UK-Zeitungsmarkt :
Reach: Wert der Lokalzeitungen nahezu halbiert

Der größte britische Zeitungsverlag nimmt eine drastische Abschreibung auf den Wert seiner Lokalblätter vor. Und rutscht tief in die roten Zahlen.

Text: Franz Scheele

Wie schlecht es um die Lokal- und Regionalzeitungen in Großbritannien bestellt ist, lässt sich aus der jetzt vorgelegten Halbjahresbilanz des Verlags Reach (früher: Trinity Mirror) ablesen. Das Londoner Verlagshaus hat auf den Wert seiner 160 Lokal- und Regionalzeitungen eine Abschreibung in Höhe von 150 Millionen Pfund (168 Millionen Euro) vorgenommen.

Reach ist der mit Abstand größte Zeitungsverlag im Vereinigten Königreich mit überregionalen Titeln wie Daily Mirror und Daily Express sowie Lokalzeitungen wie der Manchester Evening News, der Birmingham Mail oder dem Liverpool Echo.

Durch die Abschreibung rutschte der Verlag zugleich tief in die roten Zahlen mit einem Verlust vor Steuern in Höhe von 113,5 Millionen Pfund (127,5 Millionen Euro). Der Gesamtwert des Lokalzeitungs-Portfolios halbierte sich nahezu – von 347 auf 197 Millionen Pfund. Begründet wurde die Abschreibung mit der langfristig düsteren Perspektive bei den Lokalzeitungen hinsichtlich Auflage und Leserzahlen.

Schwer zu schaffen macht den Lokalblättern auch der starke Rückgang bei den Print-Anzeigenerlösen, die durch die Werbeerlöse der Online-Angebote nicht ausgeglichen werden können. Im Digitalbereich wandern die Werbegelder zunehmend in die Kassen von Google und Facebook.

Zahlreiche Titel-Einstellungen

So ist es auch nicht erstaunlich, dass immer mehr Lokalzeitungen eingestellt werden – seit 2005 sind bereits deutlich mehr als 200 vom Markt verschwunden. Allein im Zeitraum von Anfang 2015 bis Ende 2017 wurden 86 Titel eingestellt. Reach (zu dem Zeitpunkt noch Trinity Mirror) hat im vergangenen Jahr zwölf Titel vom Markt genommen.

Wie dramatisch die Situation der britischen Lokal- und Regionalpresse ist, zeigen auch die Zahlen des Auflagenkontrolleurs ABC für den Zeitraum von Juli bis Dezember 2017. Danach musste die Mehrzahl der Titel Verluste im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen – und dies bei einer ohnehin in den vergangenen Jahren erheblich zusammengeschmolzenen Printauflage.

So kommt der Lokalzeitungstitel Press & Journal in Aberdeen nur noch auf gut 48.000 Exemplare – 7 Prozent weniger als im vergleichbaren Zeitraum 2016. Damit ist das Blatt aber bereits Auflagenspitzenreiter unter den britischen Lokal- und Regionalzeitungen – sieht man einmal von der Sonderstellung des London Evening Standard ab, der als Gratisblatt eine verteilte Auflage von 867.000 Exemplaren hat.

Auf Rang zwei der kostenpflichtigen lokalen Tageszeitungen liegt der Express & Star (West Midlands) mit 47.700 Exemplaren. Das sind 14 Prozent weniger als im Vorjahr – und mehr als 9000 Exemplare werden davon kostenlos abgegeben. Auf den weiteren Plätzen folgen die Manchester Evening News (39.400 Exemplare, -16 Prozent, darunter 17.000 Freiexemplare), das Liverpool Echo (38.500, -13 Prozent) und der Belfast Telegraph (36.400, -9 Prozent, davon 7000 Freiexemplare).


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.