Streaming-Anbieter investieren :
Netflix und Amazon holen sich kreative Köpfe

Es wird eng für die TV-Sender: Netflix und Amazon kaufen in den USA dem klassischen TV zwei der derzeit erfolgreichsten Serien-Erfinder weg.

Text: Manuela Pauker

Stoffe wie "The Walking Dead" werden zunehmend von Streaming-Diensten erworben
Stoffe wie "The Walking Dead" werden zunehmend von Streaming-Diensten erworben

Die Streaming-Anbieter haben dem klassischen Fernsehen in den USA einen empfindlichen Aderlass bei den Content-Anbietern verpasst: Robert Kirkman, Erfinder der Zombie-Serie The Walking Dead, wechselt samt seiner Produktionsfirma Skybound zu Amazon. Und Shonda Rhimes, die für ABC Serienhits wie Grey’s Anatomy, Scandal oder How to Get Away with Murder erdacht hat, verlässt das Network nach rund 15 Jahren in Richtung Netflix. Der Streaming-Anbieter soll ihr den Wechsel mit rund 10 Mio. Dollar jährlich schmackhaft gemacht haben, schätzt das Wall Street Journal.

Noch hat ABC mit dem Abgang von Rhimes‘ Produktionsfirma Shondaland kein akutes Problem: Die drei derzeit dort im Programm laufenden Serien werden weiter produziert, so lange ABC sie noch haben will. Frische Ware aus Shondaland gibt es künftig allerdings nur noch auf Netflix - dort, wo Chief Content Officer Ted Sarandos kreativen Show-Machern laut Rhimes einen „geschützten Raum“ für die Entwicklung neuer Stoffe bietet. Stoffe, die von den klassischen Networks eher abgelehnt würden – sei es, weil die Produktion zu teuer oder das Thema zu heikel ist.

Es wird eng für die TV-Sender

Die klassischen Sender bringt das zunehmend in Bedrängnis. Nicht nur, dass Netflix viel Geld für kreative Köpfe Geld ausgibt; zuletzt wurde etwa auch noch das Regisseur-Duo Joel und Ethan Coen angeheuert, das eine eigene Serie (The Ballad of Buster Scruggs) für den Streamer entwickelt.

Netflix kauft auch noch an anderer Stelle ein: In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass das Unternehmen den erfolgreichen Comicverlag Millarworld übernommen hat. Der erste Kauf des Streaminganbieters wird von manchem in der Branche mit dem Kauf der Comic-Schmieden DC und Marvel durch Warner Bros. beziehungsweise Disney verglichen.

Doch auch die etablierten Sender geben nicht klein bei: So hat Disney Anfang August nicht nur den bisherigen Deal mit Netflix gekündigt – der Konzern will auch seinen eigenen Streaming-Service starten. Das hat das Network CBS ebenfalls vor: Dessen Streaming-Angebot soll künftig international zu haben sein. Sicher nicht der letzte Schlagabtausch zwischen den Streaming-Anbietern und dem guten alten Fernsehen.


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde