Dazu kommt die angenehme Stimme Wemhoffs und sein großes Wissen und seine Leidenschaft für klassische Musik, mit der er nie hinter dem Berg hält, die er aber nie mit erhobenem Zeigefinger, sondern immer sympathisch und lehrreich vermittelt.

Es fehlt der Mut der Interviewpartner:innen

Leider sieht es so aus, als ob das Konzept bei den Interviewpartner:innen von Wemhoff nicht immer gut ankommt - zumindest deutet er selbst in einem Gespräch an, dass es durchaus Künstler:innen gibt, die sich dem Podcast verweigern mit der Angst, am Ende die falschen Antworten zu geben oder zu wenig zu wissen. Wohl auch aus diesem Grund führt Concerti die Reihe inzwischen als gedruckte Interviewreihe fort. Das ist schade, denn in den Texten geht viel von der Beziehung zwischen Wemhoff, seiner Gäste und der Musik verloren. Zudem eignet sich das Audioformat hervorragend, bestimmte Stellen in einem Stück anzuspielen. Vor allem dann, wenn es die Zeit und den Raum gibt, mehr als drei Takte anklingen zu lassen. Die Zeit nimmt Wemhoff sich und vermittelt dem Zuhörer damit einen guten Einblick in das Stück.

Sollte es wirklich so sein, das zu wenige Künstler:innen den Schritt in die Unsicherheit wagen und sich nicht testen lassen wollen, gehören die Menschen, die es sich in den fünf Folgen trauen, Wemhoff gegenüber zu sitzen, zu den Helden der Musik. Sie selbst profitieren den dem Rätselraten, denn es macht sie sympathisch und menschlich. Und mit diesen Wesenszügen schaffen sie es, einen neuen Zugang zu klassischer Musik zu vermitteln. Eine wachsende Zielgruppe wäre Concerti mit diesem Podcast gewiss. Das Magazin bräuchte nur den Mut, ihn weiterzuführen.



Lena Herrmann
Autor: Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland und Kanada, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.