Videochef Leon Krenz und Newschefin Kinga Rustler

Videochef Leon Krenz und Newschefin Kinga Rustler

Das Führungsteam um Chefredakteurin Gesa Mayr, 31, und Vize Anne-Kathrin Gerstlauer, 28, ist damit komplett. Die 25 Redakteure sind zwischen Mitte 20 und Ende Vierzig und haben vor für Zeit Online, Refinery 29, Wired, Mit Vergnügen, Bento oder Cicero gearbeitet. Der älteste Kollege kümmert sich als Politikredakteur um Europa-Themen.

"Jeder kann und soll vor die Kamera"

Sie alle sind erfasst vom "Startup-Glühen" (Mayr) und wollen über die drei redaktionellen Säulen News (inklusive Sport), Debatte und Unterhaltung mit etwa 50 Beiträgen pro Tag die Kernzielgruppe der 20 bis 35jährigen erreichen. Vor allem Videoformate sollen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. "Die Redaktion arbeitet komplett integriert. Jeder kann und soll vor die Kamera", sagt Chefredakteurin Mayr.

Vier eigene Videoformate pro Woche entstehen derzeit - Debatten rund um Alltagsthemen wie Kreditkartenzahlung, politische Kommentare, aber auch Unterhaltung, beispielsweise "Wie wäre es, wenn ein Fußballer im Büro arbeiten würde". Es wird viel ausprobiert.

Mayr will nah ran an die Zielgruppe und "das übliche He said -She said-Bingo" in der Politikberichterstattung vermeiden. Es gelingt beispielsweise, wenn Autorin Anna Mayr, die selbst von Hartz IV gelebt hat, über Gerechtigkeitsthemen wie das Grundeinkommen schreibt. Nur zwei bis drei (Spaß-)Beiträge pro Tag werden von den Schweizer Lizenzpartnern übernommen - und nur, wenn es passt.

Einige der Nachrichten kommen von T-Online.

Wachsen mit den Reichweiten von T-Online

Anders als etwa Bento, das die Reichweite des Mutterportals  Spiegel Online nutzt, will die Watson-Redaktion schnell unabhängig werden. Sie soll eigenständig wachsen, um langfristig keine Beiträge mehr auf T-Online oder anderen Portalen der Ströer Media Brands (Kino.de, Gamigo) zu integrieren.

Verlegerische Vorgaben gibt es nicht, die Experimentierfreude ist Programm: "Wir haben große redaktionelle Freiheiten, es gibt keine Tabus, nichts ist verboten", sagt Mayr. Das Ziel: Debatten auszulösen und über das Leser-Engagement zu wachsen. Auch die Personalisierung soll dabei helfen: neben Themen können Leser auch Autoren und Formate abonnieren.

Neues Videoformat rund ums Arbeitsleben

Das Video-Debatten-Format "Wein doch!", wo Redakteure sich betrinken und beklagen, haben sich allerdings die Schweizer Kollegen einfallen lassen. Und so funktioniert die bislang erfolgreichste "Wein Doch!"-Folge aus der Berliner Redaktion:

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In Berlin entstand die Polit-Soap "Bundestag (und Nacht)". Sie greift politisches Geschehen aus einem unterhaltsamen Blickwinkel auf und lässt die Leser über die nächsten Folgen abstimmen. In Kooperation mit den YouTubern Piet Smiet und Le Floid entsteht gerade ein Gesprächsformat mit Politikern. Ein weiteres Videoformat ist bereits in Planung. Es widmet sich Arbeitsleben und Freizeit und fragt "Wie wollen wir leben und arbeiten?"

Die Redaktion will auch Videos drehen, die nur über Social-Media-Kanäle wie Facebook gespielt werden, um dort Reichweite zu generieren. Chefredakteurin Mayr denkt zudem über Live-Formate für Facebook, Instagram und Twitter nach. Einen eigenen YouTube-Kanal hat Watson vorerst nicht.

Obwohl Watson alle wichtigen Nachrichtenthemen abdecken will und damit in eine Lücke unter den eher magazinig angelegten Millennial-Medien stößt (Bento, Zett, Jetzt.de, Refinery 29) spielt Unterhaltung eine große Rolle: "Wir wollen witzig sein und unterhalten. Das passt auch gut zu Debatten und Nachrichten gut und ist für uns kein Gegensatz", sagt Mayr.

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In der Schweiz hat es Watson mit diesem Konzept in die Top Ten der stärksten Medienmarken geschafft. Wie das Projekt in Deutschland angelaufen ist, wird man im Mai begutachten können, wenn die ersten IVW-Zahlen für Watson veröffentlicht werden.


Autor:

Judith Pfannenmüller
Judith Pfannenmüller

ist Korrespondentin für W&V in Berlin. Sie schaut gern hinter die Kulissen und stellt Zusammenhänge her. Sie liebt den ständigen Wandel, den rauhen Sound und die thematische Vielfalt in der Hauptstadt.