Unternehmenskultur :
So arbeitet es sich bei ... News Aktuell

Vor allem mit Frauen-Förderung glänzt News Aktuell in Hamburg. Unser Porträt Nummer 42 ist ein bisschen anders als die vorherigen.

Text: Anja Janotta

Edith Stier-Thompson und Frank Stadthoewer von News Aktuell.
Edith Stier-Thompson und Frank Stadthoewer von News Aktuell.

Szenenwechsel: Bislang haben wir in der Serie "So arbeitet es sich bei ..." klassische Agenturdienstleister vorgestellt. Heute haben wir einen Dienstleister aus dem Medienlager befragt: News Aktuell aus Hamburg. Das Thema Human Resources ist dort übrigens Chefsache, die beiden Geschäftsführer Edith Stier-Thompson und Frank Stadthoewer kümmern sich höchstpersönlich darum.

Gibt es in Ihrer Gruppe Berufsfelder und Jobs, die lange unbesetzt bleiben und für die Sie händeringend nach Personal suchen? Wenn ja, wie lange sind die Stellen unbesetzt? Und was machen Sie, um genau dort Leute zu finden?

Wir suchen durchweg neue Mitarbeiter vor allem im Vertrieb und in der Recherche sowie Entwickler in  der IT. Neben den klassischen Recruiting-Maßnahmen wie Stellenanzeigen etc. setzen wir vermehrt auf unsere eigenen Kanäle mit Maßnahmen auf Social Media und unserem Blog. Außerdem bilden wir uns unseren eigenen Nachwuchs aus. Neben einem Dualen Studium Bachelor of Science Media Management bieten wir neuerdings Ausbildungsplätze zum/zur Fachinformatiker/in für Anwendungsentwicklung und zum Fachinformatiker/in für Systemintegration sowie ein Traineeprogramm im Bereich Marketing/Sales. Speziell im IT-Bereich kommt uns zu Gute, dass wir uns mit unserem bereits zweimal stattgefundenen PR-Hackathon einen Namen in der Entwickler-Branche gemacht haben. Zudem sind wir gerade eine Fördermitgliedschaft mit Moinworld e.V. eingegangen, einem Non-Profit-Verein, welcher sich zum Ziel gesetzt hat, den Anteil der weiblichen Software-Entwickler und Manager im IT-Bereich auf 50 Prozent zu erhöhen.

Lounge von News Aktuell.

Haben Sie ein Patentrezept für die Bildung einer starken Arbeitgebermarke gefunden?

Wir sind schon lange am Markt und in der Branche als beständiger und zuverlässiger Arbeitgeber bekannt. Das hilft ungemein für das Branding als starke Arbeitgebermarke. Unser Patentrezept ist, dass wir viel ausprobieren und uns agil an neue Bedürfnisse des Arbeitsmarktes anpassen. Das macht uns attraktiv sowohl für bestehende als auch für neue Arbeitnehmer. Auf unserem Unternehmens-Blog veröffentlichen wir regelmäßig so genannte Behind the Scenes-Berichte mit einzelnen Mitarbeitern. So bekommen Externe einen sehr detaillierten und authentischen Einblick, wie es sich bei uns arbeitet und wer die zukünftigen Kollegen sein könnten. Aber auch intern kommen die Artikel sehr gut an, denn man erfährt immer wieder etwas Überraschendes über die Kollegen, was man bisher noch nicht kannte.

Was tun Sie konkret zur Mitarbeiterbindung?

Neben vielen Incentives ist unser größtes Asset, dass wir unseren Mitarbeitern zuhören und sie in Entscheidungen aktiv einbinden, sei es in berufliche Entscheidungen oder wenn es um die Arbeitsatmosphäre geht. Zum Beispiel haben wir in einer Mitarbeiter-Umfrage alle möglichen Themen und Ideen abgefragt. Seitdem gibt es bei uns auf Wunsch der Mitarbeiter zum Beispiel nur noch Kaffee und Tee aus fairem Handel, Bio-Milch (inkl. einer veganen Milch), einen Kaffee-Vollautomaten statt Kapseln, Sport am Arbeitsplatz (bewegte Mittagspause), Massage-Angebote oder höhenverstellbare Schreibtische für alle. Außerdem erhalten alle Mitarbeiter bei Erreichung des Jahreszieles einen Jahresbonus in jeweils gleicher Höhe, um ihre erfolgreiche Arbeit wertzuschätzen.  

Um neue Aufgaben zu übernehmen, muss man nicht zwingend den Arbeitgeber wechseln. Bei News Aktuell wird jeder individuell gefördert und es setzen sich immer wieder neue Projektteams zusammen. Unser Unternehmen hat den Change in eine Matrix-Organisation geschafft und Wechsel innerhalb der bestehenden Organisation fördern wir gern, sei es nun inhaltlich oder geografisch. Außerdem haben wir ein Programm zur Mitarbeiterempfehlung eingeführt. Eine Mitarbeiterempfehlung wird in der Regel immer zum Gespräch eingeladen und bei erfolgreicher Einstellung gibt es Prämien in Form von Urlaubstagen, Gutscheinen oder einem Bonus.

Gibt es bei Ihnen die Möglichkeiten zu

a) Home-Office: Ja

b) Sabbaticals: kein Standard, Ausnahmen möglich

c) flexiblen Urlaubszeiten pro Jahr: Ja, spontan möglich in Absprache mit Team/Vorgesetzten

d) flexible Arbeitszeiten: Ja, aber Mindestarbeitszeit von fünf Stunden bei Vollzeitkräften.

e) Job-Tausch mit anderen Niederlassungen bzw. Partner-Unternehmen: Wir haben mehrere Standorte in Deutschland und sind Teil der dpa-Gruppe. So eröffnen sich viele Möglichkeiten entweder die Stadt oder das Unternehmen innerhalb des Konzerns zu wechseln. Durch konzernweite Projekte und gemeinsame Veranstaltungen, wie z.B. die gemeinsame Weihnachtsfeier mit der dpa, kennt man sich auch bereits untereinander und erhält Einblicke in andere Unternehmen der dpa-Gruppe.

f)  Möglichkeiten für eigene Herzensprojekte außerhalb des bezahlten Kundengeschäfts:

Ja, viele Kollegen haben dies auch schon aktiv genutzt. Zum Beispiel ist ein Kollege mit einer privaten Idee/Leidenschaft bei unserem PR-Hackathon angetreten und hat während des Hackathons mit einem Team einen Chatbot entwickelt. Einige Zeit nach dem Hackathon kam das Marketing auf ihn zu und fragte, ob er Lust habe, den Chatbot für die Facebook-Seite von news aktuell weiterzuentwickeln. Ein anderer Kollege ist privat leidenschaftlicher Podcasthörer und hat dies zum Anlass genommen, bei News Aktuell einen Podcast zu initiieren. Außerdem gibt es bei uns die interne Spendenaktion na-ch dem Komma, für die zahlreiche Kollegen seit Oktober 2010 ihre Restcents von der monatlichen Gehaltsabrechnung (oder mehr) in einen Topf spenden, um am Ende des Jahres etwas Gutes zu tun und soziale Projekte in unseren Bürostandorten zu unterstützen. Die gesammelten Spenden werden am Ende des Jahres von news aktuell verdoppelt. Mit dieser Aktion sind schon viele soziale Herzensprojekte, bei denen sich Mitarbeiter in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren (wie z.B. Flüchtlingshilfe oder ein Integrationsspielplatz), auch finanziell unterstützt worden.

g)     bezahlte Überstunden: Nein, bei uns herrscht Vertrauensarbeitszeit und Mitarbeiter managen ihre Plus- und Minusstunden im Rahmen ihrer vertraglich vereinbarten Arbeitszeit selbständig.

 

Die Warteecke.

Kletterwand, Baumhaus, Sterne-Kantine – was gibt es bei Ihnen an unüblichen Incentives für Mitarbeiter?

Wir haben sowohl einen Kickertisch als auch eine Tischtennisplatte. Dort finden regelmäßig Meisterschaften statt. Und für Kicker-Verabredungen gibt es sogar einen Kommunikationschannel bei Slack. Das bieten wir aber nicht an, weil es "in" ist, sondern weil eine kreative Arbeitsumgebung und der teamübergreifende Austausch unserer Meinung nach sehr wichtig sind.

Um kreativ zu sein, braucht unser Gehirn zwischendurch einen Neustart – und das idealerweise auch während der Arbeitszeit. Daher sind auch unsere Meetingräume keine langweiligen Räume mit ein paar Stühlen und Tischen drin – wir haben uns das Ziel gesetzt, die Unternehmenskultur und die Arbeitsatmosphäre unserer Agentur in den Räumen widerzuspiegeln. "Agil" ist unser kleiner, gemütlicher und zugleich angesagter, stylischer Raum und "Kraftvoll" der große Konferenzraum. Dort findet übrigens auch alle zwei Wochen die bewegte Mittagspause statt. Daneben haben wir noch eine kleine Lounge mit Sitzkissen als Rückzugsort und den Raum "Hirsch" für Kollegen, die sich gern im Stehen am Hochtisch miteinander austauschen.

Neben den klassischen Incentives wie vergünstigtes Essen in der Kantine, vermögenswirksame Leistungen und betriebliche Altersvorsorge gibt es bei uns

-        für alle Mitarbeiter bei Erreichung des Firmen-Jahreszieles einen Jahresbonus in gleicher Höhe,

-        einen Familienservice, um unsere Mitarbeiter mit sogenannten "Work-Life-Services" zu unterstützen,

-        eine Zusammenarbeit mit den "Notfallmamas", die in Engpässen bei der Kinderbetreuung unterstützen, etc.

 

Loungestimmung bei News Aktuell.

Wie erfassen Sie die Mitarbeiterzufriedenheit? Welche Ihrer Errungenschaften sind den Mitarbeitern besonders wichtig?

Ein besonderes Element unserer Firmenkultur ist die intensive Kommunikation zwischen den Mitarbeitern über alle Hierarchiestufen hinweg. Im Dialog werden Informationen ausgetauscht, neue Ideen geboren und Herausforderungen bewältigt und somit die Mitarbeiterzufriedenheit erhöht. Daher führen wir einmal im Jahr so genannte 10K-Gespräche zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem. "10K" steht für zehn Kugeln, die man entsprechend der Zufriedenheit nach den Oberthemen Leistungszufriedenheit, Zusammenarbeit, Jobzufriedenheit und Führungsarbeit vergibt. 10 Kugeln entsprechen jeweils der maximalen Zufriedenheit. Die zehn Kugeln begleiten den Austausch untereinander unkompliziert und spielerisch und sie helfen dabei, den Fokus ganz klar auf das gemeinsame Gespräch, weg von Formular oder Formulierung, zu legen. Wir haben diese Gespräche letztes Jahr neu eingeführt und sehr positives Feedback erhalten.

Außerdem bekommt man durch teamübergreifende Meetings und Projekte, die gemeinsame Küche, den Kickertisch, die Tischtennis-Matches und vor allem die "Open-Door-Mentalität", die auch die Geschäftsführung vorlebt, sehr viel auf kurzem und schnellem Wege mit. Insbesondere bei neuen Mitarbeitern holen wir zudem aktiv Feedback und Anregungen ein, damit wir immer wieder frischen Wind bekommen und nicht betriebsblind werden. Mit den Azubis und dualen Studenten, die phasenweise wochenlang in der Berufsschule oder der Hochschule sind, gibt es eine WhatsApp-Gruppe, um sie mit Infos aus dem Unternehmen auf dem Laufenden zu halten und auch organisatorische Dinge schnell und unkompliziert managen zu können.

Hand aufs Herz: Wie hoch ist bei Ihnen die Frauenquote?

Wir beschäftigen 76 weibliche und 58 männliche Mitarbeiter = 57% Frauenquote. Unsere zweiköpfige Geschäftsführung besteht aus einer Frau und einem Mann.

Wie hoch ist die Quote der Mitarbeiter über 45? Und unter 25?

Über 45 sind 61 Mitarbeiter (54%) und unter 25 sind 11 Mitarbeiter (8%).

Wie lang bleibt ein Mitarbeiter im Schnitt? 

Ein Mitarbeiter bleibt im Schnitt ca. 10,5 Jahre. Viele Kollegen, die in der Gründungsphase mit dabei waren, sind auch heute noch im Unternehmen. 20- und 25-jährige Jubiläen sind daher keine Seltenheit bei uns. Da wir stetig gewachsen sind, drückt dies aber natürlich mit der Zeit den Jahres-Schnitt.

Clean-Desk-Policy oder ganz persönliche Schreibtische? Wie stehen Sie dazu?

Die Arbeitsatmosphäre, in der man sich wohl fühlt, zählt bei uns. Daher hat zwar jeder die gleiche technische und möbel-mäßige Ausstattung, kann seinen Arbeitsplatz aber ansonsten individuell einrichten.

Wie stehen Sie zur internen Offenlegung aller Gehälter im Unternehmen?

Das ist bisher kein Thema bei uns.

Dann wollen wir natürlich wissen: Was verdient ein Junior bei Ihnen im ersten Jahr?

Junioren in dem Sinne haben wir nicht. Allerdings haben wir fünf duale Studenten, welche alle das gleiche Gehalt während der Ausbildungszeit bekommen. Dazu übernehmen wir noch einen Großteil der Studiengebühren, zahlen die ÖPV-Karte und stellen ihnen ein MacBook für Arbeit und Universität. Diesen dürfen sie sogar behalten, wenn ihre Abschlussnote besser als 2,4 ist.

Mehr Agenturporträts, u.a. von Jung von Matt, Scholz & Friends und Serviceplan finden Sie in unserem Dossier Arbeitswelt Agenturen.

Mehr zum Thema Gehalt in Agenturen in unserem Dossier Gehalts-Check

Wollen Sie auch in einer Agentur arbeiten? Passende Jobs finden Sie hier.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.