Neue Finanzierungsrunde :
Store2be: "Wir wollen der Ströer der PoS-Werbung werden."

Wie der Außenwerberiese vermarktet das Startup Werbeflächen am PoS, standardisiert, online buchbar und vor allem messbar.

Text: Leif Pellikan

Die Store2be-Günder Marlon Braumann, Sven Wissebach, Peter Gundel und Emil Kabisch (v.l.)
Die Store2be-Günder Marlon Braumann, Sven Wissebach, Peter Gundel und Emil Kabisch (v.l.)

"Wir wollen der Ströer der PoS-Werbung werden." Das klingt zunächst ganz schön großspurig für ein Startup, das gerade mal 24 Mitarbeiter beschäftigt. Aber Mitgründer und Saleschef Marlon Braumann meinst das durchaus ernst. Wie bei Ströer lassen sich auch über Store2be Flächen online buchen. 

Und die Investoren glauben an das Modell der Berliner. Erst vor ein paar Tagen haben die Alteigentümer sowie die neuen Investoren Hevella Capital und der VC Fonds Kreativwirtschaft in das Startup Geld gestecktt. In den ersten Runden hatten den Berlinern Project A Ventures von Serien-Investor Florian Heinemann, Global Founders Capital und Atlantic Ventures Geld gegeben. Damit soll nun vor allem der Vertrieb und die Services ausgebaut werden, wie Braumann dem W&V-Schwesterblatt Kontakter erklärt. 

Online-Buchung von 800 Promo-Flächen 

Für den vergleichsweise geringer Kapitaleinsatz - die Investoren haben in Summe bislang 3 Millionen Euro investiert - hat Store2be bereits einiges auf die Beine gestellt. Das Angebot auf der Online-Plattform reicht von Shoppingcentern und Ladenflächen wie in Media-Märkten über Promotion-Orte in Bahnhöfen und an öffentlichen Orten wie dem Berliner Breitscheidplatz.

Online lassen sich per Klick 800 Flächen nach Ort und Zielgruppen selektieren. In Summe hat Store2be Zugriff auf mehr als 3500 Flächen, die für Sales- und Promotion-Aktionen gebucht werden können. Die restlichen Flächen stehen noch nicht im Web, da manche Information oder Bilder für den Selfservice fehlen. "Aber der Bestand wächst stetig", sagt Braumann. 

Das Ziel sei, Produkte und Prozesse soweit wie möglich zu standardisieren. Andernfalls käme Store2be nur schwerlich mit Agenturen ins Geschäft – der neue Fokus des Startups. Anfangs bauten Braumann und seine drei Mitgründer noch auf das Direktkundengeschäft. Doch bei großen Aktionen sind fast immer Agenturen involviert. Das dürften ihm auch die Mentoren von P&G erklärt haben, bei denen Store2be in ein Förderprogramm für Startups gelangte.

Deshalb klopften Braumann und sein Team zuletzt bei vielen Agenturen an. "Das Hauptargument ist die Vereinfachung von Buchungsprozessen. Also keine Telefonate durch Instanzen, keine Mails und Vorort-Termine." 15 Agenturen hat er schon überzeugt. Darunter sind Spezial- und Promotion-Agenturen wie Follow Red (ehemals Roth und Lorenz) sowie East End und UAM Experience.

Verkauf von Ströer-Flächen

Inzwischen sind solche Prozesse eingespielt. Seit Anfang des Jahres vereinbart Braumann sogar fixe Rahmenverträge mit Agenturen, ein weiterer Schritt zum Vermarkter à la Ströer. Wobei sich Store2be nicht als Konkurrenten versteht. Im Gegenteil: Mit Ströer besteht eine fixe Vereinbarung, wonach OoH-Werbeflächen des Kölner Branchenprimus als Teil von Promotion-Aktionen hinzugebucht werden können. "Ohne Preisaufschlag", worauf Braumann explizit hinweist.

Die Agenturen lassen sich gerne helfen. Kein Wunder, das Geschäft brummt. "Wir erleben einen signifikanten Aufschwung im Bereich Markenerleben", sagt Oliver Golz, Geschäftsführer von East End Communications. Seine Agentur für Brand Experience wuchs zuletzt stets mit mehr als 20 Prozent.

Ein Grund, der das Agenturgeschäft befeuert, ist die Möglichkeit zur Messung. "Event Analytics helfen nicht zuletzt Agenturen, die Berechtigung des Kanals innerhalb des Mediamixes zu untermauern", sagt Braumann. Dafür hat Store2be ein System entwickelt, das über die Smartphones der Konsumenten die Zahl der Kontakte misst. Genutzt wird hierfür die Wlan-Suchfunktion von Mobilgeräten. Kunden setzen das System inzwischen auf Messen ein, um Besucherzahlen in einzelnen Ecken von Ständen zu erfassen. So ausgefeilt ist die Technik.


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach.