"Selbst der Klassiker Porsche 911 sieht in wichtigen Märkten schlecht aus gegen Tesla", meint Dudenhöffer. Droht den Autoherstellern eine Art iPhone-Effekt? 2007 brachte der damalige Apple-Chef Steve Jobs das Smartphone auf den Markt und krempelte den Markt komplett um. Besonders hart traf es den einstigen Branchenprimus Nokia, dessen Handysparte 2013 von Microsoft übernommen wurde. Musk, der mit Tesla einen ähnlichen Hype entfachte, wird bereits mit Jobs verglichen.

In der Branche nimmt man den Rummel offiziell wohlwollend zur Kenntnis. "Wir sind dankbar, dass es Tesla gibt und es die E-Mobilität nach vorne bringt", sagt ein BMW-Sprecher. Musk habe das Thema emotional begehrlich gemacht und so der gesamten Branche geholfen. "Er spielt eine konstruktive Rolle für die Mobilität der Zukunft", pflichtet ein Daimler-Sprecher bei. "Wir haben unsere Strategie, die verfolgen wir konsequent." Technologisch sehen sich die deutschen Hersteller auf Augenhöhe.

Hinter vorgehaltener Hand weisen Branchenkenner darauf hin, dass auch bei Tesla nicht alles Gold ist, was glänzt. So zog das einflussreiche US-Verbrauchermagazin "ConsumerReports" im Herbst seine Empfehlung für das Model S zurück, unter anderem weil Tesla-Fahrer sich über Antriebs- und Ladeprobleme sowie Quietschen, Klappern und undichte Stellen beschwert hatten. Kinderkrankheiten, die Verbraucher anderen Herstellern wohl nicht so einfach durchgehen lassen würden.

"Das wird verdeckt durch den Riesenerfolg", sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Erst in der vergangenen Woche rief Tesla seine bislang ausgelieferten E-SUV vom Typ Model X zurück. Bei dem nach Verzögerungen im Herbst eingeführten Wagen könnten Sitze bei Unfällen unerwartet nach vorn rutschen. Zudem räumte die Firma nach Lieferengpässen ein, die Fertigungskapazität überschätzt zu haben. Der Euphorie tut all das keinen Abbruch.

Noch wird Tesla den Oberklasse-Herstellern trotzdem nicht gefährlich. 50580 Autos lieferten die Kalifornier 2015 aus - das setzen BMW und Daimler mit ihren Kernmarken weltweit im Schnitt in einer Woche ab. Vor allem in Märkten, in denen E-Autos subventioniert werden, trifft Tesla die Konkurrenz teilweise aber durchaus. "Klammert man die SUV aus, wird der Abstand eher größer zu den Oberklasse-Limousinen der deutschen Autobauer", warnt Experte Dudenhöffer.

Und Musk ist mit seinen Versprechen erst am Anfang. Der jüngst vorgestellte Mittelklassewagen Model drei - Teslas erstes Angebot für die breite Bevölkerung - soll den Weg für die bis 2020 geplante Massenfertigung ebnen. Die Nachfrage ist riesig, Hunderttausende Kunden haben sich bereits in die Wartelisten eingetragen - aktuell sind es mehr als 400.000 - und je 1000 Dollar angezahlt. "Man mag sich gar nicht vorstellen, was passiert, wenn das Model 3 in der Produktion ist", sagt Dudenhöffer.

Von Annika Grah und Hannes Breustedt, dpa


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Autor: W&V Redaktion

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