Wie das Ausland und Online-Spiele das Geschäft bei ProSiebenSat.1 ankurbeln

Gut vorgebaut hat ProSiebenSat.1: Satte Wachstumsraten bei Online-Spielen und im skandinavischen TV-Markt können die Schwächen im deutschen TV-Markt mehr als ausgleichen. Jetzt wird entsprechend investiert.

Text: Petra Schwegler

ProSiebenSat.1 wächst im zweiten Quartal stärker als erwartet – aber das Plus kommt nicht aus dem klassischen TV-Geschäft. Die Schwäche und der Umsatzrückgang im deutschen Fernsehmarkt kann der Münchner Konzern mit dem Wachstum im Internet und im Auslandsgeschäft ausgleichen. Gut im Rennen liegen die skandinavischen Töchter und das Geschäft mit Online-Videos und –Spielen. Der Strategiewechsel macht sich bezahlt.

Die harten Zahlen: Der Umsatz des Unternehmens ist konzernweit um 4,5 Prozent auf 723,3 Millionen Euro gestiegen. Wie die von den Finanzinvestoren Permira und KKR kontrollierte AG am Donnerstag weiter mitteilt, legt der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um zwei Prozent auf 243,5 Millionen Euro zu. Weil nach dem Verkauf der niederländischen und belgischen Sender weniger Schuldzinsen zu zahlen sind, steigt der bereinigte Quartalsgewinn um ein Viertel auf fast 122 Millionen Euro. Trotz der Konjunkturdelle bekräftigt ProSiebenSat.1-CEO Thomas Ebeling die Jahresprognose: Der Umsatz soll  im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen und der bereinigte operative Gewinn (EBITDA) über dem Vorjahreswert von 850 Millionen Euro liegen. Ebeling setzt dabei weiter auf Zuwächse im Digitalgeschäft und Skandinavien. Und er sieht sich bei seinem Fernziel  schon näher: „Über 35 Prozent des zusätzlichen Umsatzpotenzials, das wir bis 2015 erreichen wollen, haben wir bereits realisiert. Das ist ein sehr gutes Ergebnis."

Hierzulande bekommt der Konzern vor allem die anhaltenden Quotenprobleme bei Sat.1 zu spüren. Das formuliert der Konzern im Quartals-Mitteilungsreigen so – mit einem Blick gleich über die Grenze: „Im Segment ‚Broadcasting German-speaking‘ erzielte die ProSiebenSat.1 Group im zweiten Quartal 2012 einen externen Umsatz von 471,0 Mio Euro und lag damit nahezu auf Vorjahresniveau (Vorjahr: 472,3 Mio Euro). Während die TV-Werbeerlöse bei der deutschen Fernsehfamilie nach einem starken Vorjahresquartal leicht rückläufig waren, steigerten die ProSiebenSat.1-Sender in Österreich und der Schweiz ihre Werbeeinnahmen erneut.“ Glück gehabt, dass auch hier jenseits der Grenze gute Geschäfte gemacht werden können. So liegt das „Recurring Ebitda“ des Segments "Broadcasting German-speaking" im zweiten Quartal bei 176,6 Millionen Euro – was immerhin einer Steigerung um 1,4 Prozent beziehungsweise 2,5 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreswert entspricht.

Aber mit den Wachstumsraten im International-TV-Bereich und im Digitalsegment kann das hiesige TV-Geschäft nicht mithalten (wenn auch noch auf niedrigerem Niveau): Im Segment "Broadcasting International" – vor allem Skandinavien - sind die externen Erlöse im zweiten Quartal  auf 162,3 Millonen Euro angewachsen. Das macht ein Plus von 6,4 Prozent oder 9,7 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Den dicksten Zuwachs liefert das "Digital & Adjacent" benannte Segment rund um Online-Angebote und Diversifikation: Die externen Erlöse steigen hier um 15,5 Prozent oder 9,7 Millionen Euro auf 72,1 Millionen. „Das um 9Live-Effekte bereinigte Umsatzwachstum betrug sogar 29,3 Prozent“, so die AG stolz. Der Mitmachsender ist 2011 auf Eis gelegt worden, nachdem sich das Modell tot gelaufen hatte. Bereinigt um 9Live steigt das Ergebnis dieser Säule um 4,0 Millionen Euro beziehungsweise um 20,4 Prozent.

Zum Digital-Plus  tragen vor allem Online-Videos, Online-Games und Ventures bei. Das Geschäftsmodell Media-for-Revenue-Share, bei dem ProSiebenSat.1 TV-Werbezeiten gegen eine Umsatz- bzw. Unternehmensbeteiligung an Start-up-Unternehmen investiert, erziele erneut hohe Zuwachsraten – so der Konzern, ohne hier konkrete Zahlen zu nennen. 

Nun geht es vor allem darum, Sat.1 wieder auf Spur zu bringen. Ein neuer Senderchef – die Rückkehr von Nicolas Paalzow hat ProSiebenSat.1 vor zwei Tagen und damit rechtzeitig vor dem Wust an Mitteilungen rund um die Quartalszahlen verkündet – soll helfen. Einkäufe tun ein Übriges: Die Gruppe verkündet, dass sie den bestehenden Lizenzvertrag mit dem Hollywoodstudio Paramount Pictures verlängert und damit die exklusiven Free-TV-Rechte an einem attraktiven Blockbuster- Paket erhält. Die Vereinbarung umfasst alte und künftige Kinohighlights. Offenbar, so mutmaßt die „FTD“, nimmt ProSiebenSat.1 dafür einen dreistelligen Millionenbetrag in die Hand, um Neu-Produktionen wie "Top Gun 2" und dem nächsten "Star Trek"-Film zeigen zu dürfen. Aber auch wichtige Klassiker wie die "Indiana Jones"-Reihe und die "Beverly Hills Cop"-Trilogie sind mit im Paket. Zur Info:  "Indiana Jones" ist für die Sender so wichtig wie „Asterix & Obelix“ oder „Pretty Woman“; die Folgen sind seit 1992 bei Sat.1 und ProSieben 49 Mal zu sehen gewesen. Alle Rechte gelten für die Sender der ProSiebenSat.1 Group in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Damit es mit dem Wachstum bei Online-Spielen kräftig weitergeht, investiert der Konzern hier erneut: ProSiebenSat.1 schließt eine mehrjährige Partnerschaft für den Bereich Online-Games mit Frankreichs größtem Fernsehsender TF1 beziehungsweise mit eTF1, der New Media-Tochter. Dabei stellt ProSiebenSat.1 Games ab Mitte August sein Portfolio sukzessive dem französischen Games-Portal MYTF1.fr zur Verfügung. Dieses beinhaltet alle Spiele aus den bestehenden Lizenz- und Content-Vereinbarungen mit Sony Online Entertainment (SOE) und 35 weiteren Partnern. Hintergrund: Frankreich ist mit über 25 Millionen aktiven Spielern der zweitgrößte Online-Gaming-Markt in Europa. „Durch die Partnerschaft mit TF1 erreicht ProSiebenSat.1 Games einen weiteren Meilenstein für den internationalen Ausbau des Online-Games-Geschäfts“, heißt es.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.