Corona:
"Die Kampagnenbotschaften haben sich geändert"

Gestiegene Nutzung, großes Vertrauen, weniger Abverkauf: Die Rolle von Radio in Zeiten von Corona hat sich geändert. Wir haben mit RMS-Geschäftsführerin Marianne Bullwinkel gesprochen.

Text: Julia Gundelach

Marianne Bullwinkel, Geschäftsführerin RMS
Marianne Bullwinkel, Geschäftsführerin RMS

Frau Bullwinkel, welche Rolle spielt Radio in Zeiten von Corona?

"Radio erlebt in Corona-Zeiten ein starkes Hoch. Eine kürzlich von uns durchgeführte Ad-hoc-Umfrage zeigt eindrücklich, dass die tägliche Radio-Nutzung durchgängig auf Primetime-Niveau ist: Am Vormittag hören 55 Prozent der Befragten Audio, 48 Prozent in der Drive Time, 46 Prozent zwischen 17 und 20 Uhr und auch am Abend, nach 20 Uhr, nutzt noch jeder Vierte das Medium. Diese Zahlen beweisen, dass Menschen Audioangeboten in Krisenzeiten besonders großes Vertrauen schenken und das Radio als unverzichtbarer Tagesbegleiter eine wichtige Rolle für sie spielt."

Warum schenken die Menschen gerade jetzt Audioangeboten so viel Vertrauen?

"Dafür sehe ich drei Gründe. Erstens wissen die Hörer, dass sie sich beim Sender ihrer Wahl auf die aktuellen Nachrichteninformationen, die regionale Berichterstattung und die unterhaltsame Begleitung durch den Tag verlassen können. Zweitens haben die Hörer häufig eine innige Beziehung und Nähe zu ihren Radio-Personalities aufgebaut. Und drittens verfügt Radio über eine klare Programmstruktur, die in unsicheren Zeiten Halt und Orientierung gibt."

Was bedeutet die Corona-Krise für Radio und was für andere Audio-Formate wie Podcasts und Voicemarketing… 

"Die Corona-Krise bedeutet für Radio in erster Linie einen enormen Reichweitenzuwachs. Mit dem Medium können Werbungtreibende nun Reichweiten ausgleichen, die ihnen an anderen Stellen wegbrechen, wie zum Beispiel im Kino oder bei Events. Hinzu kommt, dass sie mit Audiokampagnen sehr schnell und flexibel auf veränderte Situationen reagieren können. Von der kreativen Idee über die Spotproduktion bis zur Schaltung braucht es bei Bedarf nur wenige Tage. Davon profitieren jetzt zum Beispiel Filialisten, die ihren Traffic auf Ihre Online-Shops umleiten müssen.
Auch Voice-Marketing ist in dieser Zeit ein spannendes Format für Werbungtreibende, denn seit Menschen sich viel zu Hause aufhalten, verlagert sich der Audiokonsum auf die heimischen Geräte. Der Streaming-Dienst Deezer hat erhoben, dass Menschen in Zeiten von Corona Musik verstärkt über Spielkonsolen, Smart TV, Alexa und Google Assistant abspielen. Mit Voice Marketing erzielen Werbungtreibende aktuell wesentlich höhere Reichweiten als sonst. Wer diese innovative Plattform also schon immer mal ausprobieren wollte, für den ist jetzt die beste Zeit."

…und für den Werbemarkt?

"Zu Beginn der Krise haben wir erlebt, dass Werbebudgets kurzfristig heruntergefahren wurden – eine erwartbare Entwicklung in dieser unvorhersehbaren Situation. Mittlerweile sind die Aktivitäten je nach Branche und kommunikativer Zielstellung recht unterschiedlich. Wir unterstützen unsere Kunden bestmöglich darin, in dieser Situation das Potential der gestiegenen Reichweiten zu nutzen."

Hat sich auch die Kreation geändert?

"Ja, die Kampagnenbotschaften sind andere als vor der Krise. Es geht um Wertschätzung, Miteinander, Respekt sowie Dank an Mitarbeiter und Partner. Reine Abverkaufsmotive hören wir kaum noch."

Wie wird sich der Audiomarkt nach der Krise weiterentwickeln?

"Radio spielt gerade jetzt seine Stärken aus – Vertrauen, Nähe zum Hörer, Reichweite, Flexibilität und enorme Umsetzungsgeschwindigkeit. Wir sind daher optimistisch, dass diese bewährten Vorteile von Radiowerbung auch nach der Krise sehr gefragt sein werden, um wieder ins Business zu kommen."



Autor: Julia Gundelach

ist im Specials-Team der W&V und schreibt daher jede Woche über ein neues spannendes Marketing-Thema. Dem Verlag ist sie schon lange treu – nämlich seit ihrem Praktikum bei media & marketing in 2002.


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