Der DJV-Chef sieht zwar positiv, dass Döpfner die Verleger in seiner Rede auch aufgefordert hatte, mit Investitionen in Qualitätsjournalismus gegen Fake News vorzugehen. Das wiege allerdings die Tatsache nicht ganz auf, ja sei sogar geschmacklos, dass der BDZV-Präsident gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk "das gleiche Vokabular benutze wie die Pressefeinde von Pegida und AfD."

Gar nicht amüsiert zeigte sich erwartungsgemäß auch die ARD-Vorsitzende Karola Wille: "Wenn Herr Döpfner suggeriert, in Deutschland blockiere eine ,Staatspresse im Netz’ nach ,dem Geschmack von Nordkorea’ die Entfaltungsmöglichkeiten der Verlage, bewegen wir uns klar im Bereich von Fake News." Diese Wortwahl bestätige zudem "durch Weiterleiten und Teilen in den sozialen Medien unter Berufung auf den BDZV leider Populisten, Verschwörungstheoretiker und ihre willigen Claqueure."

"Nur falsche Interpretation"

Das will man beim BDZV allerdings nicht auf sich sitzen lassen: Karola Wille interpretiere die Aussage falsch, heißt es in einem Statement des Verlegerverbands. Tatsächlich habe Döpfner in der betreffenden Passage mehrere Punkte formuliert: Er sei fest davon überzeugt, dass das duale System in Deutschland "eines der allerbesten der Welt" sei, und man durchaus "die Vielfalt der privaten Angebote" benötige.

Sollte sich hingegen ein Szenario durchsetzen, in dem es nur noch öffentlich-rechtliche Sender im Netz, aber keine privaten Verlage mehr gebe, "eher etwas nach dem Geschmack von Nordkorea". Das sei aber mitnichten ein Vergleich der ARD mit Nordkorea, sondern das Gegenteil – nämlich der Appell, ein solches Szenario zu vermeiden.

Ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk allerdings wirklich der bedrohlichste Feind der Zeitungsverleger ist – darüber gab es auf dem Kongress auch differierende Meinungen. In einer Diskussionsrunde, in der die Finanzierungsproblematik noch einmal aufs Tapet kam, kam es erneut zu Unstimmigkeiten. Bis Mitdiskutant Hermann Eicher, der das Rundfunkbeitragsrecht in der ARD betreut, der Geduldsfaden riss: "Wir sind nicht Ihr Problem", so der Justiziar des SWR im Hinblick auf die wachsende Macht von Google und Facebook im Werbemarkt.

Und damit hat er nicht ganz unrecht.



Manuela Pauker
Autor: Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde