B4P-Marktstudie zum Fahrverhalten :
Carsharing kann den Deutschen gestohlen bleiben

Jedes Jahr fragen die Verlagsforscher der GIK die Deutschen nach ihrem Nutzungsverhalten. Nun gibt ihre Analyse B4P preis: Deutsche lieben ihr Auto sehr.

Text: Sebastian Schmidt

Die Infografik zum Nutzungsverhalten der Deutschen in Sachen Verkehrsmittel.
Die Infografik zum Nutzungsverhalten der Deutschen in Sachen Verkehrsmittel.

Wenig Kosten, kaum Verpflichtungen bei vollem Fahrvergnügen, dabei noch schonend für Umwelt und entlastend für den ungeliebten Großstadtverkehr: Die Carsharing-Anbieter versprechen viele Vorteile. Schon seit Jahren investieren auch Daimler, BMW und Co in Autoflotten für den modernen Städter. Avanciert das eigene Auto also zum Auslaufmodell?

Nein, wie aktuelle Ergebnisse aus der breit angelegten Studie "Best for planningB4P der Gesellschaft für integrierte Kommunikation (GIK) zeigen. Dahinter stehen die fünf Medienhäuser Springer, Bauer, Funke, Gruner + Jahr und Burda. 

Sharing derzeit kein attraktives Mobilitätskonzept

Laut der Markt-Media-Studie mit Verlagsabsender haben gerade einmal zwei Prozent aller Führerscheinbesitzer schon mal Carsharing genutzt oder sind sogar regelmäßig Kunden von Anbietern wie Car2go oder Drive-Now. Das entspricht rund einer Million Deutschen, die Carsharing bereits nutzen und das auch in Zukunft tun wollen. Hinzu kommen 7,55 Millionen Autofahrer, die noch keine Erfahrung mit der gemeinsamen Nutzung der Autos hatten, sich aber gut vorstellen können, diese moderne Form der Mobilität einmal zu nutzen. Das entspricht 14 Prozent aller Führerscheinbesitzer.

Erwartungsgemäß liegt das größte Potenzial für Carsharing in Großstädten und Ballungsgebieten. In Orten mit mehr als einer halben Million Einwohner kann man laut Studie rund 19 Prozent der Autofahrer zum Kreis der Nutzer und potenziellen Nutzer des geteilten Pkw zählen, in Kleinstädten sind es knapp 12 Prozent.

Die Deutschen bleiben eine Autofahrernation. Doch teilen wollen sie nicht. In Zahlen sind das immerhin 44 Millionen Autofahrer oder acht von zehn Führerscheinbesitzern, die Carsharing aktuell ablehnen. Offensichtlich gründet die Ablehnung auch nicht allein in der geringen Verbreitung der Angebote. Denn zu den 44 Millionen kommen weitere 1,3 Millionen Autofahrer, die schon einmal Car-Sharing praktiziert haben, die die aktuellen Konzepte aber für nicht überzeugend befunden haben.

Damit ist das Teilen eines Fahrzeugs für rund 84 Prozent der deutschen Autofahrer derzeit kein attraktives Mobilitätskonzept, wie GIK ermittelt.

Mein Auto gehört mir

Bei der Befragung für die Studie gaben die Deutschen nicht nur an, wie sie zum Carsharing stehen. Auch zur Mietwagennutzung, zu Marken- und Preisbeachtung, Markenloyalität, Kaufentscheidung, Servicestellen wurden Fragen gestellt.

Auch hier bleibt bestehen: Nach wie vor setzen viele Deutsche auf ein eigenes Auto. In fast zwei Dritteln aller Haushalte (61 Prozent) steht demnach heute mindestens ein Wagen vor der Haustüre, gut jeder vierte Haushalt (27 Prozent) verfügt über einen Zweitwagen und immerhin vier Prozent haben sogar einen Drittwagen. Damit gibt es also in 92 Prozent aller deutschen Haushalte mindestens ein PKW.

Das wird sich vermutlich in absehbarer Zeit auch nicht ändern. Denn der Wunsch nach einem eigenem Wagen ist bereits bei Fahreinsteigern groß: 1,12 Millionen junge Menschen, die heute noch ohne eigenes Auto auf dem Weg zur Schule oder in die Ausbildung unterwegs sind, würden sich ein eigenes Auto anschaffen, weiß B4P.

B4P wird von den Forschern der fünf Medienhäuser in enger Zusammenarbeit mit Mediaagenturen und der werbungtreibenden Wirtschaft entwickelt. Die Studie soll mit mehr als 30.000 Einzelinterviews ein Abbild der deutschen Gesellschaft, ihrer Menschen, Medien und Märkte schaffen. Im Kern auch zur Reichweitenmessung von Zeitungen


Autor:

Sebastian Schmidt, W&V
Sebastian Schmidt

ist als Hospitant bei W&V. Sonst schreibt er für die ke NEXT und bei Twitter unter @Red_Schmidt. Eigentlich kommt er aus der Buchbranche und interessiert sich für alles was mit Digitalisierung, Marketing und Social Media zu tun hat. Deshalb feilt er auch an den Videos des W&V-Youtube-Kanals.