veranstaltet. Das war wirklich beeindruckend. Aus meiner Sicht ist dies eine positive Kultureigenschaft von Mediacom, denn so etwas kann nicht vom Management vorgegeben werden.

Für uns besteht eine große Herausforderung darin, auf die mentale Gesundheit unserer Mitarbeiter zu achten. Es gibt einen Tipping Point, wenn "Isolation" zu lange anhält. Denn trotz der inhaltlichen Abwechslung der Arbeit während des Lockdowns, änderte sich zu Hause kaum etwas. Wenn Sie morgens aufstehen, sich an den Rechner setzen und den Tag über arbeiten, ist die Arbeitssituation im Homeoffice selbst de facto immer nahezu gleich: der gleiche Platz, keine Raumwechsel, kein Gespräch mit Kollegen auf dem Flur oder der Kantine. Es fehlen irgendwann die unterschiedlichen Impulse.

Keiner von uns hat jemals eine vergleichbare Situation als Führungsperson erlebt. Daher ist es sehr wichtig, eine gute Sensibilität dafür zu entwickeln. Nicht alle Mitarbeiter finden zu Hause die idealen, räumlichen Arbeitsbedingungen wie im Büro vor – das wird leicht vergessen. Das hört sich zunächst immer schön an, dass jetzt alle Mitarbeiter zu 100 Prozent Remote arbeiten sollen. Wichtig ist es hierbei, auf die Heterogenität der Mitarbeiter Rücksicht zu nehmen, d. h. zum Beispiel auch an junge Mitarbeiter zu denken, die in WGs wohnen. Oder Mitarbeiter:innen, die mit dem/der Partner:in das Homeoffice teilen, aber gleichzeitig Videocalls haben. Arbeiten im Office wie auch "Remote Work" haben unter diesen Gesichtspunkten ja beide ihre Berechtigung.

An welchen Stellen sehen Sie Verbesserungspotenzial?

Gerade "hybride" Meetings sind aus meiner Sicht am schwersten effektiv zu gestalten, wenn beispielsweise drei Personen im Konferenzraum und drei Personen Remote zugeschaltet werden. Da entstehen unterschiedliche Dynamiken im Raum und Remote. Deshalb empfehle ich hier, dass entweder alle das Meeting virtuell oder vor Ort im Konferenzraum abhalten, sofern es die Abstände und Gegebenheiten zulassen. Gerade ersteres fühlt sich zwar zu Beginn komisch an, funktioniert aber erheblich besser als hybride Termine.

Mediacom

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Was heißt das für Ihr Gebäudemanagement? Brauchen Sie mehr/weniger Raum? Oder anders gestaltete Flächen?

Mit maximal 50 Prozent der Mitarbeiter:innen in unseren Büros können wir unter den aktuell geltenden Vorgaben sehr gut die Sicherheit und den Gesundheitsschutz sicherstellen. In Düsseldorf wird gerade unser neuer WPP-Campus am Medienhafen gebaut. Da ist das Thema flexiblere Büro-Ausstattung, Rückzugsräume und agiles Arbeiten ohnehin schon mit eingeflossen. Das ist mit Sicherheit ein Vorteil in einer Post-Corona-Zeit.

Gleichzeitig steigen auch die Anforderungen an Hygiene-Konzepte. So ist es verständlich, dass Mitarbeiter vielleicht selbst innerhalb eines Projekt-Teams nicht jeden Tag an einem anderen Platz sitzen wollen – egal wie gut der Platz gereinigt und desinfiziert wurde. Wer sich unwohl fühlt, wird nicht konzentriert arbeiten können. Mit unseren Arbeitssicherheits-Experten haben wir deshalb die allgemeingültigen Hygiene-Regeln erweitert. Dies hilft uns dabei, die beste Balance aus "miteinander arbeiten" und "Sicherheit" zu schaffen. Es gilt, beide Themen zu beachten.

Die neue W&V-Serie: Home oder Office? Hier sehen Sie alle bisher erschienen Teile:

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Annette Mattgey, Redakteurin
Autor: Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".