Kolumne von Frank Behrendt. :
Viel Spaß auf der Single-Party vom "Handelsblatt"

Beim "Handelsblatt" gibt es jetzt den Premium-Abonnenten: Wer besonders wichtig ist, wird in den neuen "Wirtschaftsclub" aufgenommen. Unser Leser Frank Behrendt fühlte sich durch die Einladung durchaus geschmeichelt - bis er zu den Details kam.....

Text: W&V Leserautor

- 4 Kommentare

Beim "Handelsblatt" gibt es jetzt den Premium-Abonnenten: Wer besonders wichtig ist, wird in den neuen "Wirtschaftsclub" aufgenommen. Unser Leser Frank Behrendt* fühlte sich durch die Einladung durchaus geschmeichelt - bis er zu den Details kam.....

Sie kam per Post. Und sie sah gut aus: Die edle schwarze Mitgliedskarte des hochexklusiven neuen Wirtschaftsclubs des "Handelsblattes". Eine weitere smarte Idee vom kreativen Medien-Zauberer Gabor Steingart, den ich extrem schätze. Zusammen mit einer Hochglanzbroschüre gab es auch eine Einladung: Der "liebe Frank Behrendt" wurde mit einer vom Verleger Dieter von Holztbrinck und Herausgeber Gabor Steingart unterschriebenen "persönlichen Einladung" zu einer tollen Feier eingeladen: 70 Jahre "Handelsblatt" sollen da zelebriert werden – und die "Geburt" des neuen Wirtschaftsclubs.

Ich schaue auf das Datum: 30. April 2016. Location: Tempodrom in Berlin. Aha – ein ganz besonderer Tanz in den Mai in der Hauptstadt mit lauter Leuten, die bereits über großen wirtschaftlichen Sachverstand verfügen oder ihn mit dem "Handelsblatt" mehren wollen. Top.

Blick in den Kalender: Ein Samstag. Ein Klick auf die Anmeldemaske. Stop. Scroll. Such. Staun: Kein Hinweis ob die Einladung mit Begleitung ist und wo man diese eintragen soll.

Anruf bei der Club-Hotline: Da ist man etwas erstaunt, weiß nicht so genau, glaubt aber, es wäre nur für die Mitglieder. Noch ein Versuch: Mail an das Clubmanagement. Antwort:  "Unser Veranstaltungsangebot richtet sich exklusiv an unsere Club-Mitglieder". Dazu der Hinweis, dass ich "wenn die Verfügbarkeit es zulässt" eine Begleitperson mitbringen könnte. Aber direkt danach: "Allerdings sind gerade bei einer solch exklusiven Veranstaltung die räumlichen Kapazitäten begrenzt". Ein herzliches Willkommen der Gattin sieht anders aus…

Per Mail soll ich den Namen und Alter (!) – keine Sorge sie wäre über 18 – der Begleitung mal an den Club schicken. Und "voraussichtlich Ende März" würde ich dann eine Info bekommen, ob für die Dame meines Herzens noch Platz ist.

Freunde, die Zeiten in denen man seine Wochenenden für den Job opferte und damit Beziehungen und Familien ruinierte sind (zum Glück) bei den meisten vorbei. Es gibt den "Guru der Gelassenheit" (Zitat "Handelsblatt"), der mit großem Medienecho von Managern davon predigt, die Familie mehr als den Job zu lieben. Und ausgerechnet das "Handelsblatt" lädt wie Parship zu einer Single-Party ein?

Was hab ich gemacht? Abgesagt. Und so gehe ich am 30. April mit meiner Frau schön in Köln essen und tanze anschließend frohgelaunt in den Mai. Am Sonntagmorgen frühstücken wir dann als Familie zusammen mit den Kids. Derweil quälen sich dann die hochwichtigen anderen Member des exklusiven neuen Wirtschaftsclubs nach Tegel, um allein nach langer Partynacht die Heimreise anzutreten – mit Rändern unter den Augen, die genauso schwarz sind wie die edle Plastikkarte des neuen Elite-Zirkels. 

Der Autor: Frank Behrendt ist Vorstandsmitglied der Agenturgruppe Fischer Appelt.


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W&V Leserautor

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4 Kommentare

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Anonymous User 1. Februar 2016

@ Frl.Meyer: müssen tut man das nicht. Wenn man aber will, dass mehr von den eingeladenen kommen, sollte man die Partner/innen auch immer mit einladen. Egal, ob man es nur mit einer Person zu tun haben möchte. Wie Herr Behrendt scheibt, die Familie ist auch wichtig und sollte eigentlich jedem wichtiger sein als das Business. Um ein Wochenende dafür aufzugeben, müsste es schon was verdammt wichtiges sein.

Anonymous User 30. Januar 2016

Erstmal: Sachlich diskutieren ist immer gut! Vielleicht noch mal zur Klarstellung worum es mir ging und geht: Natürlich muss man nicht immer auf jedes Event in Begleitung gehen. Und bei den zahlreichen Business-Events unter der Woche ist das auch völlig okay und oft auch logistisch gar nicht anders machbar. Ich finde es allerdings unpassend, wenn im Rahmen eines hochwertigen national operierenden Wirtschatfs-Clubs an einem Samstagabend in Berlin zu einer exklusiven Gala ohne Begleitung eingeladen wird. Jetzt auch mal die zum Zwecke der Zuspitzung verwendeten Single- und Parship-Wordings beiseite: Ich finde Samstagabend ist Wochenende - und das verbringt man in der Regel eher mit privaten (gemeinschaftlichen ) Aktivitäten. Wenn schon am Samstagabend eine Business-Veranstaltung stattfindet, dann ist es für mich smarter, man lädt mit Begleitung ein. So kann man dann das angenehme mit dem nützlichen verbinden. Oder man legt die Party auf einen Donnerstagabend.

Anonymous User 30. Januar 2016

Warum können Paare eigentlich nicht mehr als Einzelmenschen auf Veranstaltungen? Warum muss ab einem bestimmten Alter immer selbstverständlich der Partner eingeladen werden? Gilt im privaten wie beruflichen Leben. Wenn man nur mit der einen Personen zu tun haben möchte, warum muss immer der Anhang mit eingeladen werden?

Anonymous User 30. Januar 2016

Naja, wenn man den Posts auf Facebook zu diesem Beitrag trauen kann, hat Frank Behrendt ja schon seine eigenen Agenturevents zur Single-Party verwandelt und hat dort selbst eine Menge Spaß. Da braucht er wohl die Parties vom Handelsblatt zusätzlich.

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