Hubert Burda Media :
Warum Blockchain das Potenzial hat, Facebook und Google zu ersetzen

Wie sich Unternehmen mit der neuen Technologie Blockchain das Netz zurückerobern können, erklärt Ingo Rübe, Chef des Burda Startups Bot Labs.

Text: Lisa Priller-Gebhardt

Ingo Rübe, Chef des Burda Startups Bot Labs.
Ingo Rübe, Chef des Burda Startups Bot Labs.

Hubert Burda Media hat gemeinsam mit Ingo Rübe, dem bisherigen CTO des nationalen Verlagsgeschäfts, in Berlin das Start-Up Bot Labs gegründet. Hier will man auf Basis der Blockchain-Technologie neue Geschäftsmodelle entwickeln. Es geht Burda darum, das Netz wieder demokratischer zu machen. 

Herr Rübe, Sie wollen das Netz für die Menschen zurückgewinnen. Wie darf man das verstehen?

Zum Beginn der Digitalisierung war das Netz offen demokratisch für alle. Das Internet 1.0 diente primär dazu, dass sich Forscher untereinander austauschen können. Funktionen wie Email und das World Wide Web existierten auch hier schon auf einer offenen, demokratischen Protokollebene. Die Protokolle sind jedem zugänglich und ihre Nutzung ist für jedes Unternehmen und jede Person kostenlos. Mit der Kommerzialisierung des Internets nach 1995 reichten diese Basisdienste aber nicht mehr aus. Es ging nun auch darum, Produkte zu kaufen, Geld zu bezahlen sowie Dinge zu suchen. Und schließlich auch darum, Menschen zusammenzubringen. Da das protokollbasierte Internet dies nicht leisten konnte, haben sich Firmen gefunden, die diese Services anbieten. Diese Firmen – z. B. Google, Amazon und Facebook - sind heute die wertvollsten Unternehmen weltweit.

Und hier soll die Technologie Blockchain Abhilfe schaffen?

Die ungeheure Macht, die diese Firmen bündeln, verunsichert die Menschen und stellt Unternehmer und Politiker vor große Herausforderungen. Es hat sich gezeigt, dass alle Bemühungen, die Macht dieser Unternehmen auf politische oder juristische Weise in Grenzen zu halten, ziemlich fruchtlos waren. Die Blockchain ist nun ein technologischer Lösungsansatz für dieses Problem: sie bietet die Möglichkeit, die Mehrwertdienste auf der Protokollebene umzusetzen. So können Mitbewerber zu den großen Plattformen entstehen, die wie im Internet der ersten Generation, offen und demokratisch und nicht mehr von Unternehmen dominiert sind.

Blockchain ermöglicht Transaktionen ohne Zwischeninstanzen. Heißt das, dass man Facebook und Google irgendwann gar nicht mehr braucht?

Blockchain hat tatsächlich das Potenzial, Intermediäre und Plattformen im Internet zu ersetzen. Dies wird das Internet nachhaltig verändern. Als Medienunternehmen kann man diese Entwicklung nun entweder beobachten, oder sie aktiv mitgestalten. Wir haben uns für des zweiten Weg entschieden. Facebook und ähnliche Plattformen sind für traditionelle Publisher heute die größte Bedrohung. Sie versuchen immer mehr, unser wichtigstes Asset, die Verbindung zum Leser für sich zu gewinnen und sich zwischen dem Publisher und den Konsumenten zu positionieren. Darüber hinaus verwalteten diese Unternehmen praktisch die Identität ihrer Benutzer im Internet.

Was muss sich ändern?

Wir müssen das Internet wieder demokratisieren und den Nutzern wieder die Hoheit über ihre Daten geben. Dazu müssen wir den Nutzern Alternativen in Form von hochwertigen Diensten bieten, die ohne zentrale Datensilos auskommen. Hierfür bietet die Blockchain Technologie alle notwendigen Chancen. Nun sind Industrie, Investoren und Startups gefragt, die neuen Möglichkeiten zu begreifen und zu nutzen, um die nächste und bessere Generation des Internet zu bauen.

Haben die Entwickler in den USA wieder einmal die Nase vorn?

Das Schöne an Blockchain ist, dass wir bei der Entwicklung keinen Nachteil gegenüber den US-Firmen haben. Wir stehen alle an einer neuen Stunde null. Ein Großteil der tatsächlichen  Entwicklung findet in Europa statt und Berlin ist ein wichtiges Zentrum. Auch deshalb haben wir uns in der Hauptstadt niedergelassen.

Was glauben Sie, wie lange wird es dauern, bis die Blockchain-Technologie in der Mitte der Gesellschaft ankommt?

Das Gartner Institut rechnet, dass es in etwa vier Jahren soweit sein wird. Wir werden es dann aber wohl nicht mehr Blockchain nennen, sondern einfach Internet oder Internet 3.0. Blockchain ist lediglich die Infrastruktur, die uns neue Möglichkeiten gibt, Vorhandenes zu verbessern.

Das Potenzial von Blockchain wird auch bei der Innovationskonferenz DLD heiß diskutiert. Mehr dazu lesen Sie im Liveblog von Lead. 


Autor:

Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

schreibt als Autorin überwiegend für W&V. Im Zentrum ihrer Berichterstattung steht die geschwätzigste aller Branchen, die der Medien. Nach der Ausbildung an der Burda Journalistenschule schrieb sie zunächst für Bunte und das Jugendmagazin der SZ, Jetzt. Am liebsten sind ihr Geschichten der Marke „heiß und fettig“.