Fernsehen :
Das Digitalgeschäft hilft der RTL Group

Dank der steigenden Digitaleinnahmen legte der Umsatz der RTL Group im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent zu. Auch die Mediengruppe RTL Deutschland trug zum Plus bei.

Text: Manuela Pauker

RTL-Zentrale in Luxemburg: Die Diversifizierung läuft.
RTL-Zentrale in Luxemburg: Die Diversifizierung läuft.

Das wachsende Digitalgeschäft beschert der RTL Group ein gutes zweites Quartal 2017: Der Umsatz stieg von April bis Juni im Vergleich zum Vorjahresquartal um 8,8 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro. Zugleich fiel der Gewinn aber um knapp zehn Prozent auf 183 Millionen Euro. Hier spielen allerdings Sondereffekte der Bertelsmann-Tochter in Frankreich beim Sender M6 mit, weswegen der Gewinn 2016 höher ausfiel.

Das erste Halbjahr schließt die RTL Group mit einem Umsatz von knapp drei Milliarden Euro ab, 3,5 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2016. Das Plus stammt auch hier zu einem großen Teil aus dem Digitalgeschäft, das um 47,4 Prozent auf 389 Millionen Euro zulegte. Der Zuwachs kommt in erster Linie aus dem organischen Wachstum der Plattformen BroadbandTV und StyleHaul, durch den Verkauf der Fremantle-Premium-Serie American Gods an den Streamingdienst Amazon Prime Video und die erstmalige Vollkonsolidierung von Smartclip und Divimove.

Die Diversifikation hilft

Verbessert haben sich auch die Mediengruppe RTL Deutschland (plus 36 Millionen Euro), die französische Groupe M6 (plus 16 Millionen) und die Produktion Fremantle Media (plus 30 Millionen). Auch die Plattformerlöse stiegen – nämlich um 18,7 Prozent auf 159 Millionen Euro. Damit konnte der Einbruch in den europäischen TV-Werbemärkten für den Konzern aufgefangen werden.

Immerhin: im ersten Halbjahr brachte TV-Werbung dem Gesamtkonzern noch etwa die Hälfte der Erlöse ein. 17, 5 Prozent stammen aus der Inhalte-Produktion, 13,1 Prozent aus dem Digitalgeschäft, 5,3 Prozent aus Plattformerlösen und 4,1 Prozent aus Radiowerbung.

Die Prognose für das Gesamtjahr bleibt gültig

Dank dieser Entwicklung bleibt die RTL Group bei ihrer im März verkündeten Planung für das Gesamtjahr: Erwartet wird für den Gesamtumsatz ein "moderates Plus" von 2,5 bis 5,0 Prozent. Die wichtigsten Wachstumsmotoren bleiben dabei das Digitalbusiness sowie die Mediengruppe RTL Deutschland.

Angesichts der angespannten Situation bei den TV-Werbemärkten, die sich wohl auch in absehbarer Zeit nicht verbessert, soll weiter an der Diversifizierung der Umsätze gearbeitet werden. "Gerade haben wir entschieden, die verbleibenden Anteile an SpotX zu erwerben, eine weltweit führende Technologieplattform im Bereich der automatisierten Werbevermarktung", so Bert Habets und Guillaume de Posch, Co-Chief Executive Officers der RTL Group, in einem gemeinsamen Statement.

Zusammen mit den Managementteams von SpotX und Smartclip arbeite man "an einem ambitionierten Wachstumsplan für unser Werbetechnologiegeschäft." Dazu zählt auch eine enge Kooperation von SpotX und Smartclip und die Nutzung ihrer Plattformen in allen Einheiten der RTL Group. Darüber hinaus "werden wir das Ad-Tech-Geschäft durch weitere Akquisitionen und Partnerschaften verstärken", so Habets und de Posch weiter.

Der TV-Werbemarkt macht auch der Konkurrenz zu schaffen

Der schwächelnde TV-Werbemarkt bereitet auch dem RTL-Wettbewerber ProSiebenSat.1 Probleme. Der Konzern rechnet für sein Haus im TV-Werbemarkt aufgrund eines voraussichtlich schwachen dritten Quartals für das Gesamtjahr nur noch mit einer Steigerung "im niedrigen einstelligen Prozentbereich".

In anderen Geschäftsbereichen läuft es dagegen auch für die Unterföhringer besser: TV-Distribution und Produktion sowie das Digitalgeschäft entwickeln sich nach Angaben des Unternehmens "anhaltend positiv".


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde