Geld für Inhalte :
Rupert Murdoch will Geld von Facebook

Wenn Facebook Medien bewerten will, dann will Murdoch im Gegenzug Geld für die Verbreitung von Inhalten. Der Medienmogul wettert gegen die sozialen Medien.

Text: Anja Janotta

Rupert Murdoch (r.) mit Disney-Chef Iger beim Verkauf seines Fox-Imperiums.
Rupert Murdoch (r.) mit Disney-Chef Iger beim Verkauf seines Fox-Imperiums.

Medienunternehmer Rupert Murdoch holt zum Gegenschlag gegen Facebook aus. Nachdem das soziale Netzwerk angekündigt hatte, journalistische Angebote bewerten lassen zu wollen, dreht Murdoch den Spieß um. Facebook solle Medienunternehmen Geld für die Verbreitung ihrer Inhalte zu bezahlen.

"Wenn Facebook 'vertrauenswürdige' Verlage anerkennen will, sollte es ihnen eine ähnliche Gebühr bezahlen, wie sie bei Kabel-Unternehmen üblich ist", ließ Murdoch in einem Statement verbreiten

Für Facebooks Gewinne hätte eine solche Abgabe nur geringe Folgen - aber sie würde die Aussichten für Verleger und Journalisten stark verbessern, argumentierte Murdoch. Dem Medienunternehmer gehören unter anderem die Londoner Times, die Boulevardzeitung Sun, das Wall Street Journal sowie das Medienunternehmen 21st Century Fox, von denen er Kernteile Ende 2017 an Disney verkaufte.

Was dahinter steckt

Facebook hatte jüngst angekündigt, Inhalte von Medien, denen die Nutzer mehr vertrauen, sollen auf der Plattform Vorrang vor anderen haben. Dafür sollen Mitglieder danach gefragt werden, ob sie Medien kennen und für vertrauenswürdig halten. Facebook plant außerdem, im Newsfeed der Nutzer verstärkt Beiträge von Freunden und Familienmitgliedern zu zeigen. Gründer und Chef Mark Zuckerberg erklärte, dadurch dürfte der Anteil der Nachrichten im Newsfeed von fünf auf vier Prozent sinken.

Die Medien-Inhalte würden den Wert und die Integrität von Facebook steigern - ihre Inhalte und News würden aber nicht angemessen bezahlt, kritisierte Murdoch. Facebook und Google hätten mit ihren Algorithmen skurrile Nachrichten populär gemacht, die für die Plattformen zwar profitabel, aber von Natur aus nicht verlässlich seien. Zwar sei man sich bei beiden des Problems bewusst, Murdoch aber bemängelte, dass es noch keine angemessenen Lösungsvorschläge dafür gebe.

Facebook sprach mit Medien auch über Abo-Modelle auf der Plattform des Online-Netzwerks - aber er habe noch keinen Vorschlag gesehen, "der den Investitionen und dem sozialen Wert von professionellem Journalismus gerecht wird", erklärte Murdoch. Er habe zwar keine Zweifel daran, dass Mark Zuckerberg aufrichtig sei, aber es gebe einen ernsthaften Mangel an Transparenz.

Der BDZV indessen begrüßt Murdochs Vorstoß: "Seit Jahren kritisieren wir, dass aufwändig erstellte Inhalte von Zeitungen und Zeitschriften von den globalen Plattformanbietern wie Facebook und Google eingesetzt werden, ohne dass die Verlage finanziell davon profitieren", erklärte eine Sprecherin. "Unsere Produkte werden gedruckt und digital als seriöse Quellen wahrgenommen mit weitem Abstand vor den sozialen Medien. Davon profitieren die Plattformanbieter nicht nur inhaltlich, sondern auch mit einem Zugewinn an Image."

(mit dpa)


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.