Online-Video :
ProSiebenSat.1 schließt europäische Werbeallianz

Der TV-Konzern ProSiebenSat.1 verbündet sich mit der italienischen Mediaset-Gruppe und TF1 aus Frankreich. Die Partner wollen Googles Youtube im Geschäft mit Werbevideos Paroli bieten.

Text: Thomas Nötting

ProSiebenSat.1-Digitalvorstand Christof Wahl.
ProSiebenSat.1-Digitalvorstand Christof Wahl.

ProSiebenSat.1 schließt ein Vermarktungsbündnis mit europäischen Partnersendern. Der deutsche Fernsehkonzern kündigte zusammen mit der französischen TF1-Gruppe und dem Mediaset-Konzern aus Italien die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens an. Die gemeinsame Vermarktungsfirma European Bradcaster Exchange (EBX) soll sich auf das programmatische Geschäft mit Online-Werbevideos konzentrieren.

Allianz gegen Google und Facebook

Die paneuropäische Werbeallianz richtet sich vor allem gegen die digitalen Großmächte Google und Facebook. Man wolle "Strukturen schaffen, um den globalen Wettbewerben effizienter gegenüberzutreten", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der drei TV-Unternehmen. Aber auch der europäische Hauptkonkurrent, die Mediengruppe RTL, hatte erst letzten Monat eine ähnliche Initiative verkündet. Die Bertelsmann-Tochter will mit dem neu formierten International-Vermarkter RTL Ad Connect ebenfalls auf europäischer Ebene Youtube, Facebook und Co. mehr Paroli bieten. Zum RTL-Bündnis gehören neben den eigenen deutschen, belgischen, französischen und spanischen Töchtern die britische ITV-Gruppe sowie die italienische RAI.

Nach eigenen Angaben erreichen ProSiebenSat.1 und seine Bündnis-Partner mehr als 250 Millionen Einwohnern  – das ist die Hälfte der gesamten EU-Bevölkerung. Das Joint-Venture biete nun Werbekunden "die Möglichkeit, pan-europäische Kampagnen im Umfeld von Premium-Videos automatisiert und einfach zu buchen", erklärt ProSiebenSat.1-Digitalvorstand Christof Wahl. Er erhofft sich "Zugang zu zusätzlichen Werbebudgets, die wir auf Länderebene bislang nicht adressieren konnten".

Internationale Vermarktungs-Unternehmen

Mit den neuen Europa-Bündnissen reagieren die TV-Konzerne auf die zunehmende Internationalisierung des digitalen Werbebusiness. Während ihr Stammgeschäft Fernsehwerbung nach wie vor weitgehend national bestimmt wird, planen große Werbetreibende ihre Digitalbudgets zunehmend auf internationaler Ebene. Die internationalen Werbeallianzen könnten langfristig zur Keimzelle internationaler Vermarktungs-Unternehmen werden. ProSiebenSat.1, TF1 und Mediaset bezeichnen das neue Bündnis als „Startpunkt einer tiefergehenden strategischen Zusammenarbeit, um die technologische Weiterentwicklung von Online-Werbung voranzutreiben“. Im Januar waren TF1 und Mediaset bereits bei dem Online-Videodienstleister Studio71 eingestiegen.


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.