TechTäglich:
Smarte Speaker spionieren sogar Herzschlag aus

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit smarten Speakern, die sogar den Puls erfassen, und der KI, die Simpsons-Stimmen ersetzt.

Text: Michael Gronau

Mit der neuen Technik der Washingtoner Uni wird Alexa auf Wunsch zur "Herzensangelegenheit".
Mit der neuen Technik der Washingtoner Uni wird Alexa auf Wunsch zur "Herzensangelegenheit".

Smarte Speaker spionieren sogar Herzschlag aus

007 Alexa – der Spion, der mich abhörte, in ganz neuem Einsatz. Smarte Speaker spionieren noch detaillierter aus, als alle bisher dachten. Forscher der Universität Washington haben einen neuen Weg gefunden, unregelmäßigen Herzschlag aufzuspüren. Sie setzten dazu laut einem Bericht der Washington Post auf eine kontaktlose Methode über ein KI-System, das Geräte wie Alexa oder Google Assistant nutzt. Die Smart Speaker waren in der Lage, Vibrationen von Menschen, deren Brustwand sich in der Nähe der smarten Speaker auf- und abbewegte, aufzuzeichnen. Mediziner finden diese Art von Spionage für die Kardiologie hilfreich: Derart ermittelte Daten könnten in der Telemedizin zum Einsatz kommen, wenn ein Arzt den Patienten nicht persönlich untersuchen kann oder wenn der Patient keinen Gesundheitstracker besitzt. Shyam Gollakota, Informatikprofessor an der UW und Mitautor der Studie, erklärte: "Wir haben Google und Alexa in unseren Häusern überall um uns herum. Wir benutzen sie hauptsächlich, um uns morgens aufzuwecken oder Musik zu spielen. Die Frage, die wir uns gestellt haben, ist, ob wir den intelligenten Lautsprecher für etwas Nützlicheres verwenden können." Das Tracken des Herzschlags könnten Amazon und Google nach Ansicht der Forscher ganz einfach über ein Software-Update auf Echo und Co. einspielen. Die Werte würden dann mit Hilfe von Algorithmen über Audiosignale ermittelt, die das menschliche Ohr nicht hören kann. So würden sich auch unregelmäßige Herzschläge aufspüren lassen. Vorausgesetzt, ein User vertraut solche Daten gern Firmen wie Amazon oder Google an...

Telekom zeigt Grammys live und exklusiv

Musik-Fans merken sich den kommenden Montag, 15. März, ab 1 Uhr (MEZ) vor: Dann überträgt die Telekom live und exklusiv die Grammy- Award-Show im kostenlosen Stream bei MagentaMusik 360. Der Grammy wird zum 63. Mal verliehen und gilt als DER Musikpreis weltweit. Im Staples Center in Los Angeles steht vor allem Frauen-Power im Mittelpunkt: Nominiert sind unter anderem Billie Eilish, Taylor Swift, Dua Lipa, Lady Gaga und Beyoncé. Vor allem letztere Künstlerin kann alle Rekorde brechen. Sie ist bereits zum 79. Mal für einen Grammy in verschiedenen Kategorien nominiert – und allein 2021 für neun Auszeichnungen. Wer die Awards mit nach Hause nimmt, entscheidet alljährlich eine Jury aus 50 Experten. 83 Kategorien werden prämiert, u.a. in den Rubriken Sänger*innen, Komponist*innen, Produktionsleiter*innen und Tontechniker*innen. Sie sind keine Nachteule und liegen gegen 1 Uhr deutscher Zeit schon in den Federn? Dann wiederholt MagentaTV im Channel #dabeiTV das Ereignis ab 20.15 Uhr. Das komplette Event steht dann auch auf Abruf bei MagentaMusik 360 bereit. Telekom TV-Chef Michael Schuld hofft gerade in Coronazeiten auf viele Zuschauer: "Die Show voller Entertainment und Glamour bietet den Menschen ein bisschen Abwechslung im eigenen Wohnzimmer. Das tut uns doch allen gerade gut."

KI ersetzt reale Simpsons-Stimmen

Werden die legendären Sprecher der Kult-Comic-Reihe "Die Simpsons" in Kürze überflüssig? Pro Episode zahlt Fox den Stimmen, die teilweise seit 30 Jahren im Einsatz sind, insgesamt 280.000 US-Dollar. Dank des technischen Fortschritts gibt es künftig Sprecher zum Nulltarif – dank Deep Fakes und KI. Die Künstliche Intelligenz kam aktuell probeweise zum Einsatz. Sie imitierte die Edna-Krabappel-Stimme von Sprecherin Marcia Wallace, die 2013 verstorben war, perfekt auf Basis früherer Ton-Aufnahmen von Wallace. Das Portal Wired berichtet, die Simpsons-Macher seien damit in der Lage, die Stimmen zahlreicher Charaktere per KI zu produzieren. Jede KI wird dafür im Schnitt drei Stunden mit Daten älterer Aufnahmen trainiert. Bleibt die Frage der Emotionalität. Tests zeigen, dass die Stimmen doch recht flach und wenig emotional klingen. Von daher sei es schwierig, eine komplette Episode mit KI-Stimmen anzureichern. Vielmehr sei es glaubwürdiger, einzelne Stimmen von der KI sprechen zu lassen, aber nicht auf alle Original-Voices zu verzichten, um die Authentizität einer Folge zu wahren. Einer der befragten KI-Forscher macht realen Personen Hoffnung: "Menschen machen einen guten Job darin, menschlich zu sein."

PS5-Irrsinn: Händler startet Lotterie

Scalper haben die Preise für die heiß begehrte Playstation 5 nach oben getrieben, Konsolen sind seit Wochen kaum verfügbar. Der britische Retailer Currys macht aus der Not eine Tugend: Immer, wenn eine neue Tranche an Geräten eintrifft, startet das Unternehmen eine Lotterie für PS5-Kaufwillige. Dazu müssen sich User für einen sogenannten "PS5 Priority Pass" anmelden. Wer gezogen wird, erhält die Berechtigung, ein Gerät zu kaufen, in Form eines Zertifikats. Wird der dort aufgedruckte Code innerhalb von 72 Stunden nicht gegen eine PS5 eingelöst, kommt der nächste Kunde zum Zug. Pro Person kann nur eine PS5 erworben werden. Currys hofft, dass Scalper, die Konsolen zu horrenden Preisen auf Ebay und Co. anbieten, damit die Lust an der PS5-Zockerei verlieren. Denn die Zuteilung von Zertifikaten erfolgt zufällig. Wie Der Standard berichtet, könnte es Scalpern ohnehin bald in der EU an den Kragen gehen. Ein schottischer Abgeordneter hat eine Initiative gestartet, dass Scalping per Gesetz verboten werden soll. 

YouTube kürt beliebtestes deutsches Musikvideo aller Zeiten

Hätten Sie's gedacht? Der Song "Die Immer Lacht" von Stereoact feat. Kerstin Ott ist in Deutschland das meistgesehene YouTube-Video einer deutschen Künstlerin oder eines deutschen Künstlers ever. Das zeigt die neue Bilanz der Google-Tochter, die 15 Jahre Videoclipping ausgewertet hat. Rund 185 Millionen Aufrufe sammelte der Song. Die Silber-Medaille geht an Bausa mit "Was du Liebe nennst", auf dem dritten Rang liegt das Duett "Senorita" von Kay One und Pietro Lombardi. Roland, der Kaiser, schaffte es mit dem Maite-Kelly-Duett "Warum hast du nicht nein gesagt" als traditioneller Schlagerstar auf Platz 6. Im Gesamtranking der meistgeschauten internationalen Musikvideos aller Zeiten in Deutschland sicherten sich Stereoact und Kerstin Ott mit ihrem Dauerlach-Song den dritten Rang – hinter Spitzenreiter Luis Fonsi mit "Despacito" und Ed Sheerans Hit "Shape of you". 

Damit wünsche ich ein fröhliches Wochenende. Bis Montag bei TechTäglich.



Autor: Michael Gronau

ist Autor bei W&V. Der studierte Germanist interessiert sich besonders für die großen Tech-Firmen Apple, Google, Amazon, Samsung und Facebook. Er reist oft in die USA, nimmt regelmäßig an Keynotes und Events teil, beobachtet aber auch täglich die Berliner Start-up-Szene und ist unser Gadget- und App-Spezialist. Zur Entspannung hört er Musik von Steely Dan und schaut Fußballspiele seines Heimatvereins Wuppertaler SV.


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