Produzent mit Bilanz und Ausblick :
Bavaria profitiert vom Bewegtbild-Boom

Streaming beflügelt das Geschäft - zunächst indirekt: Bei Bavaria produzieren immer mehr Privatsender ihre Shows. Details und weitere Einblicke. 

Führen die Bavaria: Achim Rohnke (l.) und Christian Franckenstein - hier beim Empfang während des Filmfests München.
Führen die Bavaria: Achim Rohnke (l.) und Christian Franckenstein - hier beim Empfang während des Filmfests München.

Es läuft beim Produktionshaus Bavaria Film im Münchner Süden. Mehr Umsatz und Gewinn fürs Gesamtjahr 2016 und ein positiver Ausblick sind vollen Auftragsbüchern zuzuschreiben. Und das liegt vor allem daran, dass der Bewegtbildmarkt in Bewegung geraten ist.

Die expansiven Streaminganbieter wie Netflix oder Amazon Prime sorgen mit Eigenproduktionen für neue und starke Konkurrenz beim Publikum. Um mithalten zu können und für Aufmerksamkeit im wachsenden Bewegtbildangebot zu sorgen, ordern vor allem kommerzielle TV-Sender oder das Pay-TV wieder mehr neue Produktionen.

Achim Rohnke, Geschäftsführer der Film- und TV-Produktionsfirma Bavaria Film GmbH, betont bei Präsentation der Kennzahlen am Freitag in München: "Jetzt kommt die Antwort der analogen Fernsehsender darauf, was sich in den digitalen Downloadplattformen tut."

Privatsender produzieren immer mehr in Bavaria-Studios

In Beispielen bei der Bavaria ausgedrückt: RTL II ("Hitrekorde) oder auch ProSiebenSat.1 lassen auf dem 33 Hektar großen Areal der kommerziellen Tochter diverser öffentlich-rechtlicher Sender immer mehr Shows produzieren. Beispiel ProSiebenSat.1: Nach "The Taste" oder "Deutschland tanzt" im vergangenen Jahr wird nun in den Bavaria-Studios im August und September das ProSieben-Solo-Projekt von Joko Winterscheidt mit dem Titel "Dabei sein ist teuer" produziert.

Mit Klaas Heufer-Umlauf zusammen wird Joko drei Mal im November am Geiselgasteig zu Gast sein, um dort "Die beste Show der Welt" aufzuzeichnen. Überhaupt: Die dahinterstehen Produktionsfirma Florida TV zieht ihre Produktionen vom Standort MMC in Köln zur Bavaria nach Grünwald um. In diesem Segment will die Bavaria überhaupt mehr Wachstum erzielen.

Was dem Führungsteam nach eigenen Angaben noch fehlt, ist serielles Entertainment, große Formatreihen. Auch wollen Franckenstein und Rohnke mit den privaten Sendern Serien umsetzen.

Marketing für Bavaria-Produktionen am Standort

Ein weiterer Trend beschäftigt das Bavaria-Führungsteam um Christian Franckenstein, Vorsitzender der Geschäftsführung. Die Sender verlagern zunehmend das Marketing hin zum Produzenten. Im Fall Bavaria heißt das: Für "Fack ju Göhte 3" etwa wird in den eigenen Kulissen der Bavaria Filmtour getrommelt. Ein Münchner Radiosender verlost derzeit eine Zeugnisübergabe im "echten" Filmklassenzimmer auf dem Bavaria-Areal unter Schulklassen.

Darüber hinaus wertet dieses Filmset den Touristenmagneten im Münchner Süden auf. Ebenso wie die neue ZDF-Produktion "Bella Germania" (AT). Sind die drei Folgen rund um die Zeitreise einer italienischen Gastarbeiterfamilie in Deutschland abgedreht, wird die extra neu gestaltete "Münchner Straße" auf dem Bavaria-Gelände auch Besucher der Filmtour aufnehmen – die dann schon mal durchs Flair der neuen ZDF-Reihe flanieren können.

Wie Bavaria finanziell dasteht

Positive Bilanz zieht Franckenstein beim Straffen der Strukturen der Bavaria. So wurden die vielen Gesellschaftsstränge in den drei Geschäftsbereichen "Content", "Rights & Distribution" sowie "Studios & Services" zusammengeführt.

Nun konnte das Haus – nach Content-Erlösen neben UFA, Studio Hamburg, Endemol Shine sowie Constantin Film Teil der Top 5 im deutschen Produktionsmarkt – im vergangenen Jahr Umsatz (von 202,3 im Jahr 2015 auf 223,8 Millionen Euro) und Erlöse (von 6,9 auf 13,1 Millionen Euro) steigern. "Sehr zufrieden" zeigt sich Franckenstein mit dem Ergebnis. Auch das Ebitda von 25,2 Millionen Euro (2015: 16,9 Millionen Euro) ist ein deutlich höherer Wert – allerdings alles durch Sondereffekte und den Konzernumbau nur beschränkt vergleichbar.

Als Umsatzziel geben Franckenstein und Rohnke nun 250 Millionen Euro aus. Sie haben dabei vor allem die privaten Sender weiter im Visier, zumal das öffentlich-rechtliche Lager einen Sparkurs verordnet bekommen hat.

Im Visier ist auch weiter der kreative Mediennachwuchs, der sich im 2016 gestarteten Projekt "Geiselgasteig 2025" ansiedeln sollen. Ein weiterer Bürokomplex soll zum Jahresende überdacht und eventuell sogar ein "Boardinghouse" für junge Medienschaffende eingerichtet werden. Denn der Kreativstandort München schreckt viele mit seinen hohen Mietkosten ab. 


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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