Fernsehen :
TV-Piraterie kostet Sender jährlich mehr als 430 Mio. Euro

1,9 Mio Deutsche nutzen laut einem Gutachten regelmäßig illegale Live-TV-Streams. Die Schwarz-Guckerei kostet die Sender jährlich mehr als 430 Mio. Euro.

Text: Thomas Nötting

TV-Piraterie: Illegales Live-Streaming kostet die Fernsehbranche jährlich mehr als 430 Mio. Euro.
TV-Piraterie: Illegales Live-Streaming kostet die Fernsehbranche jährlich mehr als 430 Mio. Euro.

Fast zwei Millionen Menschen in Deutschland nutzen illegale Streaming- und TV-Angebote. Dies ist das Ergebnis eines Gutachtens der Forschungsgruppe Goldmedia im Auftrag des Privatsender-Verbands Vaunet, vormals bekannt als VPRT. Durch die Piraterie-Angebote entgehen den Sendern jedes Jahr Einnahmen von mehr als 430 Mio. Euro und Umsätze in Gesamthöhe von 700 Mio Euro.

Dabei beschäftigt sich die Untersuchung noch nicht einmal mit dem mutmaßlich größten Brocken der Bewegtbild-Piraterie: dem illegalen Konsum von Video-on-Demand-Inhalten, etwa von Netflix oder Sky. Die Goldmedia-Forscher untersuchten lediglich Fälle von gekaperten Live-TV-Signalen. Das sind vor allem Sport- und Fußball-Übertragungen aus dem Pay-TV, die Zuschauer aus illegalen Quellen anzapfen, ohne dafür zu bezahlen. Betroffen sind aber auch Spielfilme, Serien und Dokumentationen.

Gehacktes Live-TV aus dem Netz

Die technischen Wege für diese Form der Fernsehpiraterie sind vielfältig. Am häufigsten nutzen die Schwarz-Gucker dafür über den Computer (73 Prozent), das Tablet (31 Prozent) oder das Smartphone (48 Prozent) illegale Quellen aus dem Netz. Zahlreiche Aggregatoren bieten Links etwa zu einem kostenpflichten Champions-League-Spiel an und vermarkten für dieses Signal dann selbst Online-Werbung. Drei Prozent nutzen manipulierte Set-Top-Boxen, mit denen sie gehackte Bezahl-Inhalte vergünstigt oder kostenfrei ansehen können.

Ein wachsendes Problem sind außerdem so genannte Kodi- oder Plex-Boxen. Das sind smarte Empfangsgeräte, die Zugang zu sämtlichen Streaming-Angeboten aus dem Netz ermöglichen – sowohl den legalen wie den illegalen. 36 Prozent der Schwarz-Seher verwenden diese Streaming-Boxen.

Das Piraterie-Problem betrifft vor allem Bezahlsender wie Sky oder Eurosport – aber nicht nur. Betroffen sind laut Vaunet auch kostenpflichtige HD- und HDTV-Signale von Free-TV-Kanälen.

Schwarz-Sehen ist "einfach"

Die Bezahlschranken zu umgehen, ist offenbar nicht so kompliziert. 80 Prozent der von Goldmedia befragten Zuschauer bewerten den Zugang zum illegalen Fernsehvergnügen als „einfach“, 28 Prozent sogar als „sehr einfach“. Auch das Unrechtsbewusstsein ist nicht sehr ausgeprägt. 40 Prozent finden die Nutzung dieser Angebote „vollkommen in Ordnung“. Die Mehrheit der Illegal-Gucker ist jünger als 30 Jahre alt und männlich. Als Hauptgrund nennen diese Nutzer die zu hohen Kosten für ein Bezahl-Angebot.

„Für private Medienanbieter kommen die illegal gekaperten TV-Signale einer Enteignung gleich“, kritisiert Vaunet-Geschäftsleiter Frank Giersberg. Verbandsgeschäftsführer Harald Flemming appelliert an die Politik. „Die Rechtsdurchsetzung zum Schutz der Signalintegrität muss ein Priorität der Medien- und Wirtschaftspolitik sein“.


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.