Zoom-Chef Peer Stemmler:
7 Tipps für effektiveres Arbeiten im Homeoffice

Die Hopplahopp-Phase ist vorbei: Jetzt wissen Mitarbeiter und Unternehmen, dass das Thema Homeoffice zum Dauerbrenner wird. Wie das am besten funktioniert, sagt Peer Stemmler, Deutschland-Chef von Zoom.

Text: W&V Leserautor

Sich Zeit für Pausen nehmen, ist auch im Homeoffice wichtig.
Sich Zeit für Pausen nehmen, ist auch im Homeoffice wichtig.

Von zuhause arbeiten? Kein Problem mehr dank neuer Tools wie Zoom, Google Meet, Microsoft Teams & Co. Doch um sich in den eigenen vier Wänden dauerhaft ein positives Arbeitsumfeld zu schaffen, ist eine Professionalisierung nötig.

Tisch, Stuhl, Notebook, Smartphone: Als im Frühjahr alles ganz schnell gehen musste, haben sich viele von uns damit arrangiert, von einem Tag auf den anderen mit dem Allernötigsten von zuhause aus zu arbeiten. Jeder zweite Berufstätige war Mitte März laut einer Bitkom-Umfrage wegen der Corona-Pandemie ganz oder teilweise im Homeoffice.

Ein halbes Jahr danach wird klarer, dass es sich dabei nicht nur um eine vorübergehende Maßnahme wegen Covid-19 handeln wird. IBM hat 25.000 US-Bürger gefragt, wie sie künftig arbeiten wollen, und drei Viertel haben geantwortet: zumindest zeitweise von daheim. Für 54 Prozent käme es sogar infrage, ihren Arbeitsmittelpunkt komplett in die eigenen vier Wände zu verlegen. Pendelstrecken fallen weg, Arbeitszeiten lassen sich flexibler einteilen; gleichzeitig verschwimmt die Trennung zwischen Beruf und Freizeit.

Vieles spricht dafür, dass sich unsere Art zu arbeiten langfristig verändert. Aus "Home oder Office?" wird immer öfter: Home und Office. Darauf müssen wir uns einstellen. Doch wie gelingt es, sich zuhause dauerhaft ein positives Arbeitsumfeld zu schaffen?


Wie schlagen sich Unternehmen wie Otto, Volkswagen, Microsoft und Salesforce im Homeoffice? Lesen Sie dazu die neue W&V-Serie: Home oder Office? Hier geht's zur neuesten Folge mit Trusted Shops sowie zur gesamten Reihe.


Die Veränderung anerkennen

Der wichtigste Schritt ist, sich dessen bewusst zu werden, dass der Arbeitsplatz daheim kein Provisorium mehr ist, sondern fester Bestandteil des beruflichen Alltags. Höchste Zeit, ihn auch so zu gestalten! Dabei hilft eine Atmosphäre, die inspiriert, ohne abzulenken. Meist reicht es schon, eine Pflanze aufzustellen, ein Bild aufzuhängen, einen Gegenstand aus dem Arbeitsumfeld zu integrieren. Im Büro machen das viele ja genauso.

Ist die neue Webcam so eingerichtet, dass die nächste Videokonferenz mit den Kollegen direkt losgehen kann? Und lohnt sich vielleicht genau jetzt die Anschaffung des ergonomisch geformten Bürostuhls, den Sie sich schon so oft im Netz angeschaut haben?

Berufliches und Privates voneinander abgrenzen

Separate Bereiche oder eigene Räume sind die beste Voraussetzung für effektives Arbeiten von zuhause. Tür zu heißt: Jetzt hat der Job Vorrang. Natürlich verfügt nicht jeder in der eigenen Wohnung über ausreichend Platz dafür. Alles vom Küchentisch aus zu erledigen wird auch auf lange Sicht eine Herausforderung bleiben. Einfache Mittel können aber helfen, Berufliches und Privates voneinander abzugrenzen: Boxen für Arbeitsunterlagen lassen sich nach Feierabend einfach wegstellen, um beim Abendessen nicht schon die Arbeit von morgen im Blick zu haben.

Klare Arbeitsabläufe etablieren

Für manche Aufgaben gibt es in Unternehmen keine festgelegten Prozesse. Sie werden trotzdem erledigt, weil sich Mitarbeiter im Büro automatisch über den Weg laufen und kontinuierlich absprechen. Im Homeoffice ist das nicht der Fall. Damit daraus kein Problem entsteht, müssen Führungskräfte beobachten, wie sich Arbeitsabläufe optimieren lassen, und klare Strukturen für Teams etablieren.

Technologien einsetzen – und beherrschen lernen

Moderne Technologien sind die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Homeoffice: vom Cloud-Speicher über Kollaborations-Tools bis zur Videokonferenzlösung. So ist etwa die Nutzung von Zoom zu Beginn der Covid-19-Krise über Nacht sprichwörtlich explodiert. Im April wurden weltweit bereits 300 Millionen Meeting-Teilnehmer verzeichnet – pro Tag.

Jetzt kommt es darauf an, die digitalen Werkzeuge grundlegend verstehen zu lernen. Wer ihre vielfältigen Funktionen umfassend einzusetzen weiß, dem fällt es leichter, Kommunikation im Team zu gestalten, ohne ständig Mails hin- und herzuschicken. Erst dann lässt es sich zuhause genauso produktiv arbeiten wie im Büro.

Für Abwechslung sorgen

Auch im Großraumbüro sitzt niemand stur acht Stunden vor seinem Bildschirm. Wir gehen rüber zum Tisch des Kollegen, um ihn um Rat zu fragen, besuchen Meetings, treffen uns zur Mittagspause in der Kantine. Das alles funktioniert zuhause so nicht. Aber dafür anders: Auch Video-Meetings helfen, den Arbeitstag zu strukturieren. Sie müssen vor allem nicht langweilig sein.

Lange schon gibt es Möglichkeiten, diese interaktiv zu gestalten, sei es durch Live-Umfragen, Chats, Q&As oder Landkarten, mit denen man erfragen kann, wo die Teilnehmer sich befinden. Auch die Verabredung zur virtuellen Kaffeepause ist eine gute Gelegenheit, gemeinsam die Aufgaben für den nächsten Tag durchzugehen – idealerweise nicht am Schreibtisch, sondern im Sessel, in der Küche, vielleicht bei einem kurzen Spaziergang. Das verändert die Perspektive.

Pausen machen

Es klingt so einfach und kommt trotzdem oft zu kurz: Regelmäßige Pausen ermöglichen es uns, leistungsfähig zu bleiben. Kontinuierlich durchzuarbeiten strengt an und ist ungesund. Die Lösung: bewusst gesetzte Unterbrechungen. Aufstehen, kurz durch die Wohnung laufen, ein Glas Wasser trinken. Danach fällt es auch wieder leichter, sich zu konzentrieren.

Teams vertrauen und zuhören

Führungskräfte müssen sich nicht nur auf ihre eigene Arbeitssituation einstellen, sondern auch die Leistungsfähigkeit ihrer Teams im Blick haben. Viele Arbeitnehmer kommen mit einem höheren Maß an Eigenverantwortung gut zurecht. Manche sind zuhause sogar produktiver, weil Ablenkungen fehlen. Dennoch ist es wichtig, ein Gespür für die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter zu entwickeln: Emphatisch sein, Wünsche und Nöte ernst nehmen, Vertrauen zeigen. Räumliche Distanz muss dabei kein Hindernis sein. Im Gegenteil: Regelmäßige Zoom-Calls helfen dabei, in Kontakt zu bleiben und sich auszutauschen.

Fazit:

Die Corona-Krise ist eine der größten Einschnitte, die unsere Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat – und zugleich Beschleuniger einer Remote-Kultur, die uns auf längere Sicht erhalten bleiben wird. Wir sollten nicht mehr nur über die Risiken digitaler Kommunikation sprechen, sondern auch über die Chancen und die Vielzahl flexibler Arbeitsmodelle, die dadurch möglich werden.

Weil ein funktionierendes Homeoffice am Ende eben mehr ist als: Tisch, Stuhl, Notebook, Smartphone.


Peer Stemmler, Head of Sales DACH bei Zoom

Peer Stemmler ist einer der Speaker bei der 8. Auflage des W&V-Eventformats #MachenWirDasBesteDraus. New Normal – und jetzt? lautet das Thema der virtuellen Konferenz, die am Dienstag, 1. September stattfindet. Stemmler ist Deutschlandchef von Zoom und leitet seit Oktober 2019 das Vertriebsteams im DACH-Raum. Er verfügt über jahrelange Erfahrung im Bereich Videotelefonie und -konferenz und lebt mit seiner Familie in Wuppertal.



Autor: W&V Leserautor

W&V ist die Plattform der Kommunikationsbranche. Zusätzlich zu unseren eigenen journalistischen Inhalten erscheinen ausgewählte Texte kluger Branchenköpfe. Einen davon haben Sie gerade gelesen.


Alle Dossiers