"Die OWM hat bereits 2012 in ihrer Hörfunkstudie nachgewiesen, dass frei werdende Werbegelder bei einer Reduzierung nicht in Richtung Privatradio sondern zugunsten anderer Werbemöglichkeiten aus dem Hörfunk abfließen würden. Diese Gelder kommen insbesondere den digitalen Werbeformen zugute", befürchtet Schütz, der damit ins selbe Horn stößt wie Elke Schneiderbanger wenige Stunden vor dem Beschluss. Die Geschäftsführerin des ARD-Vermarkters AS&S hatte gewarnt: "Die größte Konkurrenz für die Umsätze der privaten und öffentlich-rechtlichen Radiosender ist das Internet. Freiwerdende Budgets wandern daher im Zweifel zu Google & Co oder werden eingespart. Das ist die Realität."

Radio NRW und die NRW-Verleger hinter dem Lokalfunksystem sind naturgemäß zufrieden mit der Entscheidung, wie sie per Mitteilungen verbreiten. Ihre Kollegen aus Bayern fordern prompt Ähnliches für den BR. Und der Radiovorsitzende des Privatfunkverbandes VPRT, Klaus Schunk, sieht für seine Gattung klare Vorteile durch das neue Gesetz. Er tut nach dem Landtagsbeschluss kund:

"Die Zahlenspielereien des WDR und der Aufschrei der ARD-Vermarktungsgesellschaften ändert nichts daran, dass hier ein wichtiger Beitrag zu mehr Gerechtigkeit im Wettbewerb von öffentlich-rechtlichen und privaten Radioveranstaltern geleistet wurde, der der Gattung Radio auch in NRW nicht schaden, sondern den Lokalfunk stabilisieren wird."

Das Gesetz reicht indes noch weiter: Es soll beim WDR neben weniger Werbung auch Transparenz, Kontrolle und Staatsferne regeln. Denn eine umstrittene Millionen-Gage für Thomas Gottschalk hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Der Showmaster hatte 2012 die volle Gage erhalten, obwohl seine ARD-Vorabendshow ”Gottschalk live“ vorzeitig abgesetzt worden war. Die WDR-Aufsichtsgremien waren darüber nicht informiert. Künftig unterliegen Programme ab einem Vertragsvolumen von zwei Millionen Euro den Aufsichtsgremien - auch, wenn sie von oder auf Rechnung von Tochtergesellschaften beauftragt werden.



Petra Schwegler, Redakteurin
Autor: Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.