Kreation des Tages :
John Oliver verbessert Facebook-Spot

Der Umsatz von Facebook und sein Aktienkurs sind vorige Woche eingebrochen. Grund genug für den Late-Night-Talker John Oliver, zu Hilfe zu eilen.

Text: Susanne Herrmann

John Oliver, Last Week Tonight (HBO), bietet Facebook einen aufrichtigen Werbespot an.
John Oliver, Last Week Tonight (HBO), bietet Facebook einen aufrichtigen Werbespot an.

John Oliver, Gastgeber der HBO-Show Last Week Tonight, ist bekannt dafür, dass er bei allen Themen den Finger in die Wunde legt. Sehr kritisch, spitz und unterhaltsam hat er schon mit der Fifa, Donald Trump, dem Zeitungssterben in den USA und dem Brexit abgerechnet und alle Schwächen und Widersprüche schonungslos offengelegt.

Nun ist Facebook dran. Die Mutter aller Social-Media-Plattformen hatte in diesem Jahr mit dem Cambridge-Analytica-Skandal allerhand zu verdauen. Dass hier unerlaubt die Daten von Millionen von Nutzern weitergegeben worden waren, betrachteten viele Facebook-Anwender als Vertrauensbruch. Dafür hat sich Facebook im Anzeigen und mit TV-Spots entschuldigt.

Und einen TV-Spot hat John Oliver nun wieder ausgegraben. Anlass waren die miserablen Geschäftszahlen, die vorige Woche den Aktienkurs abstürzen ließen. Vom "größten Tagesverlust in der Geschichte der US-Aktienmärkte" war gar die Rede (Handelsblatt/via Yahoo).

Da helfe, sagt Oliver, keine Werbekosmetik mehr. In seiner Late-Night-Show zeigte er den Spot "Apology" in voller Länge. Und rät Facebook zu mehr Erhlichkeit.

Da der Ruf des Unternehmens von  Mark Zuckerberg nie schlechter gewesen sei als derzeit, brauche Facebook einen Freund. "Einen wirklichen Freund, keinen Facebook-Freund", stellt John Oliver klar. Der nicht nur ständig "Like", was einer tut. "Sondern einen Freund, der dich so sieht, wie du wirklich bist", sagt der Moderator.

Einen Freund, der schon mal eine Spot-Version produziert hat, wie sie eigentlich sein müsse. Olivers Clip folgt im Ausschnitt ab 2:46. Der Beitrag beginnt mit dem Originalfilm von Facebook vom April.

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Warum, fragt sich der britische Moderator, sollte Facebook vorgeben, etwas anderes zu sein, als es ist? Gelddruckmaschine, Sammelpunkt für Trolle. Oder, so John Oliver: "Ein Überwachungssystem, getarnt als Klassentreffen."

Als Slogan schlägt Oliver darum vor: "We own who you are." (Wir besitzen, wer du bist. - Das Logo hat er auch verbessert. Spoiler: Ein Daumen spielt nicht mehr die Hauptrolle.)

Aufrichtiger geht es dann wirklich kaum. Allerdings ist Werbung für solch schonungslose Offenheit eher nicht bekannt. Oliver schon.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.