Die ungeheure Macht, die diese Firmen bündeln, verunsichert die Menschen und stellt Unternehmer und Politiker vor große Herausforderungen. Es hat sich gezeigt, dass alle Bemühungen, die Macht dieser Unternehmen auf politische oder juristische Weise in Grenzen zu halten, ziemlich fruchtlos waren. Die Blockchain ist nun ein technologischer Lösungsansatz für dieses Problem: sie bietet die Möglichkeit, die Mehrwertdienste auf der Protokollebene umzusetzen. So können Mitbewerber zu den großen Plattformen entstehen, die wie im Internet der ersten Generation, offen und demokratisch und nicht mehr von Unternehmen dominiert sind.

Blockchain ermöglicht Transaktionen ohne Zwischeninstanzen. Heißt das, dass man Facebook und Google irgendwann gar nicht mehr braucht?

Blockchain hat tatsächlich das Potenzial, Intermediäre und Plattformen im Internet zu ersetzen. Dies wird das Internet nachhaltig verändern. Als Medienunternehmen kann man diese Entwicklung nun entweder beobachten, oder sie aktiv mitgestalten. Wir haben uns für des zweiten Weg entschieden. Facebook und ähnliche Plattformen sind für traditionelle Publisher heute die größte Bedrohung. Sie versuchen immer mehr, unser wichtigstes Asset, die Verbindung zum Leser für sich zu gewinnen und sich zwischen dem Publisher und den Konsumenten zu positionieren. Darüber hinaus verwalteten diese Unternehmen praktisch die Identität ihrer Benutzer im Internet.

Was muss sich ändern?

Wir müssen das Internet wieder demokratisieren und den Nutzern wieder die Hoheit über ihre Daten geben. Dazu müssen wir den Nutzern Alternativen in Form von hochwertigen Diensten bieten, die ohne zentrale Datensilos auskommen. Hierfür bietet die Blockchain Technologie alle notwendigen Chancen. Nun sind Industrie, Investoren und Startups gefragt, die neuen Möglichkeiten zu begreifen und zu nutzen, um die nächste und bessere Generation des Internet zu bauen.

Haben die Entwickler in den USA wieder einmal die Nase vorn?

Das Schöne an Blockchain ist, dass wir bei der Entwicklung keinen Nachteil gegenüber den US-Firmen haben. Wir stehen alle an einer neuen Stunde null. Ein Großteil der tatsächlichen  Entwicklung findet in Europa statt und Berlin ist ein wichtiges Zentrum. Auch deshalb haben wir uns in der Hauptstadt niedergelassen.

Was glauben Sie, wie lange wird es dauern, bis die Blockchain-Technologie in der Mitte der Gesellschaft ankommt?

Das Gartner Institut rechnet, dass es in etwa vier Jahren soweit sein wird. Wir werden es dann aber wohl nicht mehr Blockchain nennen, sondern einfach Internet oder Internet 3.0. Blockchain ist lediglich die Infrastruktur, die uns neue Möglichkeiten gibt, Vorhandenes zu verbessern.

Das Potenzial von Blockchain wird auch bei der Innovationskonferenz DLD heiß diskutiert. Mehr dazu lesen Sie im Liveblog von Lead. 


Autor:

Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

schreibt als Autorin überwiegend für W&V. Im Zentrum ihrer Berichterstattung steht die geschwätzigste aller Branchen, die der Medien. Nach der Ausbildung an der Burda Journalistenschule schrieb sie zunächst für Bunte und das Jugendmagazin der SZ, Jetzt. Am liebsten sind ihr Geschichten der Marke „heiß und fettig“.