Die Affäre im Überblick :
Zwei Monate Schmähgedicht: Eine Chronik der Böhmermann-Affäre

Ein beleidigtes Staatsoberhaupt und ein überforderter Moderator: Um was es bei der Böhmermann-Affäre geht, ist eigentlich klar - oder? Eine Chronik der Ereignisse.

Text: W&V Redaktion

Zwei Monate Schmähgedicht - das ist alles passiert.
Zwei Monate Schmähgedicht - das ist alles passiert.

Es ist das bestimmende Medienthema der letzten zwei Monate: Jan Böhmermanns Gedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayip Erdogan hat hohe Wellen geschlagen. Aus plumpen Versen über ein leicht reizbares Staatsoberhaupt ist längst eine Streit entbrannt. Über die Definition von Satire und das, was Meinungsfreiheit bedeutet. Da es jedoch nicht immer leicht fällt, den Überblick zu bewahren, hier eine Chronik der Ereignisse.

Was bisher geschah:

31. März

Der Satiriker trägt im "Neo Magazin Royale" das Gedicht "Schmähkritik" vor. Es enthält Formulierungen über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die unter die Gürtellinie zielen. Böhmermann will damit nach eigenen Angaben den Unterschied zwischen erlaubter und verbotener Satire zeigen.

1. April

Das ZDF gibt bekannt, dass der Beitrag aus der Mediathek gelöscht und nicht wie vorgesehen wiederholt wird.

3. April

Kanzlerin Angela Merkel kritisiert das Gedicht in einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu als "bewusst verletzend". 

10. April

Es wird bekannt, dass die Türkei in einer Verbalnote an das Auswärtige Amt rechtliche Schritte gegen Böhmermann verlangt.

15. April

Die Bundesregierung gibt den Weg für ein Strafverfahren gegen Böhmermann wegen Beleidigung des türkischen Staatschefs nach Paragraf 103 Strafgesetzbuch frei.

16. April

Böhmermann kündigt "eine kleine Fernsehpause" an. 

22. April

Merkel bezeichnet ihre Äußerung, Böhmermanns Gedicht sei "bewusst verletzend", als Fehler. Dadurch sei der Eindruck entstanden, dass ihre persönliche Bewertung etwas zähle.

3. Mai

Böhmermann kritisiert Merkel  in einem Interview mit der "Zeit": "Die Bundeskanzlerin darf nicht wackeln, wenn es um die Meinungsfreiheit geht. Erdogan nennt er einen "nervenkranken Despoten".

10. Mai

Das Landgericht Köln weist eine von Erdogan beantragte einstweilige Verfügung gegen Springer-Chef Mathias Döpfner zurück. Döpfner hatte geschrieben, er mache sich Böhmermanns Formulierungen "in jeder juristischen Form zu eigen". Erdogan werde gegen Döpfner in die nächste Instanz gehen, kündigte dessen Anwalt an.

12. Mai

Böhmermann moderiert wieder das "Neo Magazin Royale" und startet mit einem Paukenschlag. Dem RTL-Reality-Format "Schwiegertochter gesucht" mit Vera Int-Veen jubelte er Schauspieler unter. Der Sender gibt später Fehler zu und zieht Konsequenzen.

17. Mai

Das Landgericht Hamburg erlässt auf Antrag Erdogans eine einstweilige Verfügung gegen Böhmermann. Der Moderator darf seine  "Schmähkritik" zu großen Teilen nicht öffentlich wiederholen. Böhnmermann will die einstweilige Verfügung nicht akzeptieren. 

23. Mai

Der Bundesrichter Thomas Fischer hält einen Teil von Böhmermanns "Schmähkritik" für "vermutlich strafbar". Er selbst werde darüber aber in seiner beruflichen Tätigkeit nicht zu entscheiden haben. Fischer weist darauf hin, dass die verbreitete Ansicht "Satire darf alles" juristisch nicht haltbar sei.

26. Mai

Böhmermanns Sendung "Neo Magazin Royale" verfolgten am späten Abend rund 410 000 Zuschauer auf ZDFneo. In der Woche davor waren es 390 000. Das sind deutlich höhere Werte als vor Beginn der Böhmermann-Affäre. Die erste Sendung nach seiner Fernsehpause am 12. Mai hatten sogar 620 000 Zuschauer eingeschaltet - ein Rekordwert. (dpa mit red)


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