Automobil-Krise :
Springer sagt das Goldene Lenkrad für 2018 ab

Nach den jüngsten Skandalen rund um die Abgasmanipulationen könne man den Award für die Automobilbranche 2018 nicht mehr guten Gewiissens verleihen, begründet die Bild-Gruppe.

Text: Manuela Pauker

Das Goldene Lenkrad bleibt 2018 in der Garage.
Das Goldene Lenkrad bleibt 2018 in der Garage.

Kein Goldenes Lenkrad in diesem Jahr: Bei Axel Springer hat man sich entschlossen, die Verleihung des Preises nach den jüngsten Skandalen in der Automobilbranche auszusetzen. Bild am Sonntag-Chefredakteurin Marion Horn und Auto Bild-Chefredakteur Tom Drechsler begründen den Schritt: "Um es ganz deutlich zu sagen: Wir lieben Autos. Die Menschen, die sie bauen, kaufen und fahren, sind auch unsere Kunden, unsere Leser. Aber jetzt ist nicht die Zeit, um Preise zu vergeben und zu feiern."

Die jüngsten Ereignisse rund um Abgasmanipulationen, die zuletzt in der Verhaftung von Audi-Chef Rupert Stadler gipfelten, hätten gezeigt, dass sich Teile der Automobilbranche weiter in einem notwendigen Wandel befinden, "der entgegen aller Hoffnungen noch lange nicht abgeschlossen ist."

Angesichts dieser Entwicklung könne man, auch im Interesse der Leserinnen und Leser, in diesem Jahr nicht mit journalistischer Glaubwürdigkeit einen Preis für die Automobil-Neuheiten des Jahres verleihen. Auch wenn man wisse, dass man damit auch diejenigen treffe, die "sauber" seien.

Erstmals seit 1976 wird pausiert

Die Maßnahme ist ein Novum in der Geschichte des internationalen Preises, den Verleger Axel Springer 1976 ins Leben rief: Er wurde bislang jedes Jahr verliehen – die jetzige Pause ist die erste in der Historie.

Die Bild-Gruppe will den betroffenen Automobilherstellern nun erst einmal Zeit geben, "auf die tiefgreifenden strukturellen Veränderungen die richtigen Antworten zu finden." Das könnte allerdings dauern – ob der Preis 2019 schon wieder guten Gewissens verliehen werden kann, wird sich zeigen.


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde