Die Niederlande gewannen zum fünften Mal in der Geschichte des Wettbewerbs - nach 1957, 1959, 1969 und 1975. Die Ballade "Arcade" von Laurence traf vor allem den Geschmack der TV-Zuschauer. Auf Platz zwei kam am Ende Italien, auf Rang drei Russland. Platz vier erreichte die Schweiz mit Luca Hänni, der 2012 die RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" gewonnen hatte. Insgesamt nahmen am ESC in diesem Jahr 41 Länder teil, davon 26 im Finale. Die Zuschauer konnten wie immer über den Sieger mit abstimmen, jedoch nicht fürs eigene Land. Jurorenpunkte ergänzten ihr Votum.

Superstar Madonna trat während der Abstimmungsphase auf und sang unter anderem etwas schief den 80er-Jahre-Hit "Like a prayer". Nach ihrem holprigen Auftritt beim Eurovision Song ergoß sich im Netz eine Welle von Häme über den Star. "Also Sisters können sich jetzt zumindest darüber freuen, besser gewesen zu sein als #Madonna. Das ist ja auch viel wert", schrieb Twitter-Nutzer Denis Potschien am Sonntag über den Act am Samstag. User Michael Schielke vermutete: "Der Auftritt von #Madonna war ein Fake. #Böhmermann steckt dahinter." Twitter-Nutzerin Marina S. sprang der Sängerin zur Seite: "Da hat die Tontechnik sehr großen Mist gebaut...absichtlich ? Und ja einige Töne waren von ihr, nicht gut getroffen...Ich hätte an #Madonna's stelle, sofort die Show beendet."

Während ihrer Bühnenshow waren auf den Rücken von zwei Tänzern die israelische und die palästinensische Flagge zu sehen. Israel und die Palästinenser streiten seit Jahrzehnten um das Land zwischen dem Mittelmeer und Jordanien. "Ich bin dankbar für die Gelegenheit, die Botschaft von Frieden und Einheit in die Welt senden zu können", twitterte die Sängerin. Die Europäische Rundfunkunion betonte hingegen, der ESC sei unpolitisch. Das habe man Madonna klargemacht.

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Misstöne löste auch die isländische Gruppe Hatari aus. Es gab Buhrufe in der Halle, weil die Gruppe bei Bekanntgabe ihres Punkteergebnisses Banner mit der Aufschrift "Palestine" (Palästina) hochhielt. Dies blieben jedoch vereinzelte Momente bei einem gutgelaunten Showabend mit 7300 Zuschauern in der Halle und 200 Millionen am Fernseher.

Von den Fernsehzuschauern gab es null Punkte für den deutschen Beitrag von Carlotta Truman und Laurita Spinelli. Das tat Moderatorin Bar Refaeli beim Vorlesen leid: "I'm sorry". Auch beim Jurydurchlauf waren nur 32 Punkte zusammengekommen. Zum Vergleich: Sieger Niederlande hatte am Ende 492 Punkte.

Deutschland war auch vor zwei, drei und vier Jahren weit hinten gelandet. Nur im vergangenen Jahr wurde diese Pleiteserie kurz unterbrochen von Michael Schulte, der den vierten Platz erreichte.

Die Jury-Punkte aus Deutschland gab zum fünften Mal Barbara Schöneberger bekannt. Sie war live von der ESC-Party auf der Hamburger Reeperbahn zugeschaltet.

Deutschland hat bisher zweimal den ESC gewonnen: 2010 mit Lena ("Satellite") und 1982 mit Nicole ("Ein bisschen Frieden"). Den ESC gibt es seit 1956. Das Siegerland richtet jeweils den Wettbewerb des Folgejahres aus. Wo der kommende Eurovision Song Contest in den Niederlanden organisiert wird, ist noch unklar. Neben Amsterdam meldeten unter anderem Rotterdam, Den Haag und Maastricht ihr Interesse an, wie der Sender NOS berichtete.

Die Ergebnisse des ESC 2019

01. NIEDERLANDE - Duncan Laurence ("Arcade"): 492 Punkte

02. ITALIEN - Mahmood ("Soldi"): 465 Punkte

03. RUSSLAND - Sergey Lazarev ("Scream"): 369 Punkte

04. SCHWEIZ - Luca Hänni ("She Got Me"): 360 Punkte

05. NORWEGEN - KEiiNO ("Spirit In The Sky"): 338 Punkte

06. SCHWEDEN - John Lundvik ("Too Late for Love"): 332 Punkte

07. ASERBAIDSCHAN - Chingiz ("Truth"): 297 Punkte

08. NORDMAZEDONIEN - Tamara Todevska ("Proud"): 295 Punkte

09. AUSTRALIEN - Kate Miller-Heidke ("Zero Gravitiy"): 285 Punkte

10. ISLAND - Hatari ("Hatrið mun sigra - Hass wird siegen"): 234 Punkte

11. TSCHECHIEN - Lake Malawi ("Friend Of A Friend"): 157 Punkte

12. DÄNEMARK - Leonora ("Love Is Forever"): 120 Punkte

13. SLOWENIEN - Zala Kralj und Ga?per ?antl ("Sebi - Selbst"): 105 Punkte

14. FRANKREICH - Bilal Hassani ("Roi"): 105 Punkte

15. ZYPERN - Tamta ("Replay"): 101 Punkte

16. MALTA - Michela ("Chameleon"): 95 Punkte

17. SERBIEN - Nevena Bo?ovic ("Kruna - Krone"): 92 Punkte

18. ALBANIEN - Jonida Maliqi ("Ktheju tokës - Kehre zurück in dein Land"): 90 Punkte

19. ESTLAND - Victor Crone ("Storm"): 86 Punkte

20. SAN MARINO - Serhat ("Say Na Na Na"): 81 Punkte

21. GRIECHENLAND - Katerine Duska ("Better Love"): 71 Punkte

22. SPANIEN - Miki ("La Venda"): 60 Punkte

23. ISRAEL - Kobi Marimi ("Home"): 47 Punkte

24. DEUTSCHLAND - Sisters ("Sister"): 32 Punkte*

25. WEISSRUSSLAND - Zena ("Like It"): 31 Punkte

26. GROSSBRITANNIEN - Michael Rice ("Bigger Than Us"): 16 Punkte

Update

Deutschland hat beim Eurovision Song Contest in Tel Aviv noch schlechter abgeschnitten als bisher gedacht. Das Duo Sisters rückt nach einer erneuten Berechnung nun vom drittletzten auf den vorletzten Platz der Finalisten. Schuld ist ein Zählfehler durch "menschliches Versagen". Das teilte der internationale Ausrichter, die Europäische Rundfunkunion EBU in Genf, am Mittwochabend mit, also erst rund vier Tage nach dem Finale vom Samstagabend in Israel.

Hintergrund war die Disqualifikation - schon vor dem Finale - der weißrussischen Jury, die ihre vergebenen Punkte ausgeplaudert hatte. Weil deren Jury-Ergebnis nun im Finale nicht mehr zählte, hatte die EBU ein "Ersatzergebnis" berechnen lassen, einen Mittelwert mit Daten vergleichbarer ESC-Nationen. Bei dieser Berechnung sei "aufgrund menschlichen Versagens" ein falsches Endergebnis zustande gekommen.

Dies habe für den ESC-Sieger Niederländer Duncan Laurence (25, "Arcade") und die Künstler auf den Plätzen zwei, drei und vier keine Auswirkungen. Allerdings tauschen nun beispielsweise im Keller des Rankings Deutschland mit dem Duo Sisters ("Sister") und Weißrussland mit Zena ("Like It") die Plätze. Unangefochtenes absolutes Schlusslicht des ESC 2019 ist und bleibt der Brite Michael Rice ("Bigger Than Us"). Die EBU und ihre Partner bedauern den Fehler nach eigenen Worten zutiefst. Der Fanblog "ESC kompakt" bezeichnete den Vorgang als "peinlich" und "ziemliche Schmach für die EBU". (dpa)


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W&V Redaktion
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