Ärger um Twitter-Nachricht von Roseanne Barr :
ABC streicht Show von Roseanne

Nach einem Tweet der US-Komikerin Roseanne Barr hat der Sender ABC die Neuauflage ihrer erfolgreichen Show abgesetzt. Und verzichtet damit auf ein Werbeumfeld, das Millionen einbrachte.  

Text: Susanne Herrmann

Die Schauspielerin Roseanne Barr hat sich mit einem Tweet um ihren Job gebracht.
Die Schauspielerin Roseanne Barr hat sich mit einem Tweet um ihren Job gebracht.

Viele Menschen empfanden den Twitter-Beitrag von Roseanne Barr als rassistisch. Sie hatte die Afroamerikanerin Valerie Jarrett, einst Beraterin des früheren US-Präsidenten Barack Obama, als Produkt einer Beziehung zwischen "Muslimbruderschaft und Planet der Affen" bezeichnet. Sie hatte damit auf Vertuschungsvorwürfe gegen die Regierung Obama reagiert, die der rechtspopulistische SGT Report getwittert hatte.

Auslöser: Roseanne Barrs Tweet über Valerie Jarrett.

Auslöser: Roseanne Barrs Tweet über Valerie Jarrett.

Das kostete sie - und das komplette Team - nun ihre Show mit dem Titel "Roseanne". Nach dem rassistischen Twitter-Kommentar hat der TV-Sender ABC die Neuauflage des Show-Erfolgs aus den 80er- und 90er-Jahren abgesetzt.

"Roseannes Twitter-Mitteilung ist abscheulich, abstoßend und stimmt nicht mit unseren Werten überein, und wir haben entschieden, ihre Show abzusetzen", sagte Channing Dungey, Präsidentin von ABC Entertainment laut Mitteilung. Dungey ist die erste Afroamerikanerin der USA auf so einem Posten in einm so großen Medienhaus.

Die Künstleragentur ICM Partners trennte sich ebenfalls von der Schauspielerin Barr. In einer Stellungnahme erklärte die Agentur, Barrs Tweet widerspreche den Grundwerten der Firma, sie sei nicht länger Klientin von IMC.

Barr löschte den Tweet (l.) und entschuldigte sich bei Jarrett und "allen Amerikanern": "Es tut mir wirklich leid, dass ich einen schlechten Witz über ihre Politik und ihr Aussehen gemacht habe. Ich hätte es besser wissen sollen. Vergebt mir, mein Witz war schlechter Geschmack."

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Zahlreiche Schauspieler und Mitarbeiter der Serie distanzierten sich per Twitter von Barr. "Es ist unglaublich traurig und schwierig für uns alle, denn wir haben eine Show geschaffen, an die wir glauben, auf die wir stolz sind und die die Zuschauer lieben - eine Show, die anders ist als die Meinungen und Wörter eines Mitglieds der Besetzung", schrieb Schauspielerin Sara Gilbert. Sie würde nicht mehr für die Show arbeiten, verkündete Wanda Sykes, die als beratende Produzentin an Bord war, in einem Tweet.

Kollegen wie Patricia Arquette, Zoe Saldana und Don Cheadle reagierten empört. Auch Barrs Ex-Mann, der Schauspieler Tom Arnold, zeigte sich entsetzt und lobte zugleich die rasche Reaktion des Senders, die Serie abzusetzen.

Aus für die Millionen-Dollar-Show

Die Roseanne-Show, in der Barr die Hauptrolle spielt, erzählt die Geschichte der Arbeiterfamilie Conner. Sie war vor einigen Wochen wieder aufgenommen worden - mit herausragend guten Quoten. Zwischen März und Mai hat ABC damit laut Kantar Media rund 45 Mio. Dollar eingenommen.

Im Schnitt saßen bei Roseanne, der erfolgreichsten Serie der TV-Saison 2017/18 bisher, 4,5 Millionen Werberelevante (18-49) vor den Geräten. Für die zweite Staffel erhoffte sich der Sender gut 60 Mio. Dollar Werbeeinnahmen - für 13 Episoden. Im Vorfeld - bei unklaren Erfolgsuassichten - hatte ABC pro 30-Sekünder unter 150.000 Euro verlangt. Erst vor zwei Wochen war die Show großen Mediaagenturen vorgestellt worden - mit Werbepreisen von um die 350.000 Euro für 30 Sekunden.

In Deutschland hätte der Disney Channel die Serie gezeigt. Das fällt nun ebenfalls flach.

Valerie Jarrett bezeichnete in einer Show bei MSNBC den Vorfall mir Roseanne Barr als Ereignis, aus dem die Gesellschaft eine Lehre über Alltagsrassismus ziehen könne. Sie sorge sich um die Opfer von Rassismus, die "keinen Kreis von Freunden oder Anhängern um sich haben, der ihnen sofort zur Hilfe eilt".

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Roseanne Barr war nicht zum ersten Mal mit Beleidigungen via Twitter aufgefallen. Einige richteten sich zuletzt gegen den Milliardär George Soros, den sie als Nazi bezeichnete, die Tochter von Ex-Präsident Bill und Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, Chelsea, oder - mit ähnlichem Vokabular wie im Jarrett-Tweet - 2013 gegen Susan Rice, damals UN-Botschafterin der USA.

Auch habe sich Barr an der Verbreitung von Verschwörungstheorien wie "Pizzagate" beteiligt: einer Kampagne mit falschen Anschuldigungen gegen Trumps Gegenkandidatin Clinton. Nicht nur die Serienfigur Roseanne, auch Barr selbst unterstützte die Politik des US-Präsidenten Donald Trump. Die Süddeutsche schrieb  zum Start der Neuauflage der Serie über eine Arbeiterfamilie: "Grandiose Serien über Leute mit echten Problemen sind selten wie ein Lottogewinn für Bedürftige."

Mit dem Aus ihrer Show geht Barr gelassen um. Sie rief unter anderem ihre Fans dazu auf, ABC und den Mutterkonzern Disney wegen seiner Entscheidung nicht zu boykottieren.

Noch Anfang Mai hatte die Folge als meistgesehenes Primetime-Format bei den 18- bis 49-Jährigen abgeschnitten. 10,2 Millionen Zuschauer hatten Roseanne eingeschaltet. Das Finale lief in den USA am 22. Mai.  (sh/mit dpa)

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Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.