MDR prescht nach vorn: ARD plant Jugendkanal mit ZDF

Nun macht der MDR Nägel mit Köpfen: ARD und ZDF sollen einen trimedialen öffentlich-rechtlichen Jugendkanal für die Zielgruppe ab 14 Jahren an den Start bringen. Enttäuscht ist der MDR indes von der Talkleiste im Ersten...

Text: Katrin Otto

19. Jul. 2012

Nun wird es konkret. Der MDR will die jungen Zielgruppen angehen. Und lässt sich in seine Karten blicken: Jetzt hat der Rundfunkrat der Leipziger Rundfunkanstalt ein gemeinsames Senderkonzept von ARD und ZDF für einen Jugendkanal beschlossen. Argument:  Der Erfolg von KiKa zeige, dass es möglich sei, dass die beiden Öffentlich-Rechtlichen ein gemeinsames, inhaltlich hochwertiges Programm für die Jüngsten veranstalten könnten. Kurzum: ARD und ZDF sollen einen trimedialen öffentlich-rechtlichen Jugendkanal für die Zielgruppe ab 14 Jahren an den Start bringen.

"Die Mediennutzung junger Leute weicht stark von herkömmlichen Mustern ab. Sie wollen Angebote nutzen wann sie wollen, wo sie wollen und auf welchem Weg sie wollen.", so MDR-Intendantin Karola Wille. Deshalb soll der Kanal  TV, Internet und Radio eng verknüpfen. Das Angebot soll Inhalte der jeweiligen Landesrundfunkanstalten enthalten, dazu gehörten die Angebote der Hörfunkwellen und der Telemedien. Ein solcher Kanal sei Bestandteil eines Gesamtkonzepts zur Erreichung junger Zielgruppen. "Die Zeit ist reif", sagt der Rundfunkratsvorsitzende Horst Saage.

Das Vorhaben ist einmal mehr Steilvorlage für den ARD-kritischen Privatfunkverband VPRT. Er will in dem Antrag auf einen zusätzlichen Jugendkanal der Öffentlich-Rechtlichen erkennen, dass der Digital-Auftrag mit sechs Kanälen „auf breiter Basis gescheitert“ sei, wie es VPRT-Präsident Jürgen Doetz formuliert. Währenddessen würden die Hauptprogramme weite vor sich hin „überaltern“. Der Verband fordert ein Ende des „Verwirrspiels“ und rügt die „unausgegorene Programmstrategie der Anstalten“. Jetzt müsse das gesamte Digitalkanal-Konzept auf den Prüfstand, so Doetz.

Das Projekt eines gemeinsamen Jugendkanals steht schon länger im Raum. Ob sich das ZDF beteiligt ist offen. "Sollte dies nicht möglich sein", empfiehlt der Rundfunkrat, "dass die ARD einen eigenen Jugendkanal startet". Das ZDF betreibt bereits den digitalen Sender ZDFneo für jüngere Zielgruppen. Eigentlich hat auch die ARD schon ein junges Angebot - den vor Kurzem auf jung getrimmten Digitalkanal EinsPlus.

Des Weiteren mischt sich der MDR in die Debatte um die Zukunft der ARD-Talkshowleiste ein - nach WDR und NDR. Auch der MDR wünscht sich, dass die Zahl von fünf Talks pro Woche wieder reduziert würde. Auch eine stärkere inhaltliche Abgrenzung ist gefordert. Doch so schnell geht das nicht: Die Verträge mit den Talkmastern der ARD laufen teils im Jahr 2013 aus. Bis dahin wollen sich die Rundfunkräte der ARD-Sender nun auf eine gemeinsame Linie einigen.

ko/ps


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Katrin Otto
Katrin Otto

ist Redakteurin im Medienressort. Sie schreibt über Radio, Außenwerbung, Kino und Film und freut sich über Empfehlungen für die Bücherseite. Wenn sie nicht in der Redaktion ist, ist sie auf Konzerten, im Kino oder im Wasser.



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