Vertical Video:
Warum wir alle längst vertikale Creator sind

Lars Stark, Geschäftsführer Kreation Buddybrand wirft eine praktische Sicht auf die Produktion plattformgerechter Videowerbemittel: Die Stehlampe, die Sektflasche und der Jumpsuit sind vertikal viel schöner inszeniert!

Text: W&V Gastautor

Im Oumi Janta x smart Spot folgt die Kamera der Rollschuhfahrerin oder lässt sie in statischen Einstellungen im Bild tanzen. Hochkant, klar!
Im Oumi Janta x smart Spot folgt die Kamera der Rollschuhfahrerin oder lässt sie in statischen Einstellungen im Bild tanzen. Hochkant, klar!

Der horizontale TV-Spot ist immer noch das Maß aller Dinge. Dabei ist das Hochkantformat längst Bestandteil des digitalen Medienkonsums geworden, insbesondere durch die intensive
Nutzung von Smartphones. Neun von zehn Menschen in Deutschland besitzen eines, das sie fast immer - zu 94 Prozent jedenfalls - hochkant halten. Grund genug also, eine Lanze für die Kreation vertikaler Videowerbemittel zu brechen. Ärgerten sich Nutzer:innen vor ein paar Jahren, ein vertikales Video ansehen zu müssen, empfinden es heutzutage als störend, wenn in einer Story ein 16:9-Film erscheint. Hochkant ist authentisch und passt einfach in die mobile Lebenswelt der Nutzer:innen. Denn jede und jeder von ihnen ist auch selbst Creator und dreht vertikal - sei es das spontane Urlaubsvideo für die WhatsApp-Gruppe oder der Beweis, dass alle schief und krumm unterm Weihnachtsbaum singen für den Familienchat.

Hier verschwimmen zunehmend die Grenzen, denn Marken trauen sich auf einmal, was vor Jahren noch undenkbar war: mit dem Smartphones die aufwändige Kameratechnik zu ersetzen. Für bestimmte Spots oder Produkte ist das 9:16-Format einfach besser eignet. Der Jumpsuit, die Sektflasche oder die Stehlampe sind vertikal schöner inszeniert und verschwinden nicht in der Umgebung einer horizontalen Gesamtkomposition. Dinge wirken imposanter, weil es mehr um Höhe als um Breite geht und Höhe Macht und Bedeutung ausstrahlt. Geht es um Details, ist das Hochformat dem Querformat ebenbürtig. Bei anderen Produktionen müssen wir "weiter" drehen: mit kürzeren Brennweiten, mehr Abstand und höherer Auflösung.

Da in den wenigsten Fällen hochkant gedreht wird, ergibt sich aus diesem vermeintlichen Nach- ein Vorteil: Neben 16:9 und 9:16 lassen sich aus einem achtsam geframten Bild weitere digitale Formate wie 1:1, 4:5 und Skyscraper croppen. Wer auf 16:9 dreht und aus dem Material auch Hochkant-Formate produzieren will, sollte sicherstellen, dass alles im Frame stattfindet. Neben einem geschulten Auge sind digitale Hilfsmittel nützlich - schon semi-professionelle Kameras und Monitore bieten frei wählbare Hilfslinien und Raster an oder dunkeln die Bereiche um das Hauptformat herum ab. Ganz analog behilft man sich schon mal durch das Abkleben des Produktionsmonitors.

Wann welches Format wichtig wird, ist eine Frage des Kanals und der Zielgruppe. Aber nicht nur das muss entschieden werden. Für ein rein vertikales Storytelling sollten folgende Dinge
beachtet werden:

  • Schnelle, horizontale Bewegungen arbeiten gegen das Auge des Betrachters und sorgen dafür, dass es dem Bild nicht folgen kann.
  • Bewegung sollte vom Betrachtenden weg oder zum Betrachtenden hin ablaufen, als würde die Person dem Geschehen folgen. Das Bild wird zum Korridor, der den Blick führt. Ein schönes Beispiel dafür ist der Oumi Janta x smart Spot, der vor allem auf TikTok lief. Hier folgt die Kamera der Rollschuhfahrerin vorwiegend oder lässt sie in statischen Einstellungen im Bild tanzen.

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  • Bewegung nach oben und nach unten, beispielsweise Treppensteigen, schmeichelt dem Format.
  • Gruppen sind schwieriger abzubilden. Wie von TikTok gelernt, stehen die Protagonisten am besten leicht versetzt hintereinander.
  • Für die Komposition vertikaler Formate ist die Drittelregel hinfällig. Eine engere und variablere Fünferregel kann bei der Produktion dafür sorgen, dass mehr von der Umgebung erkennbar wird.

Die Gestaltung von vertikalem Content ist im klassischen Sinne einer Produktion noch mit Herausforderungen verbunden und erfordert kreative Lösungen, Akzeptanz sowie Planung für das Medium. Es heißt also umdenken. Dann lassen sich im Hochkantformat spannende Geschichten inszenieren, die mit den Gegebenheiten spielen und sich authentischer anfühlen, statt einen zurechtgeschnittenen TV-Spot mit post produzierter Kamerabewegung zu nutzen.


Lars Stark, Buddybrand

Lars Stark, Buddybrand

Der Autor: Lars Stark ist Geschäftsführer von Buddybrand und der Inhouse Produktion v.916 mit Fokus auf vertikale Formate.



Autor: W&V Gastautor

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