Investition in Adtech- und Data-Geschäft :
ProSiebenSat.1 gleicht stagnierenden TV-Umsatz mit Digitalem aus

Parship, Flaconi oder Amorelie boomen und sorgen für mehr Umsatz bei ProSiebenSat.1 - zur rechten Zeit, zumal TV-Werbung im 2. Quartal stagnierte. 

Text: Petra Schwegler

ProSiebenSat.1 profitiert davon, zur rechten Zeit aufs Digitalgeschäft gesetzt zu haben.
ProSiebenSat.1 profitiert davon, zur rechten Zeit aufs Digitalgeschäft gesetzt zu haben.

ProSiebenSat.1 ist im zweiten Quartal gewachsen - trotz des schwachen TV-Markts und dank des wachsenden Internetgeschäfts beim Münchner Medienunternehmen.

Von April bis Juni legte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9 Prozent auf 962 Millionen Euro zu. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg zudem um 6 Prozent auf 270 Millionen Euro, wie aus der Mitteilung vom Donnerstag hervorgeht.

Das Geschäft mit klassischer TV-Werbung – immer noch der größte Brocken bei ProSiebenSat.1 – ging zwar nicht wirklich zurück, blieb aber nach Umsatz fast auf dem gleichen Niveau wie ein Jahr zuvor.

Wie sich das Plus verteilt

Einen starken Zuwachs gab es dagegen wieder im Geschäft mit Internetportalen wie Parship oder Verivox. Hier belief sich das Plus auf 45 Prozent. Auch bei den Online-Partnervermittlungen Parship und Elitepartner, der Online-Parfümerie Flaconi und beim Online-Sexshop Amorelie lief es: Diese Sparte steigerte ihren Umsatz um 50 Prozent.

Doch der Umbau hin zu mehr Geschäft jenseits des TV-Marktes hat seinen Preis: Der Konzerngewinn vor Zinsen und Steuern sank bei ProSiebenSat.1 wegen höherer Kosten und Sondereffekte durch Verkäufe und Übernahmen um drei Prozent auf 205 Millionen Euro.

So hat das Dax-Unternehmen soeben das Online-Reisebüro Etraveli verkauft und den Erlebnisgeschenke-Anbieter Jochen Schweizer übernommen. Das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis legte um sechs Prozent zu. Damit übertraf ProSiebenSat.1 die Erwartungen der meisten Analysten, meldet dpa.

Wo es jetzt hingeht bei ProSiebenSat.1

Wichtig ist für die AG jetzt das Engagement in den Bereichen Adtech und Data. So hat der Konzern gemeinsam mit der TF1 Group sowie Mediaset die European Broadcaster Exchange (EBX) gegründet. Das Joint Venture soll die technische Weiterentwicklung von Onlinewerbung vorantreiben und den Bedarf an sicheren Umfeldern und qualitativ hochwertigen pan-europäischen Video-Kampagnen bedienen. Darüber hinaus hat ProSiebenSat.1 erst vergangene Woche eine gemeinsame Registrierungs- und Data-Initiative mit RTL Deutschland sowie der United Internet AG initiiert und wird diese mit der Zalando als erstem Partner starten.

Vorstandschef Thomas Ebeling bestätigte seine Jahresprognose: Der Umsatz soll 2017 deutlich steigen, der um Sondereffekte bereinigte Überschuss das Vorjahresergebnis übertreffen. Demnach peilt das Unternehmen auch weiterhin ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich sowie ein Nettowachstum des TV-Werbemarkts von 1,5 bis 2,5 Prozent an.

Ebeling rechne "für das zweite Halbjahr mit einem wieder positiven Umfeld im TV-Werbemarkt", so der Konzernlenker wörtlich. Das Internetgeschäft wachse weiterhin dynamisch.

Die guten Prognosen helfen der Aktie von ProSiebenSat.1 indes erst einmal nicht. Das Papier stieg zunächst vorbörslich um rund 1,5 Prozent und fiel dann nach Handelsbeginn fast 3 Prozent. Die Ergebnisse des zweiten Quartals hätten die Erwartungen übertroffen, schrieb Goldman-Sachs-Analystin Lisa Yang. Aber das TV-Geschäft war schwächer als erhofft. 

Von ihrem Tiefpunkt aus dem Jahr 2009 hat sich die Aktie seit dem Antritt von Firmenchef Thomas Ebeling zwar längst erholt. Im November 2015 erreichte sie mit fast 51 Euro ein Rekordhoch - das war kurz vor dem Aufstieg in den Leitindex Dax im März. Seitdem ging es für die Aktie allerdings wieder um mehr als ein Drittel bergab.

ps/dpa


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.