Axel Springer :
Bild-Machtkampf: Tanit Koch geht

Print-Chefredakteurin Tanit Koch verlässt zum 1. März das Haus. Es ist das Ende eines Machtkampfs - und der Sieg eines Provokateurs.

Text: Lisa Priller-Gebhardt

Tanit Koch: Abschied zum 1. März
Tanit Koch: Abschied zum 1. März

Der Abschied von Tanit Koch aus der Chefredaktion von Bild ist das Ende eines massiven Machtkampfes, der seit Monaten bei Deutschlands populärster Tageszeitung ausgetragen wurde. Zuletzt wurde dort dem Vernehmen nach nicht um die beste Schlagzeile gerungen, sondern um das Sagen: Tanit Koch und Bild-Gesamtchef Julian Reichelt sollen immer wieder aneinander geraten sein.

"Wenn zwei Menschen professionell nicht harmonieren, lässt sich das eine Zeitlang durch Kompromisse ausgleichen. 2017 war davon geprägt, bis meine Kompromissbereitschaft an ihre Grenzen gelangte. Hinzu kam die Gewissheit, dass sich Bild nicht durch Kompromisse auszeichnet, sondern durch Klarheit. Deshalb habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen", schreibt Tanit Koch in einer internen Mail an ihre Kollegen.

Julian Reichelt, der vor zwei Jahren bei der Wahl zur neuen Redaktionsspitze der Printausgabe von Kai Diekmann nicht berücksichtigt wurde, rückte im vergangenen Frühjahr zum Vorsitzenden der Redaktionen von Bild auf. Er sollte sich laut Springer vor allem für die Themen Strategie, Personalpolitik und das Zusammenspiel von Print und Digital kümmern.

Sieg des Provokateurs

"Ein streitlustiger Rechtskonservativer", titelte die Taz, der bekannt sei für seine Provokationen in den sozialen Medien. Das war vor zehn Monaten. Zuletzt konzentrierte sich seine Streitlust offenbar vor allem auf seine Kollegin und Bild-Chefredakteurin Tanit Koch, wurde im Hause Springer seit Monaten von vielen Seiten kolportiert. So soll Reichelt beispielsweise den Vorsitz aller Konferenzen übernommen haben – auch der bis dahin von Koch geführten Blatt-Konferenzen. Ebenfalls wohl ohne Absprache mit der Printchefin, so ist aus dem Umfeld des Verlages in Berlin zu hören, kippte Reichelt alles, das er für verzichtbar hielt, aus dem Blatt: Die Fragen der Woche mussten weichen, die letzte Seite wurde nach seinen Vorstellungen umgebaut.

Zwei Charaktere prallen aufeinander

Der Umgangston in der Redaktion soll immer rauer geworden sein, ist aus dem Umfeld zu hören. Das ständige Hickhack zwischen den beiden Alphatieren soll die Mannschaft gelähmt haben.  Tatsächlich prallten zwei Charaktere aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Als vielsagend gilt unter anderem auch ein Vorkommnis aus dem September. Da veröffentlichte der Taschen Verlag eine Neuauflage des großformatigen Bild-Buches. Zum Rückblick auf 65 Jahre Bild-Zeitung gehörte auch eine Übersicht aller Chefredakteure. Tanit Koch, die einzige Frau an der Bild-Spitze, fehlte jedoch. Ein Umstand, der an der Axel-Springer-Straße für hohe Wellen sorgte. Intern wurde darüber hart diskutiert. Für Tanit Koch war es allemal ein Schlag ins Gesicht, den sie, wie es hieß, zumindest nach außen stoisch hingenommen habe.

Gesichtsverlust für Döpfner?

Die studierte Juristin und Politikwissenschaftlerin ist ein Springer-Gewächs und hat sich bis an die Spitze der Redaktion gekämpft. Tanit Koch war die erste Frau auf dem Chefsessel von Bild – das wurde bei ihrem Amtsantritt vor zwei Jahren entsprechend vermarktet. Intern wird das Aus von Koch als Gesichtsverlust interpretiert. Auch für Döpfner, der Koch zusammen mit Diekmann eingesetzt haben soll.


Autor:

Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

schreibt als Autorin überwiegend für W&V. Im Zentrum ihrer Berichterstattung steht die geschwätzigste aller Branchen, die der Medien. Nach der Ausbildung an der Burda Journalistenschule schrieb sie zunächst für Bunte und das Jugendmagazin der SZ, Jetzt. Am liebsten sind ihr Geschichten der Marke „heiß und fettig“.