IVW Print: Vom Glück bei "Landlust" und vom Pech bei "Bravo"

Ein neuer Rekord bei der "Landlust", ein Tiefststand bei "Focus" und die Vermutung, dass das Jugendmagazin "Bravo" dringend neue Wege einschlagen muss: Die IVW legt die Printauflagenzahlen für das erste Quartal 2012 vor. Eine Analyse von W&V Online.

Text: Petra Schwegler

Bei der Auflagenentwicklung der Publikumszeitschriften hat das Erfolgsmagazin "Landlust" erneut ganz klar die Nase vorn – und: Die Millionen-Grenze ist laut IVW geknackt. Im ersten Quartal 2012 verkauft der Titel 1.010.873 Exemplare, ein Plus von einem weiteren Viertel (genau: 25,8 Prozent) gegenüber Vorjahr.

Erneut schwer – wie schon im letzten Quartal 2011 – tun sich die Nachrichtenmagazine (die jetzt hinter "Landlust" rangieren...): "Der Spiegel" büßt 3,5 Prozent ein und meldet nun für die ersten drei Monate des Jahres 933.394 verkaufte Exemplare. Der "Stern" verliert 4,3 Prozent und verzeichnet nun 825.903 Stück. Der "Focus" muss das Vorjahresplus - rund um die Geburtstagsausgabe nebst umfangreicher Kampagne und Ein-Euro-Sonderpreis – wieder abgeben. Für das erste Quartal meldet das Burda-Magazin 541.295 Exemplare; das sind 10,5 Prozent weniger als vor einem Jahr - ein Tiefststand. Der zuständige Verlagsmanager Burkhard Graßmann bleibt aber trotz Minus erst einmal cool und betont: "Die Bodenbildung beim ‚Focus‘ liegt hinter uns, nachdem wir fünf Quartale in Folge den Einzelverkauf steigern konnten."

Richtig düster fällt die aktuelle IVW Print wieder einmal bei Bauers Teenieblatt "Bravo" und dessen Line-Extensions aus. Im ersten Quartal 2012 sind die Verkaufszahlen der "Bravo" um ein gutes Fünftel (minus 20,7 Prozent) auf nur noch 319.098 Exemplare gefallen – so wenig wie noch nie. "Bravo Hip-Hop" und "Bravo Girl" brechen dem Hamburger Verlag sogar noch mehr weg – mit minus 30 beziehungsweise minus 21 Prozent weniger Auflage. Hier ist Handeln nötig! Auch Paninis "Bravo"-Klon "hey!" kann sich nicht halten – und verliert 22,9 Prozent. 122.030 verkaufte Exemplare sind laut IVW im ersten Quartal zusammen gekommen.

Zurück zum Positiven: Die Lust an der "Landlust" zieht auch die Nachahmer mit; das WAZ-Magazin "Landidee" legt mit 20,2 Prozent erneut einen starken Zuwachs hin. Allerdings auf weitaus niedrigerem Niveau - aktuell bei 235.946 Exemplaren. Aber die eigentliche Sensation gelingt hier Burdas "Mein schönes Land", das ein sattes Plus von 28,5 Prozent schafft und nun 256.509 Exemplare verkauft hat. Damit hat die Postille den WAZ-Titel zum Jahresauftakt hinter sich gelassen. Das Genre der Wohn-und Gartenmagazine legt laut aktueller IVW Print insgesamt um vier Prozent zu – und zählt damit zu den Gewinnern unter den Printsegmenten.

Bei der Klambt-Gruppe dürfte man die aktuellen IVW-Zahlen mit einem lachenden und einem weinenden Auge zur Kenntnis nehmen: Während sich das Fashion- und Lifestyleblatt "Grazia" mit einem Plus von neun Prozent weiter im Aufwärtstrend befindet und auch das Schwesterblatt "In – Das Star & Style Magazin" um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zulegt, kommt der Titel "OK!" einfach nicht so recht in die Gänge: Die aktuelle IVW bescheinigt dem Blatt für das erste Quartal des laufenden Jahres den Verlust von einem Viertel seiner Käufer – Berater Nikolas Marten, der dem Heft seit Mitte 2011 auf die Sprünge helfen soll, muss sich wohl eine neue Strategie überlegen. Die Bauer-Blätter "InTouch" und "Life & Style" bleiben da vergleichsweise stabil: Das jüngst stärker zum Fashion-Blatt umpositionierte "Life & Style" legt zwei Prozent zu, "InTouch" kann sich zumindest mit einem kleinen Gewinn von 0,4 Prozent aus der Verlustzone retten.

Bei den monatlichen Frauenzeitschriften dürfte man bei Bauer dagegen nicht ganz so glücklich sein: "Maxi" verliert 4,7 Prozent seiner Auflage und rangiert nun bei 190.876 verkauften Heften. Sieht man sich das Segment in seiner Gänze an, steht "Maxi" aber noch vergleichsweise gut da: Insgesamt haben 17 der 24 hier vom VDZ gelisteten Hefte ein Minus eingefahren. Am stärksten betroffen ist Klambts "Welt der Frau" mit einem Auflagenverlust von 16 Prozent, "Petra" aus dem Jahreszeiten Verlag kamen 14 Prozent ihrer Käuferinnen abhanden. Zweistellige Verlustraten auch bei "Burda Style" (-12,2 Prozent), dem Vision-Media-Blatt "Jolie" (-11,0 Prozent), und der MVG-Zeitschrift "Shape" (-11,0 Prozent). Zu den wenigen Gewinnern zählen hier "Emotion" (0,2 Prozent), "Madame" (2,8 Prozent) und Condé Nasts Styling-Bibel "Vogue", die 3,3 Prozent zugelegt hat. Ein Plus schaffte auch der "Freundin"-Ableger "Donna" : Zwar liegen für den Titel, der sich sozusagen an die ältere Schwester der "Freundin"-Leserin richtet, noch keine Vergleichszahlen für den Vorjahreszeitraum vor. Im Vergleich zum Vorquartal hat "Donna" aber weiter zugelegt: Gingen im vierten Quartal 2011 noch gut 93.000 Hefte über den Tresen, so sind es diesmal schon knapp 130.000 Exemplare.

Gut möglich, dass der Erfolg von "Donna" auch ein wenig an der Auflage des 14-täglichen Mutterblattes geknabbert hat: Die "Freundin", deren Chefredakteurin Ulrike Zeitlinger seit knapp zwei Monaten im Muttschutz weilt, muss einen heftigen Absturz von 17,8 Prozent verkraften. Doch auch ihren Mitbewerberinnen im Segment der 14-täglichen Titel ergeht es nur unwesentlich besser: Gruner + Jahrs "Brigitte" verliert gut ein Zehntel der verkauften Auflage aus dem Vorjahresquartal, "Für Sie" (Jahreszeiten Verlag) fehlen 11,6 Prozent. Wohin das Publikum abgewandert ist, lässt sich nur spekulieren – möglicherweise sind nicht nur die Zuwächse von "Donna", sondern auch das Plus einer "Grazia" Hinweise. Und nicht zuletzt die mehr oder weniger als Kundenzeitschrift zu betrachtende monatliche "Laviva", die zum Schnäppchen-Preis von einem Euro zu haben ist, dürfte viele Frauen für sich interessieren: Laut IVW gingen über 300.000 Exemplare von dem Rewe-Magazin über den Tresen. Im Vorquartal waren es noch knapp 10.000 Käuferinnen weniger gewesen.

Die Wirtschaftspresse kann sich auch im abgelaufenen Quartal nicht fangen. Besonders die Gruner + Jahr-Magazine geben erneut ab - "Börse online" verliert ein Viertel an verkaufter Auflage, "Impulse" knapp 15 Prozent und "Capital" minus 4,7 Prozent. "Handelsblatt" und "FTD" bleiben mit Miniverlusten von 0,1 beziehungsweise 0,5 Prozent halbwegs stabil.

Weiter rückläufig sind viele Programmies. Im Plus verharren kann aber "TV für mich". Hier kommt ein Plus von 10,7 Prozent zusammen. Die Auflage des WAZ-Blattes rangiert mit jetzt 281.404 Exemplaren aber insgesamt eher weiter am Ende des Feldes. Auflagenführer "TV 14" verliert im ersten Quartal 2012 weitere 1,1 Prozent, kann sich mit 2,475 Millionen verkauften Exemplaren aber weiter an der Spitze des Segments behaupten. Der Trend hin zur Digitalisierung des TV-Empfangs kommt dem einst aus der Ehe mit dem Abosender Premiere geborene "TV Digital" zugute. Hier wächst die Auflage weiter. Gegenüber dem Vorjahr hat das Magazin um ganze 7,1 Prozent zugelegt. Die IVW meldet für den Springer-Titel jetzt sogar knapp 1,92 Millionen verkaufte Exemplare. "TV Digital" bildet die digitalen Sender gut ab, die von immer Haushalten gesehen werden können - und zum 1. Mai mit der Abschaltung des analogen Satellitensignals einen Boom erleben werden.

Die Computerpresse verharrt im ersten Quartal 2012 mit minus 10,6 Prozent im Tief. Die Zielgruppe wandert – wie auch bei Video-, Audio- oder Fotozeitschriften (minus 19,8 Prozent) - mehr und mehr ins Internet ab. Bei "PC Welt" und Konkurrent "Chip" haben Relaunches auch nicht geholfen. Aktuell verliert die "PC-Welt" sogar 14,6 Prozent der verkauften Exemplare, "Chip" kommt mit 18,7 Prozent Auflagenverlust der Marke der 250.000 verkauften Exemplare sehr nahe (251.957). "Computer Bild" muss weitere 11,4 Prozent weniger an verkaufter Auflage hinnehmen. Mit 546.243 Exemplaren steht das Springer-Blatt aber weiter an der Spitze des Segments.

Bei den überregionalen Tageszeitungen ist Stagnation eingekehrt, Titel wie "Welt" verlieren etwas (minus 0,5 Prozent). Platzhirsch bleibt hier – trotz Verlusten - die "Süddeutsche Zeitung" mit 431.756 verkauften Exemplaren (minus 1,2 Prozent). Deutlicher verloren hat die "FAZ" – gegenüber dem Vorjahresauftakt müssen die Frankfurter zwei Prozent weniger Auflage hinnehmen und melden nun laut IVW 355.260 verkaufte Exemplare. Noch eine Nachmeldung der "Zeit": Die politische Wochenzeitung bleibt auf hohem Niveau und verkauft im 1. Quartal von jeder Ausgabe durchschnittlich 505.945 Exemplare. Das macht zwar nur 0,10 Prozent mehr als im Vorjahr aus, aber das Abonnement läuft bei den Hamburgern gut: Hier meldet die "Zeit“ 332.789 Exemplare - das sind 9890 (plus 3,1 Prozent) mehr als im Vorjahresquartal.

ps/mp


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.