Livestreams brauchen Sendelizenzen :
Medienwächter: Bild macht Rundfunk!

Für gleich drei Livestreams der Marke Bild müsste das Springer-Team bei den Medienwächtern nun ganz fix Rundfunk-Zulassungen beantragen ...

Text: Petra Schwegler

"Die richtigen Fragen" bei Bild: Für die Medienwächter ganz klar Rundfunk.
"Die richtigen Fragen" bei Bild: Für die Medienwächter ganz klar Rundfunk.

Im Ringen um die Frage der Medienanstalten, sind Livestreams zulassungspflichtiger Rundfunk, zieht Bild nun den Kürzeren: Die Medienwächter haben in ihrer Zulassung- und Aufsichtskommission ZAK gleich drei Online-Angebote der Springer-Marke mit TV-Sendern gleichgestellt. Ergo brauchen "Bild live", "Die richtigen Fragen" und der "Bild Sport-Talk mit Thorsten Kinhöfer" eine Sendelizenz.

"Diese Livestreaming-Formate erfüllen nach Auffassung der zuständigen Kommission für die Anforderungen an Rundfunk, da sie regelmäßig anhand eines Sendeplans veranstaltet werden und auf zeitgleichen linearen Empfang ausgelegt sind", teilt die ZAK nach ihrer Sitzung mit.

Noch fehlt den Medienwächtern die medienrechtliche Zulassung für die Springer-Angebote. Die für Berliner Rundfunkangebote zuständige Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) soll nun die Streams "untersagen, sofern nicht innerhalb von zwei Wochen ein Antrag auf Zulassung gestellt wird".

Springer stuft die Livestreams anders ein

Eine Auseinandersetzung könnte folgen. Denn: Springer stuft die Web-Offerten ganz anders ein. In einem Statement zur ZAK-Entscheidung heißt es: "Wir sind der Auffassung, dass es sich bei den genannten Formaten von Bild in ihrer aktuellen Ausgestaltung nicht um zulassungspflichtigen Rundfunk im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages handelt, da diese weder zum zeitgleichen Empfang bestimmt sind noch entlang eines Sendeplanes verbreitet werden."

Die Entscheidung der ZAK halte das Unternehmen daher für "unzutreffend". Springer warte nun nach eigenen Angaben den Bescheid der MABB ab, der die Entscheidung der Kommission umsetzt. Das Unternehmen werde prüfen, wie darauf reagiert werden soll, heißt es.

Die Haltung verwundert wenig; ein Streit um Rundfunklizenzen für Streamer schwelt seit einiger Zeit. So mischten sich im Frühjahr die Macher des Webvideopreises ein. In einem offenen Brief warfen Markus Hündgen und Dimitrios Agirakos den Medienanstalten unter anderem vor, dass das Verfahren zu bürokratisch sei. Die Diskussion bekam neuen Anschub, als der Twitch-Kanal des Angebots PietSmietTV als zulassungspflichtiges Rundfunkangebot eingestuft wurde – wie jetzt auch "Bild live", "Die richtigen Fragen" und der "Bild Sport-Talk mit Thorsten Kinhöfer".


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.