Eigentlich ging es um eine Musik-Urheberrechtsreform

Trump verfolgte Wests Wortschwall geduldig, nickte zwischendurch immer mal wieder und lächelte mehrmals verlegen. Als West fertig war, sagte Trump: "Das war ziemlich beeindruckend." Er nannte West einen "speziellen Typen" und ein "Genie".

Auf die Frage eines Journalisten, ob West ein künftiger Präsidentschaftskandidat sein könnte, antwortete Trump: "Das könnte sehr gut sein." West warf dazwischen, das komme frühestens ab 2024 in Frage - also nach einer möglichen zweiten Amtszeit Trumps.

In wenigen Wochen stehen in den USA Kongresswahlen an, zur Halbzeit von Trumps aktueller Amtszeit. Der US-Präsident empfing am Donnerstag mehrere Vertreter der Musikszene im Weißen Haus - wohl um sich kurz vor den Zwischenwahlen demonstrativ mit prominenten Unterstützern zu schmücken, was ihm bisher eher wenig gelang.

Anlass war die Unterzeichnung einer Musik-Urheberrechtsreform. Allerdings bekam nur West derart viel Aufmerksamkeit - und Redezeit.

Streisand mit Anti-Trump-Song

Anders als sein Vorgänger Barack Obama weiß Trump nur äußerst wenige der sehr prominenten Musiker und Schauspieler hinter sich. Hollywood-Größen und Musiker üben regelmäßig Kritik am Präsidenten und dessen Politik. Das zeigte sich schon bei Trumps Vereidigung im Januar 2017 in Washington, der viele Stars fernblieben.

Aktuell macht Barbra Streisand einen Anti-Trump-Song "Don't lie to me" (Lüg mich nicht an) Schlagzeilen. Der Videoclip dazu macht die Kritik an US-Präsident Donald Trump, 72, sehr eindeutig, während der Text sie nur andeutet. Allein bei Youtube wurde der Clip in den vergangenen Tagen Hunderttausende Mal angeklickt.

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Streisand ist seit Jahrzehnten als Unterstützerin der Demokraten bekannt. Mit den früheren Präsidenten Barack Obama und Bill Clinton und deren Frauen ist sie befreundet. 

In den Versen singt die 76-Jährige gegen ein namenloses Du an - und setzt diesem ihre Tränen entgegen. Der Name Trump wird kein einziges Mal erwähnt. Allerdings baut dieses Du Türme aus Bronze und Gold ("towers of bronze and gold") und verändert die Fakten ("change the facts to justify").

Immer wieder wird die Frage gestellt, wie er schlafen könne, während die Welt brenne ("How do you sleep when the world is burning?"). Im Video sind Bilder eines mal brüllenden, mal Golf spielenden Trumps zu sehen, kontrastiert mit Aufnahmen von Demos gegen Trump, Umweltzerstörung und einem weinenden Barack Obama.

Auch Kid Rock zählt zu den Trump-Unterstützern 

Mit dem 41-jährigen Rapper West pflegt Trump dagegen schon lange ein gutes Verhältnis. 2014 hatte er ihm zu dessen Hochzeit mit Reality-Star Kim Kardashian gratuliert. Nach Trumps Wahlsieg stellte sich West hinter Trump und traf sich mit ihm in New York. Im April erklärte West in einem Radio-Interview, dass er den Präsidenten "tatsächlich liebe".

Als Rapper, Produzent und Mode-Designer zählt West derzeit zu den einflussreichsten Musikern in den USA. Auch Wests Ehefrau, Kim Kardashian, war schon mehrfach Gast im Weißen Haus.

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Neben West kam am Donnerstag auch Kid Rock in die US-Regierungszentrale. Der aus Michigan stammende Musiker steht in Fragen wie Steuern, Waffen und Militär auf Seite von Trumps Republikanern. Bei Konzerten gibt er sich patriotisch und trägt die US-Flagge mit Stolz. Rock ist erklärter Unterstützer Trumps und
verkaufte auf seiner Website sogar ein T-Shirt mit der Aufschrift "Gott, Waffen und Trump".

Musik-Urheberrecht wird dem digitalen Zeitalter angepasst

Die Reform, die Trump am Donnerstag unterzeichnete, nennt sich "Music Modernization Act". Im Kern geht es um die Vergabe von Lizenzen und Nutzungsgebühren. Denn Gebühren von Streamingdiensten wie Spotify und Apple Music beruhen in den USA teils auf jahrzehntealten Gesetzen. 

Die Reform soll diese anpassen und Künstlern, Songschreibern und Produzenten helfen, auf diesen Plattformen mit ihrer Musik mehr Geld zu verdienen. Die Musikindustrie, darunter Künstler wie auch Labels und Streaminganbieter, stehen hinter den Gesetzesplänen.

W&V Online/dpa


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W&V Redaktion
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