Studie zu Unternehmenskultur :
Warum der Cultural Fit unbezahlbar ist

Stimmt die Unternehmenskultur, dann ist der Mitarbeiter kaum abzuwerben. Auch nicht für viel Geld.

Text: Anja Janotta

Agenturen wie Elbkind haben den Wettbewerbsfaktor Unternehmenskultur längst erkannt.
Agenturen wie Elbkind haben den Wettbewerbsfaktor Unternehmenskultur längst erkannt.

Der Cultural Fit ist unersetzlich in der Beziehung von Firma und Mitarbeiter. Immerhin fast die Hälfte der Deutschen findet, dass es in ihrem Job eigentlich gut zusammengeht. 21 Prozent sagen, sie passen in Sachen Firmenkultur perfekt zu ihrem Arbeitgeber, 26 Prozent sagen von sich, sie seien in der Kombi mit ihrem Unternehmen ein gutes Team. 

Die Gleichbehandlung in Sachen Lohn, Geschlechtergerechtigkeit und bei befristeten Arbeitsverhältnissen ist der Scheidepunkt, an dem sich für die Arbeitnehmer die Qualität ihres Unternehmens bemisst. Dies zeigt eine Umfrage des Job-Networks Linkedin.

Die Zufriedenheit mit der Unternehmenskultur lässt sich sogar in Geldwert beziffern: Fast ein Fünftel der Befragten würde um kein Geld der Welt zu einem kulturell schlechter passenden Unternehmen wechseln, viele nur gegen beträchtliche Gehaltssteigerungen.

Faktoren, die eine gute Unternehmenskultur prägen
 

Was eine gute Kultur ausmacht und für ein Zugehörigkeitsgefühl sorgt, ist eindeutig. 58 Prozent der Befragten sprach sich für den Faktor aus, dass alle Mitarbeiter gleich und fair behandelt würden. Eine allzeit "offene und ehrliche Kommunikation" ist für 16 Prozent der maßgebliche Faktor, 11 Prozent sehen in einer hervorragenden Mitarbeiterbeteiligung den größten Wettbewerbsvorteil. Diversity wählten 4 Prozent, ein CSR-Konzept ist für zwei Prozent das wichtigste Kriterium.

Barbara Wittmann, Direktorin für den Bereich Talent Solutions bei Linkedin, sieht dass aber besonders der letzte Punkt an Wichtigkeit gewinnt: "Gerade bei jüngeren Generationen, die jetzt in die Arbeitswelt einsteigen, sehen wir global seit einiger Zeit, dass Unternehmenskultur und Werte eine immer wichtigere Rolle spielen."

Diversity ist demnach ein Thema, das bei Berufseinsteigern mit bis zu zwei Jahren im Job eher Bindung erzeugt (41 Prozent), und auch die Befragten mit Hochschulabschluss (28 Prozent) stufen das Thema etwas wichtiger ein als der Durchschnitt.

Gehälter müssen gerecht sein

Worin bemisst sich die Fairness eines Arbeitgebers? Dass beide Geschlechter in vergleichbaren Positionen gleich verdienen, hat - wie zu erwarten - für weit mehr Frauen (46 Prozent) als für Männer (28 Prozent).

Einig sind sich die Geschlechter aber darin: Wer als Unternehmen faire Verträge bietet, zum Beispiel durch  Verzicht auf sachgrundlose Befristungen als Beispiel, kann 15 Prozent aller Befragen voll überzeugen. Die Debatte rund um faire Top-Management-Gehälter im Vergleich zu denen durchschnittlicher Mitarbeiter dürften weniger Befragte verfolgen: Nur acht Prozent gaben dies als wichtigsten Fairness-Aspekt an.
 
In die Unternehmenskultur zu investieren, zahlt sich aus. 86 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass sich ihr Arbeitgeber bemüht, ein Gefühl der Zugehörigkeit herzustellen. Das zeigt sich in der Treue: 18 Prozent würden es nicht in Betracht ziehen, zu einem kulturell schlechter passenden Arbeitgeber zu wechseln, fast die Hälfte (48 Prozent) will in dem Fall mindestens ein Drittel mehr Gehalt, 12 Prozent mindestens zwei Drittel mehr.
 
Für die Auswertung befragte YouGov Deutschland 2040 Personen (davon 1010 Erwerbstätige) ab 18 Jahren.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.