Löschen oder diskutieren? Die beiden Experten raten in einem Zehn-Punkte-Katalog den Medien, auf die Nutzer zuzugehen. Online-Redakteure sollten ihre Rolle als Moderatoren im Netz beherzt anpacken, "Sprachterror" entfernen, aber böswillige Nutzer direkt mit "Klartext" anzusprechen.

Eine aktive Beteiligung der jeweiligen Redaktion wirke sich direkt auf die Stellung des Hauptkommentars im Facebook-Algorithmus aus. Redaktionskommentare würden automatisch höher gerankt. "Wohlfühl- und Flauschjournalismus" könne die Verrohung zwar nicht stoppen. Die Experten raten aber, Kommentarbeiträge zu veröffentlichen, die einen Bezug zum Lebensumfeld der Nutzer hätten, und Lösungen vorzuschlagen - "und nicht immer nur Krisen, Krieg und Katastrophen", wie Weichert sagte. Dafür müssten aber die Ressourcen in den Redaktionen deutlich erhöht werden.

LfM-Direktor Tobias Schmid sagte, Medienhäuser seien nicht machtlos. Die Bestärkung von Gegenrede sowie strafrechtliche Schritte hätten bei einem überschaubarem Aufwand einen erstaunlichen Effekt.

Ein besonderes Beispiel für überbordende Hasskommentare ist die Diskussion um die ZDF-Fußballreporterin Claudia Neumann. Regelmäßig brechen im Netz Häme und frauenfeindliche Kritik über die WM-Kommentatorin herein - wie am Montagabend zwischen Portugal und Iran war es ähnlich.

dpa/W&V Redaktion


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