Die Bahn ist nur ein Beispiel für Firmen, die auf VR-Schulungen setzen. Auch in anderen Branchen wird auf diese Technik zum Lehren und Lernen gesetzt. In der Industrie, im Gesundheitswesen oder im Rettungsdienst wird diese Technik ebenfalls bereits zum Lehren und Lernen verwendet. Die Kosten für die Technik seien deutlich gesunken, sagt Martin Zimmermann, Gründer der europäischen Kompetenzeinrichtung Virtual Dimension Center (VDC) in Fellbach und St. Georgen. Über das VDC vernetzen sich seit 15 Jahren Unternehmen, Hochschulen und Entwickler von Soft- und Hardware.

In den Anfängen seien für eine VR-Anlage mehrere Millionen Mark fällig gewesen, heute sei man für eine VR-Brille, Sensoren und einen Rechner mit einem niedrigen vierstelligen Euro-Betrag dabei, sagt Zimmermann. Man arbeite nun auch mit Volkshochschulen, Berufsschulen und allgemeinbildenden Schulen zusammen.

Diese Argumente sprechen für VR-Trainings

Der Fachmann sieht die Vorteile der Schulungen in der Kombination aus interaktivem Lernen und dreidimensionaler Umgebung. Dadurch könne man die Aufgabe ganz anders wahrnehmen und begreifen als über einen klassischen Vortrag oder Frontalunterricht. Außerdem biete VR ein Gruppenerlebnis. Wenn die virtuelle Realität über einen Beamer an die Wand geworfen werde, könnten alle Teilnehmer mithelfen, eine Aufgabe zu lösen. "Und natürlich spielt der Spaß am Lernen eine Rolle."

Auch der Motorsägenhersteller Stihl setzt auf Virtuelle Realität: Das schwäbische Unternehmen schult eigene Mitarbeiter und Fachhändler in einem Motorsägen-Simulator. Eine gefährliche Situation - das Fällen eines Baumes - wird in einer sicheren Umgebung geübt. Der Schulungsteilnehmer hält eine echte Säge in der Hand, auf der Sensortechnik angebracht ist. "Mit dem Simulator kann man das Baumfällen Schritt für Schritt durchgehen und wird dadurch auf den echten Wald vorbereitet", erklärt der zuständige Stihl-Abteilungsleiter Marbod Lemke. Auch der Zeitfaktor ist ein Vorteil, denn das Training kann bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit durchgeführt werden - die Übung ist also gut planbar.

Die Realität ersetzen sollen die Schulungen im virtuellen Raum nicht, vielmehr sollen sie das Training ergänzen. "Mit dem VR-Programm können Bewegungsabläufe in Ruhe geübt werden, die in der Praxis schnell ablaufen müssen", erklärt Lars Tiedermann. Er hat das Programm "Eve" mitentwickelt, mit dem die Bahn-Mitarbeiter lernen. Es geht bei den Arbeitsschritten nicht nur um den Hublift für Rollstuhlfahrer, sondern zum Beispiel auch um das Öffnen virtueller Bugklappen zum Abschleppen eines Zuges. Ab diesem Jahr sollen Auszubildende mit der VR-Brille auch üben, Waggons zu kuppeln.

Positiv sieht das Thema die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Solch ein Simulationstraining sei hilfreich, da es Handlungssicherheit gebe, sagt Gewerkschafterin Claudia Dunst. "Viele Kollegen müssen ja immer wieder direkt auf die Gleise, und das ist immer gefährlich." Das Training ersetze jedoch nicht die Einweisung vor Ort. Und es müsse regelmäßig überprüft werden, ob die erlernten Arbeitsschritte auch in der Praxis umsetzbar seien.

Rabea Gruber, dpa


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W&V Redaktion
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